Den Zigeunerbaron einfach zerredet
Starke Sänger, schwächelnde Inszenierung: Die Premiere des Zigeunerbarons von Johann Strauss auf der Festung Kufstein brachte viel Licht, aber auch einigen Schatten.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Mit dem Zigeunerbaron haben die Macher des Kufsteiner Operettensommers den Musikern für heuer das Großwerk von Johann Strauss aufs Notenpult gelegt. In Zeiten von Political correctness ein gewagtes Spiel. In anderen Aufführungsorten gab es durchaus Diskussionen in Bezug auf das Wort „Zigeuner“ und der damit anklingenden Diskriminierung einer Volksgruppe. Dabei gibt Strauss in seiner berühmten Operette, die einen starken Hang zur komischen Oper aufweist, kaum einen Anlass dazu. Es ist vielmehr ein romantisch-sympathischer Blick, der damaligen Zeit entsprechend, den der Großmeister des Walzers auf die Volksgruppe warf.
Auf alle Fälle geht man in der Festungsstadt mit Leichtigkeit über solche Gedanken hinweg und sogar so weit, sich einen in weiten Teilen neuen Zigeunerbaron zu schreiben. Denn Regisseur Gerald Pichowetz fügte eine Rahmenhandlung ein: Maria Theresia (Monika Baumgartner), die sich von ihrem Haushofmeister Conte Carnero (glänzend und witzig gespielt von Josef Forstner) die Liebesgeschichte zwischen Sandor Barinkay und dem Zigeunermädchen Saffi erzählen lässt.
Kann man durchaus machen, mit dem Zigeunerbaron wurde schon Schlimmeres angestellt. Aber im Fall von Kufstein bremsten die (nur teilweise lustigen) Dialoge die Handlung vor dem nicht existenten Bühnenbild (Alexander Paget). Reden schien wichtiger als Singen, nicht einmal die wunderschöne Ouvertüre durften die Musiker ungestört spielen, der Dialog nahm da keine Rücksicht.
Da mussten sich ein sicher dirgierender Ernst Theis und seine hervorragenden Musiker redlich mühen, um das Geschehen immer wieder in Fluss zu bringen. Mehrzad Montazeri, Viktorija Kaminskaite, Andreas Mattersberger, Susanna von der Burg, Angela Riefenthaler, Martin Dablander, Marco Di Sapia und Tatiana Sokolova, der Chor Proscenium und das Orchester der Staatsoper Timisoara (allen ein Bravo für die Leistungen) hauchten den Melodien Leben und Farbe ein, sodass man (musikalisch) versöhnt wurde. Und eine Erkenntnis reicher war: Die Musik von Johann Strauss lässt sich nicht so leicht kaputt machen.