Medienecho zur Korea-Krise: “Mehr verbaler Druck hilft nicht“

In einem sind sich die größten europäischen Zeitungen am Samstag einig: Krieg darf im derzeit ausufernden Korea-Konflikt keine Lösung sein und jede weitere verbale Entgleisung könnte das Fass zum überlaufen bringen. Eine Überblick über die Kommentare und Berichte zur Krise zwischen Washington und Pjöngjang.

"Krieg ist keine Option", schreibt die Neue Zürcher Zeitung zum Korea-Konflikt.
© APA/Keytone

Pjöngjang/Washington - Internationale Pressekommentare befassen sich am Samstag mit der Nordkorea-Krise und den anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang.

Die niederländische Zeitung "de Volkskrant" schreibt dazu:

"Die Anführer der USA und Nordkoreas spielen ein gefährliches Spiel: Wer ist der Unvorhersehbarste? Um eine Katastrophe zu verhindern, müssen die vernünftigen Kräfte in Washington Donald Trump ständig im Zaum halten. Es ist ein unorthodoxes und gruseliges Schauspiel, dem die Welt da zuschaut: die Konfrontation zwischen Trump und Kim Jong-un. Der amerikanische Präsident will nicht, dass der nordkoreanische Diktator Kernwaffen bekommt, mit denen er Amerika bedrohen kann.

Das ist eine ernste und legitime Sache, die eine abgewogene Mixtur von diplomatischem und militärischem Druck erfordert. Doch die beunruhigende Wirklichkeit ist, dass dieser Konflikt bisher abläuft wie ein klassischer Wirtshausstreit. Zwei Männer schreien sich immer lauter an, und wenn keiner nachgibt, fangen sie an, mit Fäusten aufeinander einzuschlagen."

Die neue "Neue Zürcher Zeitung" kommentiert:

"Krieg ist keine Option; zu groß wäre das Risiko, dass Kims Armee ein ungeheures Blutbad in Südkorea anrichten würde, bevor sie durch die amerikanische Militärmacht gestoppt würde.(...)

Aussichtsreicher scheint die Strategie, Nordkorea an den Verhandlungstisch zu zwingen, wie dies vor ein paar Jahren im Fall von Iran gelang. Die Anfang August beschlossene, präzedenzlos scharfe Uno-Sanktionsresolution ist genau der richtige Schritt in diese Richtung. Sie kam nur zustande, weil Washington auch starken Druck auf Peking ausübte. Um die Finanzquellen des nordkoreanischen Regimes ganz auszutrocknen und Kim die Perspektivlosigkeit seiner Atompolitik vor Augen zu führen, sind aber weitere Verschärfungen erforderlich.

Dass Kim unter steigendem Druck Bereitschaft zeigen wird, über sein Atomprogramm zu verhandeln, ist nicht abwegig. Sein Regime braucht zum Überleben keine Nuklearwaffen; entscheidend ist vielmehr ein Konsens der Großmächte, dass das Reich der Kims als Pufferstaat weiterexistieren soll. Die Crux liegt in einer glaubwürdigen Garantie der USA, dass sie keinen Sturz des Regimes anstreben."

Mehr verbaler Druck auf Kim Jong-un führe lediglich dazu, dass dieser sich als Opfer darstellen könne, befindet die Times aus London.
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Auf ein langsameres Entfalten der Krise pocht die "Times" aus London:

"Vor allem muss es jetzt darum gehen, das Tempo zu verlangsamen, in dem sich diese Krise entfaltet. Immer mehr verbalen Druck auf Kim Jong-un auszuüben, führt lediglich dazu, dass er sich als Opfer darstellen kann. Die USA und China können sich doch bestimmt darauf verständigen, dass es auf der Koreanischen Halbinsel - im Norden wie im Süden - keine Nuklearwaffen geben darf. In diesem Sinne muss China Kim zwingen, sein Nuklearprogramm einzufrieren und die entsprechenden Einrichtungen für gründliche internationale Kontrollen zu öffnen.

Wenn er betrügt, muss er mit noch härteren Sanktionen bestraft werden. Sollte er versuchen, Nukleartechnologie zu importieren, muss eine Blockade über sein Land verhängt werden. Sein von der Außenwelt abgekapselter Staat muss transparent werden. Kims Chemiewaffen müssen zerstört werden. Eines Tages wird Nordkorea vielleicht aufhören, ein Pariastaat zu sein. Das Land mit überwältigender Gewalt, mit Feuer und Zorn zu vernichten, ist nicht der Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Damit würde man zwar die Dynastie von Kim zerschlagen, aber die Welt würde dadurch nicht sicherer werden."

Die Budapester Zeitung "Nepszava" hofft in dem Konflikt auf die Vernunft von drei Personen:

"Das Weiße Haus kann sich auf drei erprobte Soldaten stützen: Verteidigungsminister James Mattis, Stabschef John Kelly und den Nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster. Trump (...) scheint die Generäle vorerst zu respektieren. Von ihnen (...) weiß man, dass sie es wagen, offen ihre Meinung zu sagen. Vor allem auf sie kann die Welt vertrauen. Denn sie wissen tatsächlich, wie viele Menschenleben und wie viel Massenleid ein umfassender Krieg kosten würde. Dann ist da noch Kim Jong-un, der sich wiederum im Klaren darüber sein müsste, dass die Amerikaner sein Regime und speziell ihn persönlich liebend gerne von der Erde getilgt sehen würden. Weit sind wir gekommen, dass unsere Friedenshoffnungen auf Kim und Trump ruhen."

"Korea ist nicht Syrien" befindet der Mailänder "Corriere della Sera":

"Korea ist nicht Syrien. (...) Für Pjöngjang ist es ein Leichtes, und sei es mit konventionellen Waffen, Südkorea und Japan anzugreifen. Seoul befindet sich in Reichweite der Artillerie von (Nordkoreas Staatschef) Kim. Es ist klar, dass jede Aktion, so begrenzt sie auch sein mag, unkontrollierte Kettenreaktionen auslösen kann. (...) Sollte Kim seine Raketen abschießen, können die USA sie abfangen? Wenn das Raketensystem, das noch nie ausprobiert wurde, Lücken aufweist, wäre das eine Katastrophe." (APA, dpa)


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