Nach Unwettern: “Die Hilfsbereitschaft ist enorm“

Zwischen 35 und 40 Keller wurden in Gschnitz nach mehreren Muren überflutet. Großes Glück hatte ein Urlauberehepaar, das schlafend im Auto von einer Mure erfasst wurde. Im ganzen Land gab es große Schäden.

Das Unwetter zog eine Spur der Verwüstung durch das Wipp- und Gschnitztal.

Gschnitz, Nassereith –Das Unheil kam schnell, von oben und mit aller Gewalt. Vier große und mehrere kleine Muren gingen im Gschnitztal am Mittwoch in den frühen Morgenstunden ab. Nach heftigen Regenfällen hielten die Hänge nicht mehr stand. Letztlich wurden allein in Gschnitz 35 bis 40 Keller überschwemmt. Zudem wurden auch vier Auto­s von Urlaubern weggeschwemmt und schwer beschädigt.

Bürgermeister Christian Felder hatte schon in der Nacht ein ungutes Gefühl. „Ich bin im Halbstunden-Takt aufgestanden, weil das Gewitter richtig heftig getobt hat.“ Gegen 5.23 Uhr ging es dann so richtig los. Zehn Minuten später war schon die Landesstraße unpassierbar. Eine Verklausung im randvollen Geschiebebecken sorgte dann auch dafür, dass das Wasser auch in den Ort gelangte. Mindestens 35 bis 40 Häuser wurden laut Felder dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Schlamm, Dreck, Geröll hatten die Keller gefüllt. Auf 100 Metern Breite wurde auch eine Straße drei Meter hoch verschüttet. Die Schäden dürften insgesamt enorm sein. Die Hilfsbereitschaft ist es auch. „Es ist unglaublich, wie viele freiwillige Helfer gemeinsam mit den Feuerwehren aus der Umgebung anpacken. Die Helfer sind von unten bis oben verdreckt und machen einfach weiter“, erklärt der Ortschef. Großes Glück hatte ein Urlauberpärchen, das am Parkplatz zur Innsbrucker Hütte in seinem Auto schlief. Eine große Mure erfasste hier vier Autos – auch jenes des Pärchens. „Als sie merkten, dass sich das Auto bewegt, konnten sie noch rechtzeitig flüchten“, schildert Felder. Auch in Mühlbachl und Trins tobte das Unwetter und richtete Schäden an. Gestern ging es dann ans Aufräumen und Ausräumen. „Wir müssen die Geschiebebecken so schnell wie möglich leerräumen, bevor die nächsten Unwetter kommen“, sagt Felder. Es sei noch viel Material auf den Hängen.

Das Unwetter zog eine Spur der Verwüstung durch das Wipp- und Gschnitztal. Betroffen war auch die Brennerautobahn in Fahrtrichtung Süden.

Ortswechsel. Die Einwohner von Nassereith können seit der Nacht auf Mittwoch nachvollziehen, wie man sich wohl im Auge eines Tornados fühlt: Rund 10 Minuten wütete ein selten erlebter Sturm mit Regen und Hagel. Neben kleineren Vermurungen musste ein Hausbewohner im Ortsteil See-Eck mitansehen, wie eine Sturmböe das Dach seines Hauses auf den Nachbargrund verfrachtete. „Glück im Unglück“, meinte Bürgermeister und Feuerwehrmann Herbert Kröll, „Personen oder Autos sind nicht zu Schaden gekommen.“ Nassereith war zudem fünf Stunden ohne Strom, da Bäume auf die Leitungen gefallen waren. Im hinteren Pitztal bei Zaunhof kam es dann Mittwoch zu einem großen Felssturz. Ein acht Kubikmeter großer Felsbrocken hatte ein Steinschlagnetz durchschlagen, war auf eine Gemeindestraße gekracht und hat dort einen Krater hinterlassen. Auch hier Glück: Unter der Straße liegen mehrere Häuser.

In Sellrain wurde die Landesstraße zeitweise durch Schotter und Erdreich verlegt. Ein Erdrutsch an der Brennerautobahn bei Ahrenberg sorgte gestern für Behinderungen. Erdreich und faustgroße Steine von der Tunnelaushub-Deponie hatte das Unwetter auf die Autobahn gespült. Die A13 war teilweise nur einspurig befahrbar. Zumindest für eine Woche nur einspurig befahrbar wird die Brennerbahnstrecke bei Ellbögen sein. Auch hier hatten eine Mure und umgestürzte Bäume Probleme bereitet. ( huda, mw)

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper
Zwei Urlauber hatten Glück: Sie konnten ihr von der Mure mitgerissenes Auto unverletzt verlassen.

Kommentieren


Schlagworte