Hat die Minibar ausgedient?

Überteuert, mit hohem Aufwand verbunden und vielleicht schon bald Geschichte. Immer mehr Hotels verzichten auf Minibars. Getränkeautomaten sind potenzielle Nachfolger.

Mineralwasser, Erfrischungsgetränke und Alkoholisches – so kennt man die klassische Minibar.
© bilderbox.com

Von Nicole Strozzi

Innsbruck –Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Minibar im Hotelzimmer nicht nur für Erfrischungsgetränke, sondern auch für den täglichen Weckruf verantwortlich. Das unerbittliche Surren des Kühlschranks warf Gäste mit leichtem Schlaf bereits zu unchristlichen Zeiten aus den Federn. Die Kühlgeräte sind heute natürlich um ein Vielfaches leiser geworden – und dennoch sieht es nicht so gut aus für das einstige Kultobjekt, die Minibar.

Ein paar Kurze, Säfte, Mineralwasser, überteuerte Salzstangen und fünf Nüsse für fünf Euro. So kennt man sie, die klassische Minibar. Doch immer mehr Hotels verbannen den kleinen Kühlschrank aus den Zimmern. Der Grund: Minibars sind mit einem enormen Aufwand verbunden und verursachen hohe Personalkosten – daher auch der hohe Preis der Erfrischungen und der Snacks. Sie müssen ständig neu bestückt werden, der Lagerbestand muss kontrolliert werden, große Mengen müssen gelagert werden, nichts soll dabei ablaufen. Hinzu kommen Diskussionen mit Gästen, die nicht zahlen wollen, weil sie angeblich „nichts“ herausgenommen haben.

Die Zeitung Die Welt berichtete unlängst vom deutschen Unternehmen Event Hotels, das 45 Hotels in ganz Europa mit rund 10.000 Zimmern betreibt. Event Hotels bietet den Service nur noch in Zimmern der Superior-Klasse an. Die restlichen Gäste können sich Getränke und Snacks aus einem Kühlschrank in der Empfangshalle holen.

Ein Auslaufmodell ist die Minibar auch für das Hotel W London. Das Haus am Leicester Square setzt stattdessen auf eine Mega-Bar, eine überdimensionale Cocktailbar auf Rädern, die in das Zimmer gerollt wird, gerne mit persönlichem Barkeeper, Soundanlage, Diskokugel und natürlich Spirituosen.

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Dass die Minibar auch hierzulande bald ausgedient haben könnte, glaubt auch der Tiroler Hotellerieobmann Mario Gerber. „In der Stadthotellerie ist sie sicher noch ein Thema“, sagt Gerber. Für Geschäftsleute, die nach dem Meeting noch im Zimmer weiterarbeiten und Absacker trinken, sei die Bar recht praktisch. In Familienhotels, wo Eltern von vornherein ihre Kinder warnen, keine 6-Euro-Cola aus dem Kühlschrank zu nehmen und Getränke auf der Terrasse oder an der Bar konsumiert werden, ist die Minibar nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Noch sind die Minibars für 5-Sterne-Häuser zwingend vorgeschrieben. Doch: „Der Tourismus befindet sich im Wandel, das Verhalten der Gäste hat sich verändert und geht weg von standardisierten Sachen“, so Gerber. Wenn es die Möglichkeit eines lässigen Getränkeautomaten am Gang gibt, warum nicht? „Nicht so einen, der nur Wasser und Cola ausspuckt, es gibt tolle Geräte, die mit eigenen Saftspendern ausgestattet sind.“

Im 4-Sterne-Biohotel Holzleiten in Obsteig sind bereits alle Zimmer minibarfrei. Das hat einen nachhaltigen Grund. Die kleinen Kästen sind nämlich echte Stromfresser. Im 4-Sterne-Superior-Haus Waldklause in Längenfeld gibt es zwar noch Minibars. „Die werden aber nur bei Bedarf aktiviert und aufgefüllt, wenn es der Gast so will“, sagt Johannes Auer von der Geschäftsleitung. Viele Hoteliers würden sicher gerne auf die Minibars verzichten, aber dazumal war die Bar auch für 4-Sterne-Superior-Häuser vorgesehen, da habe man sie halt einbauen müssen. Jetzt ist der Kühlschrank meist nur noch dekoratives Beiwerk.

Doch ganz verschwunden ist der gefüllte Eisschrank offenbar noch nicht: Die Austria Trend Hotels stellen Gästen in allen Zimmern, unabhängig von Hotel und Zimmerkategorie, eine Minibar zur Verfügung. Im 5-Sterne-Hotel Stock im Zillertal führt man Minibars noch ganz klassisch, in der Alpenrose in Maurauch gibt es den Inhalt der Bar – Fruchtsaft, Wasser, was Süßes und was Salziges – sogar kostenlos für die Gäste. Alkoholische Getränke findet man im Kühlschrank allerdings nicht. Und im Mohr Life Resort in Lermoos sind Minibars in den Zimmern zwar vorhanden, stehen aber leer und werden nur auf Anfrage gefüllt.

Wie es um die Zukunft und die Bestückung der Minibar bestellt ist, wird sich zeigen. Doch es könnte gut sein, dass die Standardantwort auf die Frage „Was hatten Sie aus der Minibar?“ schon bald „Gar nichts“ lauten wird.


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