Kokain an 14-jährigen Schüler verkauft: Urteil am Landesgericht

Strafrichterin Helga Moser hat am Innsbrucker Landesgericht schon Tausende Angeklagte gesehen und erlebt. Dennoch verschlug der Richterin ge...

Landesgericht Innsbruck.
© TT/Thomas Böhm

Strafrichterin Helga Moser hat am Innsbrucker Landesgericht schon Tausende Angeklagte gesehen und erlebt. Dennoch verschlug der Richterin gestern ein junger Dealer kurz die Sprache. Der einst selbst süchtige 23-Jährige hatte zur Finanzierung seines Drogenproblems nämlich in einem Tal einen Handel mit allerlei verbotenen Suchtmitteln aufgezogen. MDMA, Ecstasy, Speed – alles war bei dem 23-Jährigen zu bekommen. Das wirklich Tragische: Der Kleindealer hatte auch nicht vor Geschäften mit gerade 14-Jährigen zurückgeschreckt. So hatte der Angeklagte den Schüler laut Staatsanwalt Dieter Albert in 23 Teilhandlungen mit verschiedensten Substanzen – aber eben auch mit 3,26 Gramm Kokain beliefert. Bis zu 3000 Euro Taschengeld sollen dabei den Besitzer gewechselt haben. Richterin Moser: „Drogen an Minderjährige verkaufen – das haben wir hier nicht gern. Im Tal kennt jeder jeden. Da wussten Sie genau, wie alt dieses Büberl war und dass er noch in die Schule geht!“ Die Strafe sollte schmerzen: 3600 Euro Geldstrafe (2400 unbedingt), dazu der Einzug des Handys, 150 Euro Verfahrensgebühren und 2000 Euro an Drogengewinnen werden auch noch abgeschöpft.

Mit gleich sechs Angeklagten musste gestern der Großteil einer bulgarischen Autoteile-Bande im geräumigen Schwurgerichtssaal Platz nehmen. Die als kriminelle Vereinigung angeklagte Bande war seit 2013 wiederkehrend, wie ein Heuschreckenschwarm, über österreichische Autohändler und Servicebetriebe hergefallen. Ziel: Beute in Form von teuren Auto-Rädersätzen, Altbatterien und Katalysatoren für den Schwarzmarkt in Osteuropa. Die Polizei konnte die neunköpfige Bande nach langer Fahndung erst heurigen Jänner im steirischen Liezen sprengen, als drei der Täter nach Observation in einem dortigen Autohaus verhaftet werden konnten. Für die übrige­n klickten nach einem Internationalen Haftbefehl in Bulgarien die Handschellen. Von Neusiedl am See bis Imst waren die Einbrecher übrigens immerfort gleich vorgegangen. Mit Transportern fuhr man gezielt ausgewählte Werkstätten an und montierte dort ungerührt Bestandteile von Autos. Um beispielsweise an die Katalysatoren zu kommen, wurden die Fahrzeuge jeweils notdürftig mit Holzpflöcken auf einer Seite aufgebockt und die kostbaren Auspuffteile dann herausgezwickt. Mindestens 100.000 Euro betrug der Schaden durch diese Machenschaften. Da die Polizei zuerst etliche DNA-Spuren sicherstellen konnte und nach der Verhaftung der Verdächtigen genau nachvollziehen konnte, wo deren Handys eingeloggt waren, zeigten sich gestern praktisch alle der Angeklagten zumindest teilgeständig. 15 bis 20 Monate Haft ergingen jeweils nicht rechtskräftig. (fell)

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