10 Jahre Krise - Chronologie: August und September 2007

Wien (APA) - Vor zehn Jahren brach in den USA ausgehend vom Immobilien- und Hypothekenmarkt die Subprime-Krise um zweitklassige Hypothekenda...

Wien (APA) - Vor zehn Jahren brach in den USA ausgehend vom Immobilien- und Hypothekenmarkt die Subprime-Krise um zweitklassige Hypothekendarlehen aus. Hypothekenbanken konnten Milliarden nicht mehr an ihre Gläubiger zurückzahlen. Die Krise weitete sich in der Folge zu einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise aus, auf deren Höhepunkt im Herbst 2008 die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers stand.

Spätestens im Sommer 2007 schwappte die Finanzkrise auch nach Österreich über. Der folgende vierte Teil einer Chronologie wichtiger Ereignisse und Aussagen von vor zehn Jahren betrachtet die Monate August und September 2007. Bisherige Chronologien und Hintergründe am 3. März, 13. April und 2. Juni behandelten den Zeitraum von Jahresbeginn 2006 bis Juli 2007.

1. August 2007: Die US-Investmentbank Bear Stearns setzt den Rückkauf eines ihrer Hedgefonds aus.

Der US-Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage Investment bekommt keine Kredite mehr.

Die deutsche Regierung sieht keine Gefahr für eine deutsche Bankenkrise durch die Turbulenzen um die Mittelstandsbank IKB. Die Rettung der Bank werde den Steuerzahler nicht belasten. „Das Exposure deutscher Banken im US-Real-Estate-Segment ist überschaubar und insgesamt begrenzt“, sagt Bundesbank-Präsident Axel Weber.

2. August 2007: Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Turbulenzen an den Finanzmärkten gelassen. „Das ist ein schrittweiser Prozess der Normalisierung bei der Einschätzung der Märkte“, sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

3. August 2007: Die Ratingagentur Moody‘s sieht die Krise für größere Banken in Europa handhabbar.

Die jüngsten Turbulenzen könnten schlimmere Auswirkungen haben als der Einbruch an den Aktienmärkten in den 1980ern-Jahren oder das Platzen der Blase bei den Internet-Aktien 2000, meint dagegen der CEO von Bear Stearns.

6. August 2007: Mehrere deutsche Fondsgesellschaften schließen Fonds wegen massiver Geldabflüsse.

7. August 2007: Die Finanzkrise erfasst Österreich: Der größte heimische Spezialfonds, der in von anderen Banken vergebene Kredite investiert, wird geschlossen.

Die auf Fondsbewertungen spezialisierte Ratingagentur Feri erwartet eine Verschärfung der Krise.

Mehrere internationale Vermögensverwalter schließen ihre ABS-Fonds.

Die US-Hypothekenkredit-Firma American Home Mortgage Investment meldet Insolvenz an.

9. August 2007: Die französische Großbank BNP Paribas setzt drei Fonds aus.

Die Europäische Zentralbank (EZB) greift erstmals seit sechs Jahren wieder am Geldmarkt ein und stellt den Banken 94,8 Mrd. Euro zur Verfügung.

10. August 2007: Die japanische Notenbank Bank of Japan (BOJ) pumpte eine Billion Yen in den Geldkreislauf.

Die EZB stellt den Banken den zweiten Tag in Folge frisches Geld zur Verfügung. Diesmal sind es 61,05 Mrd. Euro.

Die Börsen gehen weltweit auf Talfahrt.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht die österreichischen Investmentfonds nur geringfügig betroffen.

Die US-Notenbank unterstreicht ihre volle Bereitschaft zum Eingreifen. Sie pumpt 16 Mrd. US-Dollar in den Geldmarkt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält die Turbulenzen für beherrschbar.

11. August 2007: Der US-Hypothekenfinanzierer HomeBanc ist pleite.

12. August 2007: Führende deutsche und österreichische Wirtschaftsexperten sehen durch die US-Immobilienkrise den „robusten“ Aufschwung nicht gefährdet. Auch ein Börsencrash sei nicht zu befürchten.

13. August 2007: Weltweit greifen Notenbanken erneut mit Finanzspritzen am Geldmarkt ein.

Die österreichischen Großbanken sind laut eigenen Angaben von der Krise am US-Hypothekarmarkt nicht betroffen.

14. August 2007: Die EZB pumpt erneut 7,7 Mrd. Euro in den Geldmarkt. Trichet sieht eine allmähliche Normalisierung.

Die US-Hypothekenbank Aegis Mortgage beantragt Gläubigerschutz.

