Sie alle sprechen auf ihre Weise musikalisch
Stürmischer Jubel in Salzburg für John Eliot Gardiners wunderbare Monteverdi-Oper „Il Ritorno d’Ulisse in Patria“.
Von Ursula Strohal
Salzburg –John Eliot Gardiner liebt es, in weltumspannenden Tourneen programmatisch Akzente zu setzen, um seine „Leitsterne“ zu präsentieren. Im Monteverdi-Jahr kehrt er nun zu seinen Ursprüngen zurück, als er in den 1960er-Jahren den Monteverdi Choir und das Monteverdi Orchestra, das dann in den English Baroque Soloists aufging, gründete. Mit beiden Ensembles und 18 Vokalsolisten führt er noch in den nächsten Monaten in europäischen Städten sowie in Chicago und New York die drei erhaltenen Opern Monteverdis auf. Der neue Geist von Salzburg holte den Zyklus ins Festspielprogramm.
Und dort geschah, nach dem eröffnenden Triumph von „L’Orfeo“, am zweiten Abend während dreieinhalb Stunden unglaublicher Monteverdi-Herrlichkeit bei „Il Ritorno d’Ulisse in Patria“ erneut, was Gardiner mit der Marienvesper und Harnoncourt mit seinem legendären Zürcher Monteverdi-Opernzyklus vor rund einem halben Jahrhundert ausgelöst hatten. Zuhörer, auf festspielsatten Hochglanzsound eingestellt, erlebten ein neues Hören, die Schönheit in der Reduktion, die Kraft von Monteverdis Wahrhaftigkeit bereiteten zuletzt allen Beteiligten ein Fest.
Vor der Premiere von „L’Orfeo“ 1607 schrieb am Gonzaga-Hof zu Mantua ein Hofbeamter in einem Brief: „Morgen wird Seine Hoheit ein Stück aufführen lassen, welches einmalig sein wird, denn alle Mitwirkenden sprechen musikalisch.“ 32 Jahre später, als Monteverdi in Venedig von der Heimkehr des Odysseus erzählte, waren seine Ausdrucksformen vielfältiger geworden: Die Götter erhielten den virtuosen Glanz; der ihnen zusteht, Odysseus und Penelope, die zwei Jahrzehnte trauernd auf ihn wartet, äußern sich getragen in Rezitativen und die Diener in munter verzierten Tanzrhythmen.
Gardiner weist jedem Stil bis hin zum Madrigal das passende instrumentale Umfeld zu, von einfacher akkordischer Begleitung bis zum Seidenglanz der Streicher und dem Strahlen der Zinken. Die Differenzierung und Sinnlichkeit geht auch im großen Raum der Felsenreitschule auf, Gambe, Lirone und die Lauteninstrumente halten wie jeder einzelne der English Baroque Soloists die feinsten Farben bereit. Dass die Sänger halbszenisch, wenn auch raumfüllend, agieren (Szene: Gardiner mit Elsa Rooke), schmälert die Ausdruckskraft keineswegs, die Sängerinnen, Sänger und Choristen machen die dramaturgische Geschlossenheit mit singulärer Wort-Ton-Deckung und klanglicher Abstimmung mit den Instrumentalsolisten zum Erlebnis. Furio Zanasi vermittelt imposant die Überlebenskraft, Sehnsucht und Gebrochenheit des Odysseus, Lucile Richardots Gestaltung der Penelope mit ihrer unglaublich ausdrucksstarken Stimme ist ein Ereignis. Hervorragend auch Gianluca Buratto (Nettuno), Robert Burt (Iro), Zachary Wilder (Eurimaco), Anna Dennis (Melanto), Hana Blažiková (Minerva), Francisco Fernández Rueda (Eumete), Krystian Adam (Telemaco) und die Übrigen.
Eine Produktion von „Ulisse“ wird im August auch im Zentrum der Innsbrucker Festwochen stehen.
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