Prozess in Innsbruck: „Mach meinen Bruder kaputt!“

Eine Anklage um Anstiftung zum Brudermord war gestern Thema für das Schwurgericht. Ein Fernseher hatte Rachegelüste noch unklarer Intensität ausgelöst.

© Thomas Boehm / TT

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Anstiftung zum Mord. Klang in unseren Breitengraden noch vor kurzer Zeit nach Kino. Doch erst im April wurde ein Tiroler Security-Chef wegen Mordauftrags an einen Tschetschenen zu neun Jahren Haft verurteilt. Während damals der Ex-Freund der Lebensgefährtin aus dem Weg geräumt werden sollte, ging es gestern am Landesgericht zwar um den gleichen Vorwurf, aber um eine gänzlich andere Konstellation.

So war ein Syrer der versuchten Bestimmung zum Mord an seinem Bruder angeklagt. Schnödes Motiv: Ärger um die Nichtfinanzierung eines Fernsehers. Staatsanwältin Erika Wander: „Nur weil ihm der ältere Bruder den Tausender nicht finanzierte, beschloss er, es ihm heimzuzahlen. Darauf beauftragte der Jüngere einen marokkanischen ‚Schläger‘, jemanden zu suchen, der einen Mordauftrag umsetzen würde. Mach ihn kaputt, wurde da geäußert!“

Beleg für diese These waren für Anklägerin Wander nicht nur Zeugenaussagen vor der Exekutive. Der Marokkaner war nämlich mit dem „Opfer“ Mitte Jänner lieber bei der Polizei erschienen, um die abenteuerliche Geschichte anzuzeigen. Als Beleg für das Gesagte dienten WhatsApp-Nachrichten und Treffen mit dem „Auftraggeber“, bei denen ein Foto des Bruders übergeben worden war und 2000 Euro für die Vermittlung und 7000 Euro für den Täter zugesagt worden waren.

Teils richtig für die Verteidigung. Bezüglich des Mordauftrages verglich sie die Polizeieinvernahmen jedoch mit dem Spiel „Stille Post“. Demnach sei zu den Schilderungen des Angeklagten über Wut, Zorn und Beauftragung ein Auftrag zum Mord gedichtet worden.

Schuld wieder einmal: der Dolmetscher. Laut Verteidigung habe der Nicht-Syrer nämlich Dialektworte falsch gedeutet. Zwar sage man in Syrien im Zorn „Ich werde ihn töten!“, aber meint es tatsächlich nicht so. Dazu bestätigte auch die anwesende Gerichtsdolmetscherin, dass es im syrischen Sprachgebrauch zwei zum Verwechseln ähnliche Ausdrücke für Umbringen und Verprügeln gebe. Ein Umstand, der dem Gerichtsdolmetscher so genau nicht bekannt war. Der Verteidiger zu den Geschworenen: „Mein Mandant unterschrieb da ein Protokoll, dessen Inhalt er gar nicht verstanden hat. Auch ein Rechtsbeistand war bei der Vernehmung nicht zugegen!“ Auch sonst wollte der Verteidiger „selten eine so dünne Beweislage gesehen haben“.

Der Angeklagte beschwor, dass er dem Dolmetscher nie gesagt hätte, dass er seinen Bruder hätte töten wollen. Überhaupt sei die ganze Wutaktion am Telefon nach zwei Flaschen Wein erfolgt. Schon am Morgen habe er – ausgenüchtert – den Auftrag zum Verprügeln sofort storniert. Darauf sei er aber selbst schon vom Marokkaner mit der beauftragten Mafia erpresst worden. Den mittlerweile wieder ausgewiesenen Marokkaner will man als Zeugen hören. Bis Jänner 2018 muss der Syrer auf ihn in U-Haft warten.


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