Tirolerin Billa von der Schülerliga bis ins EM-Viertelfinale
Auf Österreichs Fußball-Frauenteam wartet im Viertelfinale am Sonntag (18 Uhr) Spanien. Nicole Billa träumt vom Halbfinale.
Von Alex Gruber
Innsbruck – „Ein 13-jähriges Mädchen führte bei Wörgls 4:2-Triumph Regie“, lautete eine der TT-Sport-Schlagzeilen am 11. Juni 2009, nachdem Doppeltorschützin Nicole Billa die Sporthauptschule Wörgl im Tiroler Schülerliga-Finale gegen das Innsbrucker BRG Reithmannstraße zu einem 4:2-Sieg geführt hatte. Die junge Dame stach ins Auge.
Acht Jahre später hat die Angerbergerin mit dem ÖFB-Frauenteam morgen im EM-Viertelfinale mit Spanien die Nummer 13 der FIFA-Frauen-Weltrangliste vor der Brust. Dem Dritten Frankreich hat man in der Gruppenphase schon ein Remis (1:1) abgetrotzt, mit der Schweiz (Platz 17/1:0) und Island (20/3:0) zwei höher klassierte Teams geschlagen. Billa und Co. werden nach dieser EURO nach oben schnellen.
„Wenn mir damals als Mädchen einer gesagt hätte, dass ich heute hier stehe, hätte ich gesagt: Du spinnst“, kann die 21-jährige Offensivkraft das EM-Wunder in den Niederlanden kaum fassen: „Es ist einzigartig.“ Ein Zitat, das auf den Rängen auch für die Unterstützung aus der Tiroler Heimat gilt.
Durchschlagskraft im Kickboxen
Die rotweißroten Frauen haben die Herzen im Sturm erobert, die Leidenschaft geht unter die Haut. Als dreifache Junioren-Welt-und -Europameisterin im Kickboxen hat Billa in Jugendjahren auch auf der Matte gelernt, sich durchzukämpfen. Lamentieren ist ihr – im Gegensatz zu vielen hochbezahlten Männern – genauso wie allen anderen Frauen bei dieser EM-Endrunde fremd: „Ich weiß nicht, ob Frauen so sind und die Schmerzen besser aushalten. Aber ich bin schwer beeindruckt, was diesbezüglich bei harten Zweikämpfen und Verletzungen hier passiert.“ Nachsatz: „Wir sind ehrlich zueinander. Wenn geschnitten wird, dann wird geschnitten“, lässt sie sich von Fouls nicht beeindrucken. Genauso wenig wie von der Tatsache, dass sie noch auf ihren ersten EM-Treffer wartet. Gegen Island war sie zweimal ganz knapp dran: „Da hatte ich auch etwas Pech. Das Glück wird sich auf meine Seite stellen. Und solange wir gewinnen, ist mir das ohnehin egal.“ Nachsatz: „Vielleicht habe ich mir das Tor ja für einen noch besseren Zeitpunkt aufbewahrt.“ Der Sonntag wäre da ganz gut.
In Richtung Semifinale – „Spanien ist sehr spielstark und taktisch einwandfrei“ – riskiert Billa noch keinen Blick, das Auge des Tigers blitzt vor dem Viertelfinale aber durch: „Wenn wir wieder alles abrufen, können wir ihnen Paroli bieten.“ Österreich träumt.
40-Stunden-Woche in Hoffenheim
Dass die Hoffenheim-Legionärin in Deutschland ein süßes Profi-Leben führt, ist übrigens eine Mär, die den Frauenfußball begleitet. In Ausbildung zur Kindergärtnerin hat sie neben dem Fußball eine 40-Stunden-Woche („drei Tage Arbeit, zwei Tage Schule“) zu stemmen. Das steigert den Respekt noch mehr.
Detail am Rande: Dass Simon Campidell – neben Billa 2009 Doppeltorschütze im Schülerliga-Finale – seine vielversprechende Laufbahn 2016 mit 20 Jahren beendet hat, schmerzt Wörgls Westliga-Coach Denis Husic sehr und ist die Kehrseite der Medaille.