Trump ernannte neuen Stabschef - Ein General soll es richten
Washington (APA/AFP) - Donald Trump bewundert Generäle. Und diese Bewunderung geht so weit, dass er einem von ihnen jetzt die zentrale Aufga...
Washington (APA/AFP) - Donald Trump bewundert Generäle. Und diese Bewunderung geht so weit, dass er einem von ihnen jetzt die zentrale Aufgabe übertragen hat, seiner Chaos-Truppe im Weißen Haus endlich Disziplin beizubringen. Neuer Stabschef wird der Vier-Sterne-General und bisherige Heimatschutzminister John Kelly. Er löst den unglückseligen Reince Priebus ab, der sich in den internen Machtkämpfen zerrieben hatte.
Kelly habe einen „spektakulären Job“ im Heimatschutzministerium geleistet und sei „ein wahrer Star meiner Regierung“, pries Trump seinen neuen Stabschef am Freitagabend (Ortszeit) an. Dem 67-Jährigen traut er zu, was sein Vorgänger nicht geschafft hatte: eine schlagkräftige Truppe im Weißen Haus zu formen, die geschlossen für den Präsidenten kämpft.
Offensichtlich konnte Priebus nie das Vertrauen des Präsidenten gewinnen. Er wurde mit brutalem Druck hinausgedrängt. Trumps neuer Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci hatte in den vergangenen Tagen - offenbar zumindest teilweise mit Segen des Präsidenten - eine wilde Kampagne gegen den Stabschef gefahren. Scaramucci beschimpfte und drohte Priebus, den er verdächtigte, hinter Durchstechereien von Informationen an die Medien zu stecken.
Trumps Bewunderung für Kelly ist hingegen in den vergangenen sechs Monaten offensichtlich ständig gewachsen. Der Heimatschutzminister setzte die harte Linie des Präsidenten beim Grenzschutz und gegen illegale Einwanderung konsequent um - ohne viel Tamtam und mit kühlem Kopf. Seine Ernennung ins Weiße Haus könnte bedeuten, dass Trump nun sogar noch stärker als bisher den Schwerpunkt auf Law-and-Order-Themen legen wird.
Kelly, der einen Sohn beim Militäreinsatz in Afghanistan verlor, diente mehr als vier Jahrzehnte lang in der Marineinfanterie. Während der US-geführten Invasion im Irak im Jahr 2003 kommandierte er Truppen, die in heftige Kämpfe verwickelt waren - während dieses Einsatzes wurde er zum General befördert. Er kehrte danach noch zwei Mal zu Einsätzen in den Irak zurück.
Später leitete Kelly das Südkommando der US-Streitkräfte, das die Militäreinsätze und -kooperationen in Lateinamerika und der Karibik steuert. Auf diesem Posten war er bereits für die Bekämpfung des Drogenhandels und der Schleuserkriminalität zuständig. Unter seiner direkten Verantwortung stand damals auch das umstrittene Haftlager in Guantanamo auf Kuba.
Der aus der liberalen Ostküstenmetropole Boston stammende General ist allerdings kein lupenreiner Hardliner. So hat er etwa - im scharfen Gegensatz zu Trumps anti-islamischen Tönen im Wahlkampf - für die Rechte religiöser Minderheiten plädiert. Die US-Soldaten „respektieren und kämpfen sogar für das Recht Deines Nachbarn, jeglichen Gott anzubeten“, zitierte ihn einmal die „Washington Post“.
Im Weißen Haus kommt auf Kelly nun allerdings eine Aufgabe zu, bei der ihm seine lange militärische Erfahrung nur bedingt helfen wird. Denn Disziplin in der Truppe ist nur schwer herzustellen, wenn ausgerechnet ihr oberster Befehlshaber sich in ständigen Disziplinlosigkeiten ergeht. Insofern muss sich Kelly darauf einstellen, dass ihm der Präsident den Job nicht gerade erleichtern wird.