Nach viralem Video: Schweizer Dorf von Touristen überrannt
In einem mehr als 2,7 Millionen Mal angeklickten Facebook-Video werden das Örtchen Lavertezzo und der Fluss Verzasca als “die Malediven von Mailand“ angepriesen. Das Problem nur: Seitdem wird der Ort von Touristen überrannt.
Lavertezzo, Innsbruck - Leben wo andere Urlaub machen. Wer träumt nicht davon? Für die Bewohner des Dorfes Lavertezzo in der italienischen Schweiz ist dieser Traum binnen weniger Tage zu einem Alptraum mutiert. Denn ein virales Video lockte in kürzester Zeit derart viele Touristen in das Örtchen, dass dessen Kapazitäten vollkommen ausgeschöpft waren.
2,7 Millionen Menschen (Stand Freitagnachmittag) haben sich das von Filmemacher "Capedit" auf Facebook gepostete, rund eine Minute lange Video bereits angeschaut. "Eine Stunde von Mailand entfernt, 45 Minuten von Varese", heißt es in dem Filmchen, das mit den vielsagenden Worten "Die Malediven von Mailand" betitelt ist.
Grünes Wasser und imposante Felsformationen
Und tatsächlich, sind die Bilder, die "Capedit" liefert, beeindruckend: Grünes Wasser, imposante Felsformationen und ein fulminantes Bergpanorama. Gemacht wurden sie in einem Tal, durch welches das Flüsschen Verzasca fließt. Dieses mündet auf Schweizer Seite in den Lago Maggiore.
Es gibt nur ein Problem: Tausende Italiener reisten in das kleine Tal und nach Lavertezzo um ein Stück der "Malediven von Mailand", wenigstens für ein paar Stunden, für sich zu beanspruchen. "Am Ende dachte ich, dass das Tal explodiert", beschreibt ein Anrainer die Situation gegenüber der Onlineplattform ticinonews.ch.
Halbnackt in der Freiluft-Umkleidekabine
Doch dem nicht genug. Die Touristen würden sich, sagt der Dorfbewohner, auch noch unterirdisch aufführen. "Sie schlafen im Auto, laufen halbnackt über die Straße und verwandeln das Tal in eine Freiluft-Umkleidekabine."
Pragmatischer sieht es hingegen der Bürgermeister des Dorfes im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica, ohne dabei auf einen Seitenhieb zu verzichten: "Das Video hat einen guten Job gemacht, indem es Menschen die Gegend schmackhaft gemacht hat. Aber Herr 'Capredi' (der Filmemacher, Anm. d. Red.) hätte uns einen Gefallen getan, wenn er die Besucher ermahnt hätte, ihre Autos ordentlich zu parken und die Regeln des Dorfes zu beachten." (bfk)