15. August 2007: Der Aktienindex der New Yorker Börse, der Dow Jones, fällt unter 13.000 Punkte.

16. August 2007: Die US-Hypothekenbank First Magnus stellt ihre Geschäfte ein.

Japans Notenbank kündigt erneut eine Geldspritze für den Markt an.

Asiens Börsen melden die höchsten Verluste seit zehn Jahren.

17. August 2007: Die US-Notenbank senkt überraschend den Leitzins um 0,50 auf 5,75 Prozent.

20. August 2007: Die Australische Zentralbank pumpt erneut Geld in das Bankensystem.

Die EZB gibt Entwarnung: Lage am Geldmarkt normalisiert sich wieder.

In den USA findet ein Krisengespräch von US-Finanzpolitikern mit Fed-Chef Ben Bernanke statt.

Die EZB will trotz Finanzmarktkrise an Zinserhöhung im September festhalten.

21. August 2007: Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) sieht die Kreditwürdigkeit von 50 europäischen Großkonzernen - darunter Banken und Versicherungen - durch die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht gefährdet.

23. August 2007: Die US-Hypothekenbank Lehman Brothers steigt aus dem Subprime-Sektor aus. 1.200 Jobs fallen weg.

24. August 2007: Immer mehr internationale Banken räumen Engagements am krisengeschüttelten US-Immobilienmarkt ein.

30. August 2007: Der halbstaatliche US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac leidet unter faulen Krediten.

31. August 2007: Der US-Präsident George W. Bush gibt ein Hilfspaket für Hypothekenschuldner bekannt.

Die Chefin von S&P tritt zurück.

SEPTEMBER 2007:

4. September 2007: Deutsche Banker geben Entwarnung: Die Finanzmarktkrise klingt ab.

5. September 2007: EU-Währungskommissar Joaquin Almunia sieht sehr begrenzte Auswirkungen der Krise auf EU.

Ein ranghoher US-Senator legt einen Gesetzentwurf zur Lösung der Subprime-Krise vor.

6. September 2007: Die EZB verzichtet wegen der Finanzkrise auf eine Zinserhöhung.

Der IWF korrigiert seine Wachstumserwartungen für USA und Eurozone nach unten.

Die US-Börsenaufsicht (SEC) und Staatsanwaltschaften untersuchen Ratingagenturen.

Lehman Brothers und National City streichen Hunderte Hypotheken-Jobs.

9. September 2007: Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel trifft US-Notenbankchef Bernanke.

Die größte US-Hypothekenbank Countrywide zieht die Notbremse und streicht 12.000 Jobs.

Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück warnt vor einer Dramatisierung der Finanzkrise.

11. September 2007: Steinbrück sieht die Gefahren für den Finanzplatz Deutschland noch nicht gebannt.

12. September 2007: Die EZB stellt dem Geldmarkt zusätzlich 75 Mrd. Euro zur Verfügung.

14. September 2007: Die Hypothekenkrise fordert erstes großes britisches Opfer: Der Baufinanzierer Northern Rock bittet die Bank von England um Hilfe.

15. September 2007: EU-Finanzminister sprechen über Bankenkrisen und Währungsfonds.

17. September 2007: Merrill Lynch kündigt Stellenabbau in Subprime-Sparte an.

Die deutsche Regierung bescheinigt dem Bankensektor eine robuste Verfassung.

18. September 2007: Der Goldpreis eilt von Rekord zu Rekord.

Die US-Investmentbank Lehman hält schlimmsten Teil der Krise für ausgestanden.

Die US-Notenbank Fed senkt die Leitzinsen drastisch um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent.

19. September 2007: Die Erste Bank hält Ende der Finanzkrise für absehbar.

20. September 2007: Deutsche Großbanken räumen im Zusammenhang mit der Finanzkrise Probleme ein.

Der russische Aluminiumhersteller Rusal verschiebt größten Börsengang des Jahres.

Europas größte Bank HSBC schließt US-Hypothekentochter.

Der IWF erwartet die schlimmsten Auswirkungen der Marktkrise erst für 2008.

24. September 2007: Die Ausläufer der Kreditmarktkrise erreichen Japan. Die größte Bank des Landes, Mitsubishi UFJ Financial Group, kündigt Abwertungen an.

25. September 2007: Der US-Immobilienkonzern Lennar legt tiefrote Zahlen vor.

26. September 2007: Moody‘s wird wegen Ratings bei zweitklassigen Hypotheken verklagt.

27. September 2007: Experten: Osteuropa bleibt von „Subprime-Krise“ relativ unberührt.

(Den 1. Teil der Chronologie inklusive Hintergründe versandte die APA am 3. März 2017 (APA033), den 2. Teil am 13. April 2017 (APA030), den 3. Teil am 2. Juni (APA020))