Terror in Spanien: Was wir wissen und was nicht

Mindestens 14 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt, als am Donnerstag ein Kleintransporter in Fußgänger rast. In der Nacht erschoss die spanische Polizei fünf mutmaßliche Terroristen.

Las Ramblas am Morgen nach dem Anschlag.
© X00213

Barcelona – Ein weißer Lieferwagen rast auf der Flaniermeile Las Ramblas mitten inBarcelona in Gruppen von Passanten. Es gibt Tote und Verletzte, der Täter lässt den Wagen stehen und flüchtet zu Fuß. In einem Badeort südlich der katalanischen Metropole vereitelt die Polizei eine weitere Attacke.

Was wir wissen

Die Tat in Barcelona: Gegen 17.00 Uhr fährt am Donnerstagnachmittag ein weißer Lieferwagen laut Augenzeugenberichten mit hoher Geschwindigkeit auf die Flaniermeile Las Ramblas. In der Mitte dieser Straße ist ein breiter Flanierbereich für Fußgänger, dort rast der Transporter den Berichten zufolge im Zickzack in die Menschengruppen hinein. Nach Angaben der Zeitung «El Periódico de Catalunya» legt der Fahrer auf den Las Ramblas gut 550 Meter zurück. Am Pla de l‘Os bleibt der Van stehen, mitten auf einem bekannten Mosaik von Joan Miró. Der Fahrer flüchtet zu Fuß.

Der Tatort: Die Flaniermeile Las Ramblas ist eine knapp 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt. Sie führt von der Plaça de Catalunya im Norden bis zum Alten Hafen am südlichen Ende. Mit seinen historischen Häusern, der alten Markthalle und dem Liceu-Opernhaus sowie den Blumenhändlern und Straßenkünstlern zählt der Boulevard zu den Hauptattraktionen für Touristen. Entlang der Ramblas und in den Seitengassen befinden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Hostels.

Das Fahrzeug: Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen weißen Lieferwagen einer Leihwagenfirma. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen „La Vanguardia“ und „El Periódico de Catalunya“ unter Berufung auf die Polizei.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Die Zahl der Opfer: Die Zahl der Todesopfer steigt immer weiter. 14 Opfer sind aktuell bestätigt. Das teilten Rettungsdienste am Freitag mit. Bei dem Terroranschlag sind auch zwei Italiener ums Leben gekommen. Über 100 Menschen wurden verletzt. Zudem tötete die Polizei fünf mutmaßliche Terroristen.

Festnahmen: Nach Angaben von Polizeichef Josep Lluís Trapero wurden zwei Verdächtige festgenommen, die in Verbindung mit dem Angriff in Barcelona stehen sollen. Einer der beiden Männer sei ein Marokkaner, der andere komme aus der spanischen Exklave Melilla, teilte die Polizei mit. Ein bei einer Polizeikontrolle erschossener Verdächtiger habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen zu der Tat gehabt. Er hatte nach Medienberichten versucht, eine Polizeikontrolle zu durchbrechen.

Freitagfrüh nahm die Polizei einen dritten Verdächtigen in Ripoll, 100 Kilometer nördlich von Barcelona, fest.

Selbstbezichtigung: Die IS-Terrormiliz reklamiert laut ihrem Sprachrohr Amak den Terroranschlag für sich. Von den Behörden in Spanien gab es dazu zunächst keine Äußerungen.

Die Polizei dementiert Medienberichte, wonach sich Menschen – darunter möglicherweise auch Täter – in einem Restaurant verschanzt hätten. Niemand habe sich verschanzt, heißt es.

Polizeieinsatz in Cambrils: In dem Badeort rund 100 Kilometer südwestlich von Barcelona erschossen die Einsatzkräfte in der Nacht zu Freitag fünf mutmaßliche Terroristen. Dies bestätigte die Polizei am frühen Freitag auf Twitter. Bei dem Einsatz in Cambrils wurden sieben Menschen verletzt, zwei davon schwer, berichtete der katalanische Zivilschutz auf Twitter. Eine Frau erlag später ihren Verletzungen. Unter den Verletzten war auch ein Polizist. Nach Angaben der Behörden besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen den Taten in Barcelona und Cambrils sowie in der Ortschaft Alcanar.

Das Auto der fünf mutmaßlichen Terroristen kippte auf der Fluchtg vor der Polozei um.
© AFP

Der Vorfall in Alcanar: In der Ortschaft in der Provinz Tarragona kam am Mittwoch bei der Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben, sieben weitere wurden verletzt. Dies erklärte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Es gebe „klare“ Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona. Nach Informationen der Zeitung El País sollen dort etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. In dem Wohnhaus in der Ortschaft mit knapp 10.000 Einwohnern sei der Anschlag von Barcelona vermutlich vorbereitet worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf die katalanische Polizei.

Was wir nicht wissen

Gab es womöglich mehrere Täter? Es war am Abend unklar, wie viele Menschen in dem Lieferwagen gesessen haben. Der Fahrer soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung El Periódico de Catalunya berichtete. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte suchten nach dem Flüchtigen in der Umgebung. El País zufolge war der Fahrer am frühen Freitagmorgen noch immer auf der Flucht. Ob der oder die Täter bewaffnet waren, blieb am Abend ebenfalls unklar. Die Zeitung El País schrieb unter Berufung auf die Polizei, bei dem Anmieter des Tatfahrzeugs handele es sich um einen namentlich genannten Marokkaner, der sich legal in Spanien aufhalte. Später allerdings meldete sich nach Medienberichten ein Mann mit diesem Namen bei der Polizei und gab an, ihm seien die Papiere gestohlen worden.

Das Motiv: Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die auf jihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, dass Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in sozialen Netzwerken den Anschlag in Barcelona ähnlich feierten wie seinerzeit die Attacke in Manchester. Der Oberrabbiner von Barcelona, Meir Bar-Hen, sagte am frühen Abend, es habe nicht den Anschein, dass der Anschlag gezielt gegen Juden gerichtet gewesen sei. An der Anschlagsstrecke liegt auch das jüdische Restaurant „Maccabi“.

Die Hintergründe des Einsatzes in Cambrils: Die Ermittler prüfen, ob die Täter die Attacke mit einem Lieferwagen in Barcelona mit mindestens 13 Toten nachahmen wollten und ob die Täter Sprengstoffwesten trugen. Das mögliche Anschlagziel, die Strandpromenade Paseo Marítimo, ist voller Bars und Discos. Angeblich stand der Fahrer von Cambrils in Verbindung mit einer Jihadisten-Zelle in Alcanar, berichtete La Vanguardia. Bestätigt wurde dies bislang nicht.

War das Zentrum der Zelle in Alcanar? Dies berichtete die Zeitung El País. Die Polizei vermute, dass in dem durch eine Explosion zerstörten Gebäude im äußersten Süden der Region Katalonien ein Sprengsatz gebaut wurde, so das Blatt. Die Polizei sprach bislang nur von „klaren“ Verbindungen. (dpa)


Schlagworte