Sofortige punktuelle Hitze hilft gegen Wespenstiche

Im Bezirkskrankenhaus Reutte landen immer wieder Wespenopfer. Das BKH gibt Tipps zum Umgang mit den gelb-schwarzen Brummern.

Die wenigsten würden eine Wespe auf dem Finger ertragen und zu fuchteln beginnen – meist der Vorlauf eines Stichs.
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Reutte –Der extrem warme Frühling und Sommer 2017 haben einen großen Nachteil: Die Wespen konnten sich heuer prächtig entwickeln und lassen jetzt so manchen Grillabend oder Eisgenuss zum Dauerstress werden. Im BKH Reutte landen dieser Tage immer wieder Wespenopfer mit allergischen Reaktionen oder sogar allergischen Schocks. Beachtet man ein paar Grundregeln, können der Wespenangriff und seine Folgen unter Kontrolle gehalten werden, weiß Stephan Schreieck, Oberarzt an der Abteilung für Innere Medizin am BKH Reutte. Prinzipiell sei das wirksamste Mittel, einfach ruhig zu bleiben, wenn Wespen im Anflug sind. Was leichter gesagt ist als getan. Man kann Wespen im Grunde genommen sogar auf der Haut landen lassen. Erst wenn die Person unruhig wird und etwa mit den Händen fuchtelt, wird auch das Insekt unruhig und sticht, weil es sich bedroht fühlt. Doch die Allerwenigsten schaffen es, den gelb-schwarzen Brummern gelassen zu begegnen.

Kommt es zum Stich, kann man die Wirkung des Giftes und die damit verbundenen schmerzhaften, juckenden Schwellungen mit punktueller Hitze mindern – vorausgesetzt, sie wird sofort angewendet. Grund dafür: Bei über 50 Grad Celsius zerfallen die Eiweiß-Moleküle bzw. Histamine von Wespen- oder Bienengift, die Schwellung wird nicht so groß. Dafür gibt es spezielle „Stichheiler“, mit denen man die Einstichstelle erhitzen kann. Auch heißes Wasser erzielt diesen Effekt. Imker und Imkerinnen verstärken die Wirkung noch mit Salz, das sie ins warme Wasser geben und damit dann die Stichstelle betupfen. Danach gilt es, die Schwellung gut zu kühlen.

Weitere erprobte Hausmittel sind Zwiebel bzw. Essig oder Tonerde, mit denen man die Einstichstelle behandeln kann. Auch hier gilt wieder, danach die Einstichstelle gut zu kühlen.

Ganz anders sieht die Sache natürlich bei jenen Menschen aus, die allergisch auf Stiche reagieren. „Die Insektengift­allergie ist eine Allergie vom Soforttyp. Das bedeutet, das Immunglobulin E verursacht eine überschießende Reaktion des Immunsystems“, erklärt Schreieck. „Die Folgen reichen von extremen Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle über Kreislaufbeschwerden, Schwindel und Übelkeit bis hin zum allergischen Schock mit Kollaps, Atemnot und Blutdruckabfall. Diese schwerste Form einer allergischen Reaktion kann bei Nichtbehandlung sogar zum Tod führen.“

Hat ein Allergiker seine Notfall-Injektion nicht dabei bzw. weiß jemand nicht, dass er allergisch ist und zeigt die oben genannten Symptome, ist es notwendig, sofort die medizinische Versorgung sicherzustellen. Gleiches gilt auch bei Stichen im Mund- und Rachenraum, da hier Schwellungen lebensbedrohlich sein können. Auch bei Schwellungen der Lymphknoten muss ein Arzt konsultiert werden, da eine Entzündung der Lymphgefäße oder der Lymphknoten vorliegen kann.

„Prinzipiell gilt bei einem Insektenstich, aufmerksam eventuelle weitere Symptome, die über Schwellung und Juckreiz hinausgehen, zu beachten. Im Zweifelsfall sollte man natürlich ärztlichen Beistand in Anspruch zu nehmen, um auch weitere notwendige Schritte wie einen Allergiepass oder eine Hyposensibilisierung einleiten zu können“, erklärt der Experte abschließend. (TT, hm)


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