Stichwort: Der indisch-pakistanische Konflikt um Kaschmir

Neu-Delhi/Islamabad (APA) - Der Kaschmir-Konflikt ist zweifelsohne eine der Hauptursachen für den Dauerzwist zwischen Indien und Pakistan. Z...

Neu-Delhi/Islamabad (APA) - Der Kaschmir-Konflikt ist zweifelsohne eine der Hauptursachen für den Dauerzwist zwischen Indien und Pakistan. Zwar liegt der zweite Kaschmir-Krieg schon mehr als 50 Jahre zurück, doch noch immer prägt er die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die kommende Woche (Montag bzw. Dienstag) ihre Unabhängigkeit begehen.

1947, als Großbritannien den indischen Subkontinent in die Unabhängigkeit entließ und die mehrheitlich muslimisch besiedelten Gebiete an Pakistan fielen, optierte der Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, ein Sikh, für den Beitritt seines Fürstentums mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung zur Indischen Union, was den ersten indisch-pakistanischen Krieg und die Teilung des Landes zur Folge hatte.

Etwa 60 Prozent der Fläche kamen zu Indien (1957 wurde der Unionsstaat Jammu und Kaschmir geschaffen), während der nordwestliche Teil als „Azad Kaschmir“ (Freies Kaschmir) unter pakistanische Verwaltung gestellt wurde. Die Waffenstillstandslinie - Line of Control oder kurz LOC genannt - von 1949 bildet die Grenze. Das in einer UNO-Resolution festgelegte Selbstbestimmungs-Referendum wurde von Indien abgelehnt. Ende der 1950er und Anfang der 1960er-Jahre wurden kleinere Teile Kaschmirs von China in Besitz genommen.

1965 kam es zum zweiten indisch-pakistanischen Kaschmir-Krieg. Im August infiltrierten bis zu 30.000 pakistanische Soldaten und paramilitärische Kräfte das Gebiet des indischen Kaschmirs. Indien konterte mit der Überquerung der Staatsgrenze bei Lahore, der Hauptstadt der ostpakistanischen Provinz Punjab. Mehrere Wochen dauerten die Kämpfe; es gab auf beiden Seiten Tausende Opfer, auf keiner Seite aber territoriale Gewinne. Am 22. September 1965 einigten sich die Parteien auf einen von den Vereinten Nationen geforderten Waffenstillstand. Einen echten Frieden gab es nie.

Nach einer Phase der Entspannung verschärfte sich der Konflikt erneut in den 1990er-Jahren im Gefolge der Islamisierung der pakistanischen Politik. Seither kommt es im indischen Teil bzw. an der Grenze zu Pakistan immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Toten, für die sich beide Länder gegenseitig verantwortlich machen. Verschiedene Kaschmir-Gruppen kämpfen für die Vereinigung mit Pakistan oder für ein unabhängiges Kaschmir unter Einschluss des pakistanischen Teils.

2007 rief das Terrornetzwerk Al-Kaida einen Heiligen Krieg gegen Indien aus, weil das Land einen Teil der Region kontrolliert. Indien behauptet, Pakistan schüre einen muslimischen Aufstand in der Region, der Zehntausende Menschenleben gefordert haben soll. Neu-Delhi beschuldigt Pakistan sogar, Anschläge von Islamisten auf indischem Boden - wie etwa den Terrorangriff in Mumbai 2008 - zu unterstützen.

Pakistan bestreitet dies und spricht von Freiheitskämpfern im indischen Teil Kaschmirs, die Autonomie für das Gebiet anstrebten. Islamabad sucht zudem die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft für die Kaschmir-Frage, in der es auf internationalen Beistand hofft.

Kaschmir hat mit 222.000 Quadratkilometern fast zwei Drittel der Größe Deutschlands.


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