Zelle angezündet: Mithäftlinge hatten Todesangst

Am Mittwoch fand in Wien ein Prozess gegen einen 33-Jährigen statt, der sein Bett in einer Gefängniszelle anzündete. Seine drei Mithäftlinge wurden bei dem Feuer zum Teil schwer verletzt.

Der Algerier bat vor Gericht um Verzeihung.
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Wien - Die drei Mithäftlinge des Angeklagten haben die dramatischen Minuten geschildert, als sie in der von dem Algerier angezündeten Zelle um ihr Leben gekämpft hatten. Ihr Schicksal sei dem 33-Jährigen völlig egal gewesen. "Er wollte unbedingt seinen Willen durchsetzen", erzählte der 45-jährige Afghane, der durch Feuer und Rauch am schlimmsten verletzt worden war.

Man habe den Algerier freundlich aufgenommen, ihm Essen und Zigaretten geschenkt. Doch dieser sei sehr aggressiv gewesen und habe sich ständig mit der Justizwache gestritten und Radio, TV und einen Elektroherd zerschlagen, als seinem Wunsch nach Verlegung nicht entsprochen wurde. Als er sein Bett in Brand gesteckt hatte, habe der Angeklagte mit den beiden Messern verhindert, dass die Mithäftlinge das Feuer löschen.

"Innerhalb von fünf Minuten konnten wir einander nicht mehr sehen - ich hatte Todesangst", sagte der 45-Jährige. Aber erst im Spital habe er das Bewusstsein verloren, für Tage lag er danach im Koma. Vom Bein wurde Haut auf die Schulter transplantiert, wo er schwere Verbrennungen erlitten hatte. Als der Angeklagte um Verzeihung bat, kam das nicht gut an. "Ihre Entschuldigung interessiert mich nicht."

Angeklagter hatte von Suizidversuchen erzählt

Ein 33-Jähriger Iraner dachte auch zwei Wochen später, "dass ich tot bin". Er habe noch immer psychische Probleme. Der dritte Mithäftling glaubte, dass der Algerier durch den Brand Selbstmord begehen wollte. Zuvor hätte er von mehreren Suizidversuchen erzählt.

Der Prozess wird am 30. August fortgesetzt und voraussichtlich abgeschlossen. (APA)


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