Junger Schaffner lebt mit Volldampf seinen Traum

Der elfjährige Fabian weiß ganz genau, welchen Beruf er ergreifen wird. Das „Praktikum“ gibt’s bereits jetzt an der Minidampfbahn in Mieming.

© Schratzberger

Von Martina Schratzberger

Mieming –„Wie alt ist denn der Kleine?“, will der junge Schaffner mit der schwarzen Kappe wissen. „Eineinhalb“, antwortet die Oma schmunzelnd. „Dann fährt er gratis mit“, sagt der aufgeweckte Bub und zwickt die Fahrkarten der Großeltern und der dahintersitzenden Fahrgäste. Dann stellt er die Weichen und bläst kräftig in seine Trillerpfeife. Der Zug fährt ab. Etwa 20 Kinder quietschen vor Vergnügen, die Eltern winken vom Bahnhof aus zu. Herrlich, dieser Ausflug zur Minidampf-Gartenbahn nach Mieming.

Fabian hat nun ein paar wenige Augenblicke Zeit, vom Fahrbetrieb zu erzählen. Seine Augen strahlen geradezu. Und es sprudelt aus ihm heraus. Der Bub darf als jüngstes Mitglied des Vereins Minidampf-Tirol mitarbeiten. Zweimal die Woche holt ihn das „Minidampf-Ehepaar“ Marlies und Peter Vietmeier von Haiming ab und nimmt ihn mit auf das Mieminger Plateau. „Bevor es losgeht, darf ich die Gleise überprüfen, die Strecke muss frei sein, da darf kein Stein und auch kein Ast darauf liegen. Dann holen wir die Lokomotiven und die Waggons aus dem Lokschuppen und die Tunnel müssen aufgesperrt werden“, sagt er.

Die Gartenbahn liegt seit etwa 15 Jahren gleich neben dem Waldbad in Barwies im idyllischen Föhrenwald. Das Streckennetz ist 350 Meter lang, im Laufe der Zeit gab es immer wieder Erweiterungen. Die Fahrt führt über zwei Brücken und durch zwei Tunnels. Die Lokomotiven werden in zwei Lokschuppen beherbergt – einer mit Drehscheibe und einer mit Schiebebühne, Senktisch und Reparaturbühne. Für die großen Dampfloks wurde ein Wasserturm errichtet, im Anschluss an das Reparaturgleis ein Kohlenturm.

Wo hat sich Fabian denn diesen Eisenbahn-Virus eingefangen? „Mein Opa war schon am Brenner oben Wagenmeister und vor einer Weile haben wir die alte Roco-Modellbahn meines Vaters wieder aufgebaut. Die alten Schienen und alles, was dazu gehört, haben mich einfach begeistert.“ Auch die Ausflüge auf das Mieminger Plateau wurden immer öfter. „Eines Tages haben wir dann den Obmann gefragt, ob ich mitmachen darf“, schildert Fabian.

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Grundsätzlich würde sich der Verein mit 46 Mitgliedern über Zugänge freuen, allerdings wird die Mitgliedschaft von Kindern aber auch mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Zu viel Unfug sei schon getrieben worden, manche Eltern hätten den Verein dann und wann auch schon als Kinderbetreuungseinrichtung fehlverstanden. Fabian und auch ein paar andere jüngere Zeitgenossen seien aber Ausnahmefälle, die sich ernsthaft für die Sache interessieren und tüchtig mitanpacken. Wie soll es anders sein, Fabian will eines Tages Lokführer werden. „Das reizt mich deshalb, weil keine Fuhre gleich ist.“ Ein ganz klein wenig Lokführerluft hat er aber bereits jetzt schon geatmet. Denn wenn er schon den ganzen Tag ehrenamtlich für Hilfsdienste zur Verfügung steht, darf er hin und wieder nach dem offiziellen Fahrbetrieb selbst fahren.

Die Minidampfbahn Mieming fährt heuer noch bis 26. Oktober an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.


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