Olympia-Bewerbung

Mögliche Mitbewerber Tirols um Winter-Olympia 2026

Schon einmal wurden in der jüngeren Vergangenheit Olympische Winterspiele in Tirol beworben (Bild von 1997). Diesmal hofft das Österreichische Olympische Komitee auf mehr Erfolg.
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Einen Marathon, keinen Sprint stellt das Projekt Olympische Winterspiele 2026 dar. Die Reise beginnt in Tirol – und endet im September 2019 in Mailand.

Aus Wien: Florian Madl

Wien –Aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit (Casinos Austria) scheint Karl Stoss der Optimismus in die Wiege gelegt zu sein. Der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees ortete beim gestrigen Wien-Besuch von IOC-Präsident Thomas Bach allerhand Signale, „dass man einer Tiroler Bewerbung für Winterspiele 2026“ positiv gegenüberstehe. Am Morgen präsentierte der 60-Jährige dem Oberhaupt des Internationalen Olympischen Komitees noch einmal das Konzept dieser „dezentralen Spiele“ mit „Nähe zu den Menschen“. Und der Vorarlberger argumentierte mit den Tiroler Vorzügen: Alles sei da, das Tiroler Organisationstalent sei förmlich eine Garantie für eine reibungslose Abwicklung.

Die Skepsis der Öffentlichkeit, was Fehlentwicklungen in der olympischen Bewegung anbelangt – Stichwort Gigantomanie –, versteht Stoss. Er geht noch einen Schritt weiter: „Wir werden das jetzt noch zweimal erleben“, spielt der Ex-Schwimmer auf die Winterspiele 2018 (Pyeongchang) und 2022 (Peking) an. „Dem werden wir vor der Tiroler Abstimmung (15. Oktober, Anm.) mit offener Informationspolitik begegnen.“ Er sei zuversichtlich, die Bevölkerung überzeugen zu können, um im Anschluss seinen Traum wahrmachen zu können: Bereits im Herbst würde ein informelles Schreiben an das IOC ergehen, in dem man das Interesse für 2026 deponiere. Dem würde in der ersten Jahreshälfte 2018 ein offizieller Brief folgen und schließlich die Kandidatur. Kein einfaches Unterfangen, wie ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel bestätigt: „Die Verträge mit den Austragungsorten müssen dann unter Dach und Fach sein, damit wir Sicherheit haben.“ Bekanntlich gilt neben Innsbruck Hochfilzen, Seefeld, St. Anton und dem Kühtai auch Inzell (GER) als möglicher Schauplatz. Eine „Vorzugsvariante“, wie Mennel betont, noch könne sich das eine oder andere ändern.

Eine positive Tiroler Volksabstimmung am 15. Oktober vorausgesetzt, könnte die Olympia-Kandidatur folgen (geschätzte Kosten: 15 Mio. Euro), die Würfel würden schließlich im September 2019 bei der 132. Session des Internationalen Olympischen Komitees (voraussichtlich) in Mailand fallen.

Olympia sei „auf dem Silbertablett“, meint Berufsoptimist Stoss. Man müsse, um seiner Metapher zu folgen, nur noch zugreifen. Zu entscheiden hat das die Tiroler Bevölkerung.

Sion (SUI): Volksabstimmungen in vier Kantonen abzuhalten, wovon ein negatives Ergebnis allein die gesamte Olympia-Kandidatur zu Fall bringen würde, sind das eine. Das enge zeitliche Korsett — erst spät im Jahr 2018 wären die Referenda möglich — erhöht den Druck. Und: Graubündens jüngste Absage stellt vieles in Frage.

Calgary (CDN): Einer aktuellen Umfrage zufolge sprechen sich zwei Drittel der Bevölkerung in der Gastgeberstadt von 1988 grundsätzlich für neuerliche Winterspiele aus. Was gegen eine Olympia-Auflage 2026 spricht: Schon 2010 (Vancouver) war Kanada Austragungsort, Nachbar USA (Los Angeles) soll zudem die Sommerspiele 2028 erhalten, und mit den Vereinigten Staaten bewirbt sich Kanada auch um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Zwei neue Stadien müssten errichtet werden, was erst einer Rechtfertigung bedarf.

Stockholm (SWE): Bürgermeisterin Karin Wanngaard winkte aus finanziellen Gründen bereits ab, die Alpin-Bewerbe im 600 km entfernten Aare stellen ein weiteres Gegenargument der schwedischen Kandidatur dar.

Almaty (KAZ): Überschaubare Winterspiele, wie gewünscht, werden es in Kasachstan sicherlich keine. Zuletzt vernahm man auch kein Signal für eine neuerliche Bewerbung nach der für 2022, für die Peking den Zuschlag erhielt.

Sapporo (JPN): Auch hier blieben zuletzt Signale aus, nach den zugesprochenen Sommerspielen 2020 in Tokio scheint ein japanisches Wintermärchen 2026 unwahrscheinlich.