Osttirol

Zu zweit in die dritte Dimension

Abheben und genießen: Die Begeisterung von Gleitschirmpilot Manfred Lobenwein für das Fliegen steckt sichtlich an.
© Airtime Austria

Barrierefrei geht es mit dem Gleitschirmpilot Manfred Lobenwein aus Oberlienz in die Lüfte: Auf seine Tandemflüge nimmt er gern auch Passagiere mit Handicap mit – vom Blinden bis zum Rollstuhlfahrer.

Von Claudia Funder

Oberlienz –Manfred Lobenwein ist ein bodenständiger Typ – das fällt im erfrischend lockeren Gespräch rasch auf. Die Bodenhaftung verliert er buchstäblich aber trotzdem gern – und das seit dem Teenageralter. Damals begann er, Gleitschirm zu fliegen, angesteckt von der Begeisterung seines älteren Bruders.

1996 absolvierte der heute 35-Jährige die Ausbildung. Und längst hat er seine große Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit 2012 bietet er mit seinem eigenen Unternehmen „Airtime Austria“ Gleitschirm-Tandemflüge an.

Was ihn selbst reizt, in die Luft zu gehen? „Das Fluggefühl, das Dahingleiten mit Weitblick über die Berge, nur mit Luft- und ohne Motorengeräusch. Es gibt nichts Vergleichbares“, schwärmt er.

Zwei Drittel seiner Passagiere sind Gäste, die meisten fliegen zum ersten Mal. „Sie suchen das Abenteuer, wollen etwas Spezielles erleben“, weiß Manfred. Von Mai bis in den Spätherbst ist er besonders häufig im Doppelpack unterwegs, er fliegt aber ganzjährig.

Der Gleitschirmpilot übernimmt beim Start zu zweit in die dritte Dimension jedes Mal viel Verantwortung. Speziell dann, wenn er besondere Passagiere mit an „Bord“ hat. Denn auch Menschen mit Handicap sind nicht vom Adrenalinkick ausgeschlossen. Der Traum von Freiheit, Unabhängigkeit und Glück muss für sie kein Wunschgedanke bleiben. „Ich bin schon mit Blinden und Krebskranken geflogen“, erzählt Manfred. „Auch Rollstuhlfahrer nehme ich gerne mit.“ Das befreiende Gefühl, wie ein Vogel durch die Lüfte zu schweben, sei gerade für Menschen, die im Alltag durch Beeinträchtigungen stark eingeschränkt oder schwer krank sind, eine ganz besondere Erfahrung. Der Start ist – mitunter mit Hilfe anderer – durchaus machbar. Und die Landung fällt jedes Mal sanft aus, dafür sorgt Manfred.

Manchmal sind es aber nicht körperliche Handicaps, die lähmen. Stefanie Klotz aus Groß-Umstadt nahe Darmstadt etwa leidet unter Angststörungen. Vor zwei Jahren machte sie mit ihrer Familie Urlaub in Osttirol und beobachtete Paraglider am Himmel. Und ganz spontan entschloss sie sich dazu, es auch zu wagen. „In der Luft war ich plötzlich total befreit, als ob sich ein Schalter umgelegt hätte“, erzählt sie im Gespräch mit der TT und betont, dass das Angstgefühl wie weggeblasen war. Ihr Leben habe sich verändert, sagt Stefanie. Das Fliegen gab ihr ein großes Stück Lebensqualität zurück.

Es blieb nicht beim einmaligen Erlebnis. Stefanie schwebte mit Manfred bereits siebenmal über die Berge. Gerade war sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern wieder einige Tage in Osttirol. Längst gehen alle vier in die Luft. Stefanie nimmt das Glücksgefühl jedes Mal mit in die Heimat. „Die Wirkung ist nachhaltig“, sagt sie mit einem Lächeln. Fliegen geht Stefanie übrigens im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Sie ist davon so fasziniert, dass sie sich das Erlebte zur Erinnerung als Tattoo auf den Oberarm stechen ließ. Das Motiv? Drei Paraglider in den Wolken.

Die Lust auf Abenteuer kennt kein Alterslimit nach oben. Manfred fliegt auf Wunsch auch mit hochbetagten Passagieren. Kürzlich hat ein rüstiger 90-Jähriger Interesse bekundet. „Das Alter spielt keine Rolle“, stellt der Gleitschirmpilot klar.

Gibt es eine Grenze nach unten? „Ich bin bereits mit Vierjährigen geflogen“, erinnert sich Manfred. „Ab einem Gewicht von 20 Kilo ist es möglich.“ Ein Hindernis sei es allerdings, wenn jemand allzu viel auf die Waage bringt: „Die gewichtsmäßige Grenze liegt bei 120 Kilo – aus Sicherheitsgründen“, ergänzt der Gleitschirmpilot.

Alle anderen können ohne Vorkenntnisse nach einer kurzen Einweisung mit Manfred abheben – Jung und Alt, mit oder ohne Handicap. In der Luft gibt es bekanntlich ohnehin keine Barrieren.

Manfred Lobenwein mit Stefanie Klotz, die vom Tandemfliegen so fasziniert ist, dass sie sich ein Tattoo auf den Oberarm stechen ließ.
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Catharina Oblasser

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