Salzburger Festspiele - Die langwierige Heimkehr des „Ulisse“

Salzburg (APA) - Die Heimkehr des Odysseus war langwierig und voller Irrungen. Verkleidung und Verwandlung, Wettkampf und große Wiederverein...

Salzburg (APA) - Die Heimkehr des Odysseus war langwierig und voller Irrungen. Verkleidung und Verwandlung, Wettkampf und große Wiedervereinigung - die letzten Kapitel des homerschen Epos geben durchaus Opernstoff ab. Aber auch als „Ulisse“, der zweite Teil von John Eliot Gardiners Monteverdi-Trilogie bei den Salzburger Festspielen, wurde die Geschichte gestern, Freitag, Abend, mitunter etwas lang.

Verglichen mit dem „L‘Orfeo“ und der „Poppea“ wird „Il Ritorno di Ulisse“ nur sehr selten gespielt. Das ist eigentlich erstaunlich, immerhin zählte die Oper zu den ersten, die für ein zahlendes Publikum in einem Opernhaus - anstatt für eine Aufführung bei Hof - geschrieben wurden. Sie ist darauf ausgelegt zu unterhalten. Es gibt zahlreiche Buffo-Charaktere, neckische Momente, viele Szenenwechsel, Göttinnen, Königinnen und Nymphen. Statt in Chören wird über weite Strecken in Rezitativen erzählt, das Libretto hat fast den Charakter eines prototypischen Volksstücks.

An die Stelle des Chores pflanzte Monteverdi süße Duette und starke Soloparts - allen voran Penelope, die lang allein gelassene Gattin, gesetzt als Mezzo: keine Prinzessin, eine Königin, keine Frischverliebte, eine treue Seele. Lucile Richardots fülliges, dunkelherbes Timbre ist ideal für diese starke, von Monteverdi mit großer Tiefe ausgestattete Frauenrolle. Auch Krystian Adam, der bereits als Orpheus überzeugte, ist ein hervorragender Telemach - und seine Eurydike aus dem ersten Teil, Hana Blazikova, gibt die Minerva mit der zarten Eleganz ihres wendigen Soprans.

Mit dem halbszenischen Konzept, das Gardiner seiner Monteverdi-Trilogie verpasst hat und das beim stark chorgeleiteten „L‘Orfeo“ für eine organische, lebendige Spiel- und Musizierfläche inmitten der wuchtigen Felsenreitschule sorgte, verträgt sich die theaterkonforme Bauart des „Ulisse“ allerdings weniger gut. Die plastisch geschilderte Handlung scheint nach Bebilderung zu verlangen - auch weil die knapp vier Stunden Musik Längen und Redundanzen aufweisen, die durch den Zauber vereinzelter Momente nicht ausreichend aufgewogen werden.

Feierte man beim „L‘Orfeo“ noch ein ausgelassenes, einander stets zugewandtes barockes Fest, hat sich das Stimmungsbild zum „Ulisse“ auch beim Orchester - den unter den Alte-Musik-Ensembles ob ihrer Prägnanz herausragenden English Baroque Soloists - gewandelt. Die Flötistinnen, sofern sie nicht flöten, haben sogar das Stricken auf der Bühne aufgenommen. Genug Zeit für einen warmen Pullover, wie man ihn im bisher stark verregneten Salzburger Festspielsommer gut brauchen konnte, wird es vermutlich geben: Auch die „Poppea“ ist eine langwierige Sache.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)