Gelungene „Hochzeit des Figaro“ im Bregenzer Opernstudio

Bregenz (APA) - Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ vollendete am Montagabend im Opernstudio der Bregenzer Festspiele den Da Ponte-Zyklus. Das...

Bregenz (APA) - Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ vollendete am Montagabend im Opernstudio der Bregenzer Festspiele den Da Ponte-Zyklus. Das von Jörg Lichtenstein inszenierte Stück im Vorarlberger Landestheater war dank origineller Regieideen und engagierter Sänger ein voller Erfolg: Die Mitwirkenden und das Symphonieorchester Vorarlberg durften sich über lang anhaltenden Applaus und Bravo-Rufe freuen.

Lichtenstein, der bereits bei „Cosi fan tutte“ 2015 in Bregenz Regie führte, konzentriert sich in der 1786 uraufgeführten Opera buffa, in dem Figaro seine Susanna in der Hochzeitsnacht seinem Herrn überlassen soll, ganz auf das Innenleben der Figuren. Diese sind in einem Liebes-Verwirrspiel voller gefälschter Briefe, Ausreden, Intrigen und geheimer Treffen gefangen und versuchen, einander im Geschlechter- und Klassenkampf auszustechen.

Das Stück, das der Regisseur in seiner Uraufführungszeit belässt, wird bei Lichtenstein immer weniger Komödie, kippt zusehends in die Groteske. Die Figuren erstarren immer wieder kurz und werden zu Marionetten ihres eigenen grausamen Spiels. Am Ende des Tages bleiben alle mit Verletzungen zurück, wenn auch unter künstlichem Sternenhimmel groß gefeiert wird. Witzige Brechungen - der im Barockkostüm gewandete Graf kommt etwa mit der Bohrmaschine - sorgen für Unterhaltung und für Distanz zu den Figuren.

Die starke Leistung der jungen Akteure honorierte das Premierenpublikum immer wieder mit Zwischenapplaus. Herausragend gefühlvoll zeigte sich Mojca Bitenc als Gräfin Almaviva. Anat Edri gab eine mädchenhafte Susanna, klang erfrischend und leicht. Als Graf Almaviva überzeugte Vincenzo Neri, der am Ende einen unfreiwilligen Kniefall vor dem Publikum machte. Adam Kutnys kraftvoller Figaro gelang schauspielerisch und stimmlich. Natalia Skrycka zeigte als in die Liebe verliebter Cherubino komisches Talent.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Mit Clara Corinna Scheuerle als Marcellina und Martin Summer (Bartolo/Antonio) genossen zwei Sänger mit Vorarlberger Wurzeln Heimvorteil. Als Basilio bzw. Don Curzio und Barbarina überzeugten Uwe Gottswinter und Jenifer Lary. Das Symphonieorchester Vorarlberg unter Hartmut Keil legte sich mit merklicher Spielfreude für die Sänger ins Zeug und wurde dafür mit reichlich Applaus und Bravos belohnt.

Ein Highlight des Stücks ist das Bühnenbild von Nikolaus Webern, der den Darstellern lediglich zwölf verschiebbare Barocktüren gibt, die höchst raffiniert zum Einsatz kommen. An ihnen wird gelauscht, sie werden abgesperrt oder zugeschlagen, mal sind sie Falltür zur Hölle, mal rettender Ausweg. Webern zeichnet auch für die in Weißtönen gehaltenen Barockkostüme verantwortlich. Vom vielen Rumgerenne und den emotionalen Verstrickungen erschöpft lehnen die Figuren schließlich an den Türrahmen. „So werden alle zufrieden sein“, lassen Mozart und Da Ponte die Liebespaare am Ende singen. Zufrieden war am Premierenabend auch das Publikum - auf eine Fortsetzung des Opernstudios kann man sich jedenfalls freuen.

(S E R V I C E - Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ im Rahmen der Bregenzer Festspiele in der Inszenierung von Jörg Lichtenstein. Es spielt das Symphonieorchester Vorarlberg unter Leitung von Hartmut Keil. Mit Vincenzo Neri: Graf, Mojca Bitenc: Gräfin, Anat Edri: Susanna, Adam Kutny: Figaro, Natalia Skrycka: Cherubino, Clara Corinna Scheuerle: Marcellina, Martin Summer: Bartolo/Antonio, Uwe Gottsweiler: Basilio/ Don Curzio, Jenifer Lary: Barbarina. Nikolaus Webern: Bühne, Kostüm; Matthias Zuggal: Licht, Mirjam Klebel: Choreographie. Weitere Aufführungen im Kornmarkt-Theater am 15., 17. und 19. August. Informationen unter http://bregenzerfestspiele.com/de/programm/die-hochzeit-des-figaro)


Kommentieren