LA: 48 Medaillensätze bei London-WM zu haben - Starkes ÖLV-Quintett

London (APA) - Mit fünf Athleten ist Österreichs Team bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften von 4. bis 13. August in London zahlenmäßig...

London (APA) - Mit fünf Athleten ist Österreichs Team bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften von 4. bis 13. August in London zahlenmäßig genauso stark wie jenes vor zwei Jahren in Peking, die Schlagkraft indes ist weit höher. Bereits am ersten Wochenende ist mit Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, den Siebenkämpferinnen Ivona Dadic und Verena Preiner sowie Valentin Pfeil im Marathon ein Quartett im Einsatz.

Platz 15 durch die diesmal fehlende Jennifer Wenth im 5.000-m-Finale war 2015 die Topplatzierung für den ÖLV, Weißhaidinger hatte bei seiner ersten WM die Endkampf-Teilnahme als 20. verpasst. Nach Rang sechs bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro und Spitzenleistungen in der heurigen Saison scheint im Olympiastadion von London, der neuen Heimstätte des Marco-Arnautovic-Clubs West Ham United, vieles möglich für den 25-jährigen Oberösterreicher.

„Es ist ein kleines Team, denn die Limits sind viel schärfer geworden. Aber es ist ein schlagkräftigeres als in den Jahren vorher mit Möglichkeiten auf die Top Ten“, sagte ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler im APA-Gespräch. Mit zehn Athleten war man zuletzt 1999 in Sevilla zweistellig vertreten. Für die bisher zwei Medaillen hatten 2001 in Edmonton Stephanie Graf mit Silber über 800 m und 1993 in Stuttgart Sigrid Kirchmann mit Bronze im Hochsprung gesorgt.

„Luki und Ivi haben aus unserem Team die besten Chancen. Und wenn Dominik gut durchkommt, hat er auch seine Möglichkeiten“, meinte Högler. Dadic holte bei der Freiluft-EM 2016 in Amsterdam mit dem neuen österreichischen Rekord von 6.408 Punkten Siebenkampf-Bronze und im März in Belgrad Hallen-EM-Silber im Fünfkampf. Preiner sicherte sich erst Mitte Juli bei der U23-EM in Bydgoszcz mit heimischem Altersklassenrekord Silber und das WM-Ticket. Zehnkämpfer Dominik Distelberger - Hallen-EM-Vierter in Belgrad - hat seine Bewerbstage in London erst am Ende der zweiten Woche.

Für Sonja Spendelhofer ist es die erste WM als Verbandspräsidentin. Sie hatte nach dem Rücktritt von Ralph Vallon im November 2016 auf dem außerordentlichen Verbandstag als einzige Kandidatin das Vertrauen bekommen und wurde heuer im März einstimmig für die nächsten drei Jahre wiedergewählt. Die ehemalige Mehrkämpferin und Kugelstoßerin wird den ÖLV auch auf dem 51. IAAF-Kongress am Mittwoch und Donnerstag im ExCeL vertreten. „Wir wissen, wie schwierig es ist, bei einer WM vorne dabei zu sein, aber das Potenzial ist da“, blickte sie voraus.

Es dürften die Weltmeisterschaften mit der höchsten Zuschauerzahl aller Zeiten werden, 650.000 Tickets waren eine Woche vor dem Startschuss bereits verkauft. „London ist so gut im Organisieren, die Sommerspiele waren für mich sicher die beeindruckendsten. Das Publikum ist sportaffin, kennt sich aus, die Leute wissen, was was wert ist und schätzen die Leistungen. Die Engländer sind ein sehr faires Publikum“, sagte Högler, der sich noch an die Stimmung erinnern kann, die 2012 herrschte, als Mo Farah seine Rennen lief.

Erstmals werden bei einer Freiluft-WM 48 Medaillensätze vergeben. Mit der kurzfristigen Aufnahme der 50 Kilometer der Geherinnen im Rahmen des Männerbewerbs, aber mit eigenem Ergebnis und Preisgeld, beträgt der Geschlechter-Anteil an Disziplinen je 50 Prozent.

Ebenfalls neu ist, dass in London die beiden Marathonläufe am ersten Sonntag stattfinden, die Strecke führt vorbei an Sehenswürdigkeiten wie London Eye, Big Ben, St. Pauls Cathedral und Tower. Die vier Entscheidungen im Gehen sind für den Schlusstag unter dem Motto „Festival of Race Walks“ angesetzt, und zwar auf einer 2-Kilometer-Schleife zwischen Buckingham Palace und Triumphbogen (Admiralty Arch).

Bereits jetzt steht fest, dass „God save the Queen“ im Stadion bei einer Siegerehrung erklingen wird. Denn insgesamt elf Einzelathleten und fünf Teams nahmen die Einladung an, nachträglich zugesprochene Medaillen im Rahmen dieser WM verliehen zu bekommen. So auch die mittlerweile vom Spitzensport zurückgetretene britische Mehrkämpferin Jessica Ennis-Hill, der Gold für den Gewinn der Welttitelkämpfe 2011 in Daegu umgehängt wird. Die Russin Tatjana Tschernowa hatte dieses wegen mehrfachen Blutdopings verloren.

„Ich freue mich, dass diese Athleten nun für ihre Leistungen entsprechend geehrt werden. Und was könnte besser sein, als vor leidenschaftlichen Leichtathletik-Fans bei einer großen Meisterschaft“, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe stolz darauf, den von Dopingsündern um ihren Verdienst betrogenen Sportlern eine geeignete Bühne für die späte Auszeichnung bieten zu können.

Eine weitere wichtige Entscheidung fiel auch, 19 russische Athleten werden unter neutraler Flagge antreten (ANA/Authorised Neutral Athlete). Der russische Verband ist bereits seit November 2015 wegen systematischen Dopings gesperrt und von einer Teilnahme als Nationalteam ausgeschlossen. Insgesamt 2.034 Athleten für mehr als 200 Länder/Mannschaften wurden genannt, darunter auch ein fünfköpfiges Flüchtlingsteam.

Aus internationaler Sicht steht der Abschied von Usain Bolt im Fokus. Der jamaikanische Sprinter wird am Samstag über 100 m und in der Woche darauf mit der Kurz-Staffel antreten und hofft auf seine WM-Goldmedaillen Nummer 12 und 13. Danach will der achtfache Olympiasieger seine glanzvolle Karriere beenden, am 21. August wird er 31 Jahre.