Hautnah und erfreulich: „Die Regimentstochter“ in Kirchstetten

Neudorf (APA) - „Belcanto hautnah!“ Mit diesem Slogan wirbt das laut Selbstbezeichnung „kleinste Opernhaus Österreichs“ beim Klassikfestival...

Neudorf (APA) - „Belcanto hautnah!“ Mit diesem Slogan wirbt das laut Selbstbezeichnung „kleinste Opernhaus Österreichs“ beim Klassikfestival im Weinviertler Schloss Kirchstetten für seine Produktionen. Diesmal steht Donizettis „Die Regimentstochter“ am Spielplan - und sorgt für erfreuliche Überraschungen. Premiere war am Samstagabend (die vorliegende Kritik bezieht sich auf die Vorpremiere von Donnerstag).

Der freskengeschmückte Maulpertsch-Saal stellt in der Tat eine Herausforderung für die Inszenierung dar. Csaba Nemedi, scheidender Hausregisseur und künstlerischer Leiter in Kirchstetten, hatte diesmal die Idee, das Soldatenmilieu durch ein clowneskes Zirkusumfeld zu ersetzen. Somit trainierten und alberten einige Herren in rosa quergestreiften Turntrikots herum, was immerhin den unangenehmen militaristischen Touch des Werks minimiert. Viele witzige Details sorgen für einen durchwegs kurzweiligen Opernabend.

Die Hauptrollen sind bemerkenswert gut besetzt: Natascha Young als Marketenderin Marie besticht nicht nur stimmlich mit stupender Höhe und Intonationssicherheit, sondern auch mit darstellerischer Verve. Ihr Bauer Tonio ist der junge chilenische Tenor Diego Gonzalo Godoy, der mit schönem Stimmmaterial und treuherzigem Charme punktet. Biljana Kovac kontrastiert als Marquise mit tiefem Contralto und etwas übertrieben unnahbarer Ausstrahlung. Warum sie vom Hauptmann Sulpice (Jan Durco) einst ein dunkelhäutiges Kind bekommen hat, muss man sich ja nicht unbedingt fragen.

Sehr gründlich vorbereitet wirkt der Wiener Kammerchor, dessen Mitglieder auch als Artisten bzw. Klosterschülerinnen agieren. Hooman Khalatbari dirigiert die Virtuosi Brunenses mit Umsicht. Sehr hübsch sind Kostüme und Ausstattung, die bis in die Dekoration des Stiegenaufgangs reicht (Rachel Julia Kernacs).

Für 2018 wird zum 20-Jahr-Jubiläum in Kirchstetten mit „Der Barbier von Sevilla“ der Auftakt zu einem neuen Rossini-Zyklus angekündigt. Davor aber lädt das Festival noch zu den herbstlichen „KonzertBlättern“ (21. bis 24. September) und zum „Herbstklang Weinviertel“ (29. September bis 1. Oktober). Intendant Stephan Gartner erhofft sich jedenfalls eine Wiederaufnahme ins Theaterfest Niederösterreich und hat eine diesbezügliche Unterschriftenaktion gestartet.

(S E R V I C E - Klassikfestival Schloss Kirchstetten: Gaetano Donizetti, „La fille du regiment“. Regie: Csaba Nemedi, mit Natascha Young, Diego Gonzalo Godoy, Biljana Kovac, Jan Durco u.a.; Vorstellungen bis 13. August, Tickets und Information: www.schloss-kirchstetten.at)