Ex-Nationalspieler wurde zu Baron Münchhausen

Innsbruck – Vor den Scherben seines Lebens und vor zahlreichen seiner Betrugsopfer stand gestern ein 49-Jähriger am Landesgericht. Die Ankla...

© Fellner Reinhard

Innsbruck –Vor den Scherben seines Lebens und vor zahlreichen seiner Betrugsopfer stand gestern ein 49-Jähriger am Landesgericht. Die Anklage wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges wog schwer. So hatte der Tiroler etlichen Bekannten für frei erfundene Finanzierungen sagenhafte 1,8 Millionen Euro herausgelockt. Bis heute ist eine Million davon verschwunden. Staatsanwalt Markus Grüner: „Dafür droht der strengste Strafrahmen, den es bei Vermögensdelikten überhaupt gibt, nämlich ein bis zehn Jahre Haft!“

Die Geschädigten hatten ab 2015 auch deshalb das Geld so locker an den Angeklagten fließen lassen, da sie Vertrauen hatten. Spielte der 49-Jährige doch früher in einer ganz anderen Liga; war begabter Spieler, im Kader des Nationalteams und später Tiroler Trainer. Da dem Ex-Sportler auch seit jeher eine Freundschaft zu einem Industriellen nachgesagt worden war, hatte er irgendwann begonnen, Bekannten zu erzählen, dass er für den Unternehmer dessen Luxusautos mit ordentlicher Gewinnspanne an- und verkaufe.

Eine Geschichte, wie sie Baron Münchhausen nicht hätte besser erzählen können. Denn weder bestand eine Freundschaft zwischen den beiden Männern, noch wurde jemals eine Luxuskarosse über diese Achse verkauft.

Schon allein aufgrund der irrwitzigen Zinszusagen finanzierten die Bekannten des Mannes Beträge bis zu 500.000 Euro. Ein anderer lieh beispielsweise für ein paar Tage 40.000 Euro und bekam sie mit 2000 Euro Zinsen wieder zurück. Genau diese Zins­auszahlungen hätten dem Ex-Nationalen laut Verteidiger Hansjörg Mader letztlich auch das Genick gebrochen.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Zeugen erzählten wiederum, dass der 49-Jährige aber auch gerne mit Hundert-Euro-Scheinen in den Hosentaschen angetroffen wurde.

Angesichts Unbescholtenheit und vollem Geständnis im Widerspruch zu existenzbedrohenden Schadensbeträgen bei den Gläubigern eine überaus schwierige Strafbemessung für Staatsanwalt Grüner.

Richter Bruno Angerer verhängte drei Jahre Haft, zwei davon bedingt. Damit besteht die Chance auf Fußfessel. Dazu erklärte die Republik eine Million Euro für verfallen. Angerer: „Sie haben in eineinhalb Jahren 1,8 Millionen Schaden angerichtet!“ Den übrigen Gläubigern bleibt nur die Hoffnung. (fell)


Schlagworte