Bunter La-Strada-Startsamstag bei perfektem Sommerwetter

Graz (APA) - Besser hätte der Wettergott den Grazer Nachmittagsflaneuren am ersten Tag von La Strada nicht gesinnt sein können. Das allsomme...

Graz (APA) - Besser hätte der Wettergott den Grazer Nachmittagsflaneuren am ersten Tag von La Strada nicht gesinnt sein können. Das allsommerliche Unterhaltungsfestival bot bereits am ersten Spieltag ein vielfältiges Programm für Jung und Alt - das die Grazer bei perfekter Witterung genießen konnten.

Griesplatz, 16.30 Uhr. „Sie sind gelandet!“, möchte man meinen. Mitnichten. Die drei goldgrünen Marsweibchen mit ergänzendem Männchen, die für Verwirrung unter den nicht eingeweihten Passanten sorgen, sind keine Aliens, sondern Mitglieder des österreichisch-katalanischen Performancequartetts Electrico 28. Ihre ambitionierte Mission lautet: Gemeinsam mit dem Publikum bei einem Stadtspaziergang eine „Sternstunde der Menschheit“ a la Stefan Zweig zu provozieren.

Nach gewissen Startschwierigkeiten gelingt es den pantomimisch agierenden Teamleiterinnen, ihre Schäfchen in kindlich-begeisterte Stimmung zu versetzen. Im Drahtloskopfhörer, mit dem alle Teilnehmer ausgerüstet sind, tönt auch Zweig selbst (stimmlich ideal interpretiert vom jüngst im Kino erfolgreichen Zweig-Darsteller Josef Hader).

Auch wenn der rund einstündige Grätzel-Parcours durch Hinterhöfe, Künstlertreffs, Ateliers und ein Fitnessstudio hinter dem zu Beginn gesteckten Anspruch zurückbleibt: Spaß macht der schnitzeljagd-ähnliche Parcours allemal, nicht zuletzt dank der sympathischen und witzig agierenden „Elektrischen Vier“, wie sich die schauspielenden Akteure selbst nennen.

Weiter geht‘s zur Kunstuni, wo das französische Installationsprojekt „The Kaleidophones“ zur akustischen Bewusstseinserweiterung einlädt. Nach einer viertelstündigen Einführung zum richtigen Hörverhalten, kann man sich mithilfe recht schräger, teilweise tragbarer und teilweise fix installierter Apparaturen auf höchst ungewöhnliche Hörerlebnisse einlassen. Ein an ein Geweih gemahnender Helm mit zwei nach vorne gerichteten Schalltrichtern etwa ermöglicht es, im Park des Palais Meran wie ein Hirsch oder wie ein Reh zu hören. Hohe Frequenzen, wie Vogelzwitschern, Blätterrascheln oder unter Tritten knackende Zweige rücken dabei in den Vordergrund.

Gerne würde man länger verweilen und am liebsten alle Apparaturen ausprobieren, aber der nächste Termin ruft schon. Schnell aufs Fahrrad und ab in den Augarten, wo unter dem Motto „In guten wie in schlechten Zeiten“ der französisch-finnische Zweier-Zirkus Aital (Kati Pikkarainen und Vincent Athala) zu einem zwischen Komik und Romantik changierenden Paarbeziehungswechselbad bittet. Alle typischen Nouveaux-Cirque-Register ziehend, schöpfen die beiden Akteure in ihrem ausgeklügelten Tanz- und Akrobatikprogramm szenisch wie thematisch aus der Motivkiste des Genrekinos.

Offensichtliche Bezugsquellen sind Aki Kaurismäki, Wim Wenders und Federico Fellini (no-na: La Strada). Dramaturgisch einwandfrei inszeniert, endet die Vorstellung in einem zärtlich choreografierten Pas de deux, der das Publikum beim Schlussapplaus von den Bänken holt und in aufgeräumter Stimmung in die laue Sommernacht entlässt.

Sich von La Strada verzaubern lassen kann man sich in Graz noch knapp eine Woche lang. Obwohl die Festivalmacher damit werben, dass ein Großteil der Events gratis ist, sei festgehalten, dass gerade die Tickets zu den programmierten Highlights sehr wohl etwas kosten - und das nicht zu knapp. Hier könnte man sich zur Vermeidung eines Zwei-Klassen-Events ein ausgeglicheneres Kostenbeteiligungsmodell vorstellen.

(S E R V I C E - „La Strada - Internationales Festival für Straßenkunst und Figurentheater“. Von 28. Juli bis 5. August 2017 in Graz sowie an weiteren Orten in der Steiermark. www.lastrada.at)