Trumps Umgang mit Extremisten droht Mitarbeiter zu vergraulen

New York/Washington (APA/Reuters) - Die Äußerungen von Donald Trump über die rechtsextremen Ausschreitungen von Virginia stoßen auch in sein...

New York/Washington (APA/Reuters) - Die Äußerungen von Donald Trump über die rechtsextremen Ausschreitungen von Virginia stoßen auch in seinem engsten Führungskreis auf scharfe Kritik. „Nach dem gestrigen Tag ist es klar, dass niemand (...) die Möglichkeit hat, seine Impulsivität zu zügeln oder gegen das dagegenzuhalten, was er im Fernsehen oder im Netz sieht“, sagte ein enger Mitarbeiter Trumps der Nachrichtenagentur Reuters.

Er erwägt, die US-Regierung zu verlassen. Den Kritikern des Staatschefs schloss sich neben Parteifreunden indirekt auch die Führung der US-Streitkräfte an. Kern der Kritik ist, dass Trump angesichts der Ausschreitungen in Charlottesville Rechtsextremisten und linke Gegendemonstranten auf eine Stufe stellte. Er selbst bekräftigte sein Verständnis für Demonstranten, die in der Stadt dagegen protestierten, eine Statue des Südstaaten-Bürgerkriegsgenerals Robert E. Lee zu entfernen. Er sei traurig, dass die Geschichte und Kultur der USA durch den Abriss schöner Denkmäler „auseinandergerissen“ werde, erklärte Trump auf Twitter.

In Washington sagte der Regierungsmitarbeiter: „Viele von uns sind in dem Glauben in die Regierung gegangen, wir könnten die Erfahrung mitbringen, die der Präsident während seiner Karriere in der Privatwirtschaft nicht hat sammeln können.“ Man habe gehofft, ihn in seinen öffentlichen Äußerungen oder beim Umgang mit den Verbündeten zügeln zu können. Aber dies sei nicht einmal seinem neuen Stabschef, Ex-General John Kelly, gelungen.

Inzwischen wird spekuliert, ob Wirtschaftsberater Gary Cohn und Finanzminister Steven Mnuchin sowie andere wichtige Mitarbeiter ihr Amt niederlegen könnten. Ein früherer Regierungsmitarbeiter und Bekannter Cohns sagte Reuters, es sei nicht zu verkennen gewesen, dass sich Cohn bei der Pressekonferenz Trumps am Dienstag unwohl gefühlt habe. Trump erklärte dabei, es habe auf beiden Seiten des Konfliktes in Charlottesville auch „sehr anständige Leute“ gegeben.

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Aus Protest gegen die Haltung des Präsidenten haben bereits mehrere hochrangige Manager Beratergremien verlassen. Trump löste die beiden Gruppen daraufhin auf, offenbar um einer Selbstauflösung zuvorzukommen. Auch Parteifreunde wandten sich gegen den Präsidenten. So rügten etwa der Mehrheitsführer im Senat, der Republikaner Mitch McConnell, der Gouverneur von Ohio, John Kasich, der Senator Lindsey Graham oder die republikanischen Ex-Präsidenten George H.W. Bush und George W. Bush die Äußerungen Trumps. In einen Tweet warf Trump daraufhin Senator Graham „abstoßende Lügen“ vor. Unklar ist, was die Kritik für die Vorhaben des Präsidenten bedeutet. Trump ist auf die Unterstützung der Republikaner etwa bei Steuersenkungen angewiesen.

Die Militärspitze reihte sich in die Kritiker ein, indem sie sich indirekt von den Äußerungen distanzierte. In der Armee gebe es absolut keinen Platz für Fanatismus, sagte Generalstabschef Joseph Dunford in Peking. Der zur Demokratischen Partei zählende Bürgermeister von Phoenix, Greg Stanton, forderte Trump auf, eine am Dienstag in seiner Stadt geplante Kundgebung zu verschieben. Er warf Trump auf Twitter vor, das Land zu spalten. Der Präsident konterte rief daraufhin seine Anhänger auf, zur Kundgebung zu kommen.


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