Konfliktforscher erwartet aktuell keine dritte Intifada

Jerusalem (APA/dpa) - Trotz der tagelangen Unruhen im Heiligen Land erwartet der Konfliktforscher Marc Frings aktuell keinen dritten Palästi...

Jerusalem (APA/dpa) - Trotz der tagelangen Unruhen im Heiligen Land erwartet der Konfliktforscher Marc Frings aktuell keinen dritten Palästinenseraufstand (Intifada). „Solange niemand die Autorität von (dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud) Abbas anzweifelt und zur Gewalt aufruft, wird es keine strukturierte Gewalt geben, wie man sie bei den Intifada erlebt hat“, sagte der Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Abbas habe immer wieder deutlich gemacht, dass er militärische Mittel im Kampf gegen die israelische Besatzung ablehne. „Ich sehe in der palästinensischen Gesellschaft vielmehr eine absolute Ermüdung und fehlendes Interesse daran, diesen politischen Stillstand zu überwinden“, sagte Frings. Die letzten Parlamentswahlen in den Palästinensergebieten fanden vor elf Jahren statt. Die Menschen seien stärker daran interessiert, zu arbeiten, Geld zu verdienen und das Leben, das sie sich aufgebaut haben, zu erhalten, als an einer neuen Gewaltwelle.

Nach einem tödlichen Anschlag am 14. Juli am Tempelberg in Jerusalem hatte Israel zeitweise strengere Zugangskontrollen für Muslime zu der heiligen Stätte verfügt. Danach kam es vor einer Woche zu blutigen Protesten, bei denen vier Palästinenser getötet und Hunderte verletzt wurden. Ein Palästinenser erstach in einer israelischen Siedlung im Westjordanland drei Mitglieder einer Familie.

Während der als „Krieg der Steine“ begonnenen ersten Intifada von 1987 bis 1993 verloren etwa 2200 Palästinenser und 200 Israelis ihr Leben. Bei der „Al-Aksa-Intifada“ von 2000 bis 2005 hatten die Palästinenser mit über 3500 Toten die meisten Opfer zu beklagen, mehr als 1000 Israelis starben bei Anschlägen von Palästinensern.