Erste Liga

Tiroler Wahrheit liegt in der Mitte

Es war wie verhext - auch der eingewechselte Stefan Rakowitz vergab bei der Nullnummer gegen Kapfenberg einen Sitzer in der Schlussphase.
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Von Katerstimmung ist beim FC Wacker nach dem 0:0 gegen Kapfenberg keine Spur. Die WSG Wattens hat sich mit dem 1:0-Sieg bei Liefering schon wieder aus dem kleinen Tief verabschiedet.

Von Wolfgang Müller und Tobias Waidhofer

Innsbruck –25:4 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz, 61 Prozent Zweikampfquote, Eckenverhältnis 13:2 – Zahlen, die eigentlich für drei Siege reichen müssten. Doch im Tivoli schaute für den FC Wacker nur ein mickriger Punkt gegen Kapfenberg heraus. Klar, dass die Schwarzgrünen nach dem Schlusspfiff enttäuscht zu Boden gingen, denn der Sturmlauf gegen den Steirer-Riegel hätte sich mehr verdienen müssen, als das letztlich konsternierende 0:0. „Wir haben erreicht, was wir wollten, und hatten auch das nötige Glück gehabt“, machte sich Kapfenbergs 72-jähriger Trainer Robert Pflug mit seinen Falken auf die Heimreise.

Der 63-jährige Karl Daxbacher befand sich am Tag danach immer noch in einem Wechselbad der Gefühle. „Einerseits kann ich der Mannschaft nicht viel vorwerfen. Denn gegen so einen extrem defensiv eingestellten Gegner muss man erst einmal so viele Chancen herausspielen. Außerdem wurde bis zur letzten Sekunde alles versucht, was auch vom Publikum honoriert wurde“, sah der Wacker-Coach viel Positives, aber natürlich auch die Kehrseite der Wacker-Medaille: „Freilich fehlt die Präzision im Abschluss. Bei so einer Dominanz muss der Ball halt auch einmal ins Tor. Und zwei Punkte nach zwei Spielen sind auch zu wenig.“

Das war auch der Tenor im Lager der Kicker. „Bei diesem Aufwand und dieser Überlegenheit muss mehr herausschauen. Aber viel vorwerfen können wir uns nicht. Wir sind auf dem richtigen Weg“, ärgerte sich Flo Jamnig, der so wie Martin Harrer, Stefan Rakowitz, Harald Pichler, Zlatko Dedic oder Christoph Freitag den so wichtigen Führungstreffer am Fuß hatte, über die bittere Nullnummer zum Heimauftakt. Ganz nach dem Motto „Jetzt erst recht“ muss das Punktekonto aufgefüllt werden. Zum Beispiel am kommenden Freitag beim Sensationsaufsteiger Hartberg und dann am Dienstag darauf im Tivoli gegen den Aufstiegskandidaten Austria Lustenau.

„Das 0:0 gegen Kapfenberg abhaken und mit demselben Elan die nächsten Aufgaben angehen. Dann kommt auch das Glück zurück, davon bin ich fest überzeugt“, blickte auch General Manager Alfred Hörtnagl optimistisch in die nähere Zukunft.

Es lag auf der Hand, dass gerade nach dem 0:0 und den vielen vergebenen Chancen auf den Tribünen oft der Name des nach Nancy transferierten Patrik Eler fiel. „Mit ihm hätten wir locker 3:0 oder 4:0 gewonnen“, lautete der Tenor. Auf diese Diskussion will sich Daxbacher erst gar nicht einlassen: „Weil es nichts bringt. Es ist nun einmal so, dass er nicht mehr da ist und wir in der Pflicht stehen, auch ohne ihn unsere Ziele zu erreichen.“

Wattens reichte ein genialer Moment

Mehr als ein müdes Lächeln konnte man Wattens-Trainer Thomas Silberberger nicht entlocken. Die Tatsache, dass die WSG Wattens in der Tabelle vor dem großen Bruder FC Wacker steht, lockte den Wörgler nicht hinter dem Ofen hervor. „Vor 24 Stunden waren wir noch die Fehlstarter, jetzt sind wir wieder die Besten“, sprach aus dem Coach auch die Ironie. Im Fußball-Geschäft gehe es nun einmal schnell.

Offensiv reichte der WSG am Freitag ein genialer Moment: Der technisch hochwertige Chip von Dino Kovacec, die Übersicht von Lukas Katnik und der perfekte Laufweg von Milan Jurdik waren ein Fall für Fußball-Ästheten und bedeuteten gleichzeitig den Goldtreffer beim 1:0 in Liefering.

Nicht nur den Verantwortlichen fiel nach dem ersten „Dreier“ der Saison ein Stein vom Herzen, das zeigte die Reaktion der WSG-Spieler nach dem Abpfiff. „Die Erleichterung ist riesengroß, aufjeden Fall“, gestand Angreifer Lukas Katnik. „Die ersten zwei Spiele waren gar nichts. Jetzt haben wir uns zusammengerissen und sind erleichtert, dass wir gewonnen haben.“

Und das, obwohl mit Benni Pranter (gesperrt) und Simon Zangerl (verletzt) zwei gefährliche Offensiv-Waffen fehlten. Besonders Dino Kovacec drückte dem Spiel als Pranter-Ersatz den Stempel auf. Und das auf ungewohnter Position. „Er hat das erste Mal auf links gespielt und seine Sache sehr gut gemacht“, lobte Silberberger. Nicht nur sein Pass beim Siegtreffer sei „Gold wert gewesen. Er hat auch super nach hinten gearbeitet.“

Zu viel indivduelles Lob wollte der Coach aber nicht verteilen, schließlich war der Sieg auch ein Ergebnis kollektiver Arbeit. „Die Mannschaft hat gesehen, dass es nur im Kollektiv geht. Dafür wirst du irgendwann belohnt.“ Auch oder besonders gegen eine junge Weltauswahl, wie es der FC Liefering eine ist. Sechs Spieler der Startelf waren auch beim Triumph in der U19-Champions-League im vergangenen Jahr dabei. „Fußballerisch sind sie das Beste in dieser Liga“, bestätigt auch Katnik. Es spricht also vor allem für die Wattener und die Taktik von Trainer Silberbeger, dass die Jungbullen (drei Niederlagen, zwei Remis) noch nie gegen die Tiroler gewinnen konnten.

Entwarnung gab’s aus dem Lazarett: Das Cut von Sandro Neurauter wurde mit fünf Stichen genäht, Drazen Kekez (Knöchel) könnte am Montag schon wieder am Platz stehen.

Endlich wieder jubeln: Die WSG Wattens feierte beim FC Liefering den ersten Saisonsieg.
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