Segeln: Foiling-Premiere bei Nacra-17-EM -Zajac/Matz fliegen auf Shou
Kiel (APA) - Nur wenige Tage nach der Taufe wird Shou bereits das erste Mal groß auf die Probe gestellt. Bei der Nacra-17-EM ab Sonntag vor ...
Kiel (APA) - Nur wenige Tage nach der Taufe wird Shou bereits das erste Mal groß auf die Probe gestellt. Bei der Nacra-17-EM ab Sonntag vor Kiel werden die Boote erstmals fliegen. Der Foiling-Premiere im olympischen Segelsport blicken alle gespannt entgegen, Thomas Zajac und Barbara Matz wollen sich auf ihrem neuen Arbeitsgerät gleich stark in Szene setzen.
Das alte Nacra-17-Modell, auf dem Zajac und Tanja Frank vergangenen August vor Rio de Janeiro zu Olympia-Bronze segelten, ist Geschichte. Die Bootsklasse hebt von nun an ab, Tragflächen am Ende der Schwerter geben dem Rumpf Auftrieb und heben ihn aus dem Wasser. „Im Idealfall ist man durchgehend über dem Wasser. Auch bei den vier großen Manövern Wende, Halse, Spi setzen und fallen lassen. Bei drei haben wir bereits durchgefoilt, die Wende fehlt uns noch“, sagte Zajac zur APA - Austria Presse Agentur.
Shou - ist Japanisch und bedeutet Fliegen - kam vor etwas mehr als einer Woche aus der niederländischen Werft in Neusiedl an. Vorschoterin Matz und Trainer Angelo Glisoni haben es aufgebaut, weil Zajac noch bei der Extreme Sailing Series im Flying Phantom vor Barcelona engagiert war. Nach der Taufe am Donnerstag in Kiel - mit Frank als Patin - folgten erste Wasserung und erster Test.
„Die Manöver und Abläufe sind komplett anders und müssen neu einstudiert werden. Wenn man fliegt, ist das Gefühl anders, man muss anders arbeiten und auch hier versuchen, hundert Prozent rauszukitzeln“, erklärte Zajac. Erfahrung mit Foiling hat er bereits von seinen Einsätzen für Red Bull. Andere Segler haben sich die beispielsweise auf einer Motte geholt.
Das es sich um eine Einheitsbootsklasse handelt und es auch nur einen einzigen Hersteller gibt (one manufactory/one design) sind die Voraussetzungen für alle gleich, wiewohl es natürlich bereits jetzt verschiedene Chargen gibt. „Ich glaube, dass die EM eine Neuorientierung bedeuten wird. Für uns ist es nicht so wichtig, dass wir mit konservativer Taktik ganz vorne mitmischen. Für uns ist es ganz wichtig, auch bei wichtigen Regatten Dinge auszuprobieren. Nächstes Jahr ist die erste Olympiaquali, da wollen wir das Ticket schon holen.“
Nach einer mehrwöchigen Testphase hat sich Zajac im Februar für Matz als neue Bootspartnerin entschieden. Bei ihrem Regatta-Debüt im April vor Hyeres wurden sie Siebente, bei der Kieler Woche holten sie souverän den Gesamtsieg. Nach der EM warten noch das ISAF-WM-Testevent vor Aarhus und die WM in Frankreich. Eine Reise ins Olympiarevier von Tokio 2020 geht sich heuer nicht aus, weil Shou dann insgesamt drei Monate unterwegs wäre.
Denn noch ist die junge Dame das einzige Foiling-Boot im Besitz der Österreicher. Sie kostete 30.000 Euro und wurde mit Freundeshilfe vorfinanziert. Zajac hofft, dass die Kosten über das „Team Tokio“ wieder hereinkommen werden. Was aus seinen drei „alten“ Nacra 17 wird, ist ungewiss. „Es gibt die Option, sie umzurüsten. Aber die neuen Boote sind viel steifer, und Steifigkeit ist eine wichtige Eigenschaft auf einem foilenden Boot. Wir wollen also noch abwarten und keinen Schnellschuss wagen“, meinte Zajac.
Immerhin rund 10.000 Euro würde das Umrüsten pro Boot kosten. Und eine Gelegenheit, umgebaute Boote zu testen, bekommt das OeSV-Duo heuer noch bei den Asian Open vor Shanghai. Dorthin wurden die besten 15 Teams der Welt eingeladen, die Boote werden zur Verfügung gestellt.