NR-Wahl

Kira Grünberg wird Spitzenkandidatin der Tiroler ÖVP

Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg steht an der Spitze der ÖVP-Landesliste.
© APA/Techt

Die ehemalige Stabhochspringerin, die seit einem schweren Trainingsunfall querschnittsgelähmt ist, kandidiert bei der Nationalratswahl für die „Bewegung“ um Sebastian Kurz. In Tirol wird sie Spitzenkandidatin vor Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl.

Innsbruck, Wien - Die querschnittsgelähmte Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg wird nicht nur für die ÖVP-Bundesliste kandidieren, sie wird auch Spitzenkanadidatin der Tiroler VP für die Nationalratswahl am 15. Oktober. Eigentlich sollte die Listenerstellung erst am 16. August erfolgen, doch bereits am heutigen Freitag sind die Würfel in der Tiroler Volkspartei gefallen.

Das Match Bauern- gegen Wirtschaftsbund um den ersten Listenplatz wurde nun also mit Grünberg entflochten, gleichzeitig kandidiert Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (Bauernbund) auf der Wahlkreisliste im Unterland. Nach dem Reißverschlusssystem schafft es Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl jetzt auf Platz zwei der Landesliste. Offenbar wird Grünberg - entgegen bisheriger Gepflogenheiten - das Bundesmandat annehmen. Eigentlich wird traditionell das „niedrigste" angenommen - damit käme Hörl auf der Landesliste zum Zug.

Andrä Rupprechter verzichtet demnach auf die Spitzenkandidatur im Land und stellt sich in seinem Wahlkreis Unterland (Kitzbühel und Kufstein) der Wahl. Dort wird es spannend. Denn hinter ihm wird wohl die Landtagsabgeordnete Bettina Ellinger (Arbeitnehmerbund) aufscheinen, dahinter Nationalrat Josef Lettenbichler (Wirtschaftsbund). Lettenbichler und Ellinger werden sich sicher ein Vorzugsstimmen-Match liefern. Ellinger kann aber noch auf die Landesliste hoffen. Dort wird sie hinter Hörl als Dritte abgesichert, sollte die ÖVP deutlich zulegen ist ein zweites Landeslistenmandat drinnen. Im Wahlkreis Innsbruck-Land und Schwaz gilt NR Hermann Gahr (Bauernbund) als gesetzt, im Oberland dürfte NR Elisabeth Pfurtscheller (Frauen) die Liste anführen. Hoffnungen auf ein Überholen mit Vorzugsstimmen macht sich im Oberland allerdings der Chef der Jungen ÖVP Dominik Schrott.

Platz zehn auf der Bundesliste

Auf der Bundesliste kandidiert Grünberg für die „Bewegung" des neuen ÖVP-Chefs Sebastian Kurz auf dem zehnten Listenplatz. Kurz stellte den Neuzugang am Freitag bei einem Pressetermin im Sportzentrum Marswiese in Wien vor. Die Halterin des österreichischen Stabhochsprung-Rekords soll Behindertensprecherin für die ÖVP im Nationalrat werden.

Kurz erklärte, Grünberg vor einiger Zeit kennengelernt zu haben und von ihrer "extrem positiven Lebenseinstellung beeindruckt" gewesen zu sein: "Ich habe erlebt, wie du Menschen begeistern kannst und Mut machen kannst." Sie habe gezeigt, dass man nie aufgeben darf und die positive Einstellung behalten müsse, ebenso wie man es mit viel Anstrengung und Fleiß schaffen kann. "Ich freue mich sehr, dass du bereit bist, zu kandidieren.Grünberg soll auf Platz zehn der Bundesliste und auch regional kandidieren.

Bisheriger Behindertensprecher der ÖVP war Franz-Joseph Huainigg. Er habe sich entschieden, nicht mehr zu kandidieren, werde aber weiterhin "im Team" bleiben, so Kurz.

Grünberg will Umdenken schaffen

Grünberg brach sich bei einem Trainingsunfall den fünften Halswirbel, als sie nicht auf der Matte landete. Der Unfall jährt sich am Sonntag das zweite Mal. Aufgrund der Querschnittslähmung sei sie nun auf Hilfe angewiesen und will ihre Erfahrung für die Politik nutzen. "Ich muss meine Stimme ergreifen, wenn sich die Chance bietet, dass ich mich für Menschen, die Hilfe brauchen, engagieren und einsetzen kann." Diese Chance gebe ihr nun Kurz. "Ich werde mein bestes geben", um ein Umdenken bei den Menschen zu schaffen, "weil Behinderung fängt im Kopf an, Barrierefreiheit beginnt im denken." Menschen mit Behinderung würden oft unterschätzt: "Aber wir haben viel Energie und schauen positiv in die Zukunft. Wenn man Menschen mit Behinderung das Leben leichter macht, können sie viel bewegen, auch wenn sie sich selbst gar nicht so viel bewegen können."

Die frühere Sportlerin kritisierte die Bürokratie bei der Fördervergabe, diese soll durchforstet werden. Oft sei man kurz davor, aufzugeben, weil der Aufwand zu groß sei, gab sie zu bedenken. Konkret schlägt Grünberg etwa vor, dass eine Online-Plattform für mehr Übersichtlichkeit erstellt wird. Sie wolle sich zwar auch für den Sport einsetzen, im Nationalrat will sie sich jedoch auf den Gesundheitsbereich konzentrieren und für Menschen mit Behinderung ein Sprachrohr sein. In ihrer aktiven Zeit sei sie zwar eine Einzelsportlerin gewesen, jedoch auch die Arbeit im Team gewohnt, erklärte sie weiters. Sie sprach sich weiters dafür aus, dass Schulen enger mit Sportvereinen zusammenarbeiten. Auch Kurz bekräftigte, dass in der Bürokratie oft viel Geld verloren wird. Durch Kompetenzenbereinigung könnte den Menschen viel erspart werden und das Geld dort ankommen, wo es gebraucht wird. (TT.com, pn, APA)