Drehscheibe der regionalen Geschichte stellt sich vor

Das Netzwerk des Benediktinerstiftes Marienberg in Burgeis reichte weit in den Bezirk Landeck. Kunsthistoriker legt druckfrische Publikation vor.

Das Benediktinerstift Marienberg bei Burgeis hat viele historische Beziehungen zum Bezirk Landeck.
© A. Waldner

Von Helmut Wenzel

Mals, Fließ, Ischgl –Es ist nicht nur ein reizvoller baulicher Blickfang im Obervinsch­gau – das weiße Benediktinerstift Marienberg in Burgeis (Gemeinde Mals) samt Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert. Die Abtei hat sich über viele Jahrhunderte einen Namen als Zentrum für Kultur, Religion, sakrale Kunst, aber auch für Politik und Bildung im historischen Tirol gemacht. Apropos Bildung: Im Wissensspeicher von Marienberg – in der auf fünf Räume verteilten Bibliothek – finden sich heute mehr als 90.000 Bücher, darunter zahlreiche historische Abhandlungen.

Ihre Fühler haben die Benediktiner schon in der Frühzeit des Stiftes weit in den heutigen Bezirk Landeck ausgestreckt, wie Heimatforscher Robert Klien im Fließer Dorfbuch aufgezeigt hat.

Die ersten Schenkungen aus Fließ an das Kloster Marienberg sind aus den Jahren 1159 bis 1165 dokumentiert. Die Brüder Heinrich und Sigibant von Fließ trennten sich von einigen ihrer Besitzungen. „Kaiser Friedrich bestätigte dem Kloster Marienberg diese und andere Schenkungen in einer Urkunde vom 9. Oktober 1169 in Ulm“, ist bei Klien nachzulesen.

In enger historischer Beziehung steht Marienberg auch mit Ischgl. Alt-BM Erwi­n Cimaroll­i, Autor des Ischgler Dorfbuches, hat in den Aufzeichnungen des Benediktinermönches Goswin von Marienberg (Geburtsjahr unbekannt, gestorben 1393) geforscht. „Ischgl verdankt dem Kloster Marienberg seinen Namen“, erläutert Cimarolli. Der Chronist Goswin erwähnte erstmals „Yscla seu augea“ – frei übersetzt „Au am Wasser“. Im „Marienberger Urbar“ von 1390 finden sich, so Cimarolli, zudem Verzeichnisse über Besitzungen des Klosters im Paznaun. Es waren vorwiegend Almen vom Jamtal bis zum Fimbatal. Ebenfalls bekannt sind jene fünf Ischgler Bauernhöfe, die mehr als 750 Jahre lang (bis 1849) Zinsleistungen in Form von Käse nach Marienberg abliefern mussten.

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Zu den großen Persönlichkeiten, die im Stift gewirkt haben, zählt Beda Weber (1798–1858). Er war Schriftsteller, Theologe und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Beda Weber verfasste Biographien, Reiseführer und verlegte die Texte von Oswald von Wolkenstein.

Am Dienstag, 15. August, ab 15.45 Uhr feiert Marienberg mit Abt Markus Spanier eine Premiere: Der Südtiroler Kunsthistoriker Leo Andergassen präsentiert den ersten Kirchenführer zur 1201 geweihten Stiftskirche. Ursprünglich war es eine romanische Pfeilerbasilika, später wurde sie barockisiert. Die jüngste Restaurierung konnte im Dezember 2015 abgeschlossen werden.


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