Angreifer von Barcelona könnte noch am Leben sein

Barcelona/Paris (APA/Reuters/AFP/dpa) - Nach Angaben der katalanischen Polizei könnte der Attentäter von Barcelona noch am Leben sein. Poliz...

Barcelona/Paris (APA/Reuters/AFP/dpa) - Nach Angaben der katalanischen Polizei könnte der Attentäter von Barcelona noch am Leben sein. Polizeichef Josep Lluis Trapero dementierte am Freitagabend im Fernsehen Pressemeldungen, wonach der Fahrer des Fahrzeugs, das am Donnerstag 13 Menschen getötet hatte, erschossen worden sei. Er könne das nicht bestätigen.

„Das ist eine Möglichkeit, es verliert aber (...) an Gewicht“, formulierte der Polizeichef von Katalonien. Am Donnerstag waren nur wenige Stunden nach der Amokfahrt über die Flaniermeile La Rambla in Barcelona in dem katalanischen Badeort Cambrils fünf mutmaßliche Terroristen von der Polizei erschossen worden. Spanische Medien vermeldeten anschließend, der Attentäter sei einer von ihnen gewesen.

Der Doppelanschlag in Spanien geht nach Erkenntnissen der Polizei auf das Konto einer mutmaßlichen Terrorzelle mit offenbar noch größeren Anschlagsplänen. Die Attentate in Barcelona und Cambrils seien „in rudimentärerer Weise“ begangen worden als geplant, sagte Trapero am Freitag.

Die bisherigen Ermittlungen deuteten daraufhin, dass es eine „Personengruppe“ gebe, die von den Orten Ripoll und Alcanar bei Barcelona aus agiert habe, sagte der Polizeichef. Die Attentäter handelten offenbar überstürzt, nachdem die noch größeren Anschlagspläne scheiterten.

Trapero verwies auf eine Explosion in der Nacht zum Donnerstag in Alcanar, 200 Kilometer südlich von Barcelona. Dort hätten die Angreifer Bomben vorbereitet. Nach dieser Explosion hätten die Attentäter „nicht mehr das Material gehabt, um Anschläge noch größeren Ausmaßes zu verüben“. Was das ursprüngliche Anschlagsziel war, blieb zunächst offen.

Der Doppelanschlag von Barcelona und Cambrils sei nach dem Beispiel ähnlicher Attacken in anderen europäischen Städten begangen worden, sagte Trapero. Die Taten hätten aber nicht das von den Jihadisten „erhoffte Ausmaß“ gehabt.

Die Polizei identifizierte drei der erschossenen mutmaßlichen Attentäter als die Marokkaner Moussa Oukabir, Said Aallaa und Mohamed Hychami im Alter von 17, 18 und 24 Jahren aus Ripoll. Nach einem vierten Verdächtigen, dem 22-jährigen Younes Abouyaaqoub, wurde demnach noch gesucht.

In die Anschläge könnten nach Polizeiangaben ein Dutzend Verdächtige verwickelt sein. Vier wurden festgenommen, darunter der 27-jährige Driss Oukabir, der Bruder von Moussa Oukabir. Ein weiterer war auf der Flucht.

Drei weitere Menschen wurden laut Polizei identifiziert, aber nicht festgenommen. Zwei von ihnen könnten möglicherweise bei der Explosion in dem Haus in Alcanar getötet worden sein. Dort seien die Überreste von zwei Menschen gefunden worden.

Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Barcelona und Cambrils wird nach einem Fahrzeug gefahndet. Wie aus französischen Polizeikreisen verlautete, übermittelte ihr die spanische Polizei am Freitag Angaben zu einem weißen Renault Kangoo. Der Hochdachkombi werde im Zusammenhang mit den Attentaten in Spanien gesucht. Er sei möglicherweise über die Grenze nach Frankreich gefahren.

Bei dem Anschlag in Barcelona am Donnerstag und in Cambrils in der Nacht auf Freitag wurden insgesamt 14 Menschen getötet und knapp 120 verletzt, darunter eine Österreicherin. 65 Verletzte befanden sich am Freitag noch im Krankenhaus. 17 Verletzte kämpften laut Zivilschutz weiter um ihr Leben, 28 befänden sich in „ernstem Zustand“.

Spaniens König Felipe VI. und Ministerpräsident Mariano Rajoy