Ein Untergang mit Kunstappeal

Dieter Fuchs wollte sein Atelier nicht einsam sterben lassen und sechs Kollegen halfen ihm.

© Thomas Boehm / TT

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Das kleine Haus in der Pradlerstraße, in dem der Innsbrucker Künstler Dieter Fuchs von 1996 bis 2008 sein Atelier gehabt hat, wurde vor fast 100 Jahren für einen Bildhauer gebaut. Seit zwei Jahren steht es leer, preisgegeben dem Zerfall und zunehmend vereinnahmt von den Pflanzen, die im ehemals wunderschönen Garten vor sich hinwuchern. Nicht mehr lang, wird doch heute diese Idylle plattgemacht, um einer Wohnanlage zu weichen.

Als Hommage an seine Geschichte sollte das alte Gemäuer aber nicht einsam sterben. Sondern gemeinsam mit jener Kunst, die auf Einladung von Dieter Fuchs sein Bruder Herbert, Thomas Feuerstein, Marcus Geiger, Heidrun Sandbichler und Can Yasagril speziell für diesen Ort kreiert haben, mit dem sie viele Erinnerungen verbindet. Auch Oswald Oberhuber, der sich als Hausgeist zur Verfügung stellte.

Schade ist, dass die Arbeiten nur für wenige Stunden am Mittwoch zu sehen waren. Die Außenmauer, die von Marcus Geiger schwarz markiert wurde genauso wie das Faksimile eines Fotos eines italienischen Kartenzauberers aus den 1930er-Jahren, das Heidrun Sandbichler in die Küche gehängt hat und so tut, als wäre es schon immer da gewesen. Nebenan im Schlafzimmer mieft es gewaltig, hat hier doch Herbert Fuchs unzählige Mottenkugeln verstreut, während Bruder Dieter über der Toilette ein Kondom baumeln lässt, prall gefüllt mit seinen Bartstoppeln. Im Erdgeschoß liegen Porträtbilder von Todesanzeigen am Boden, auf denen ein von Can Yasagril gemachter Tisch mit Füßen aus Doppler-Weinflaschen steht, für den Schweizer lange das Synonym für österreichische Kultur. Die Brisanz der Situation suggerierte allein die Arbeit von Thomas Feuerstein: eine Abrissbirne aus schwarzem Beton in der Form eines Luftballons. Überleben werden Fotos der Arbeiten und ein kurzer Film. Geplant ist auch eine kleine Broschüre.

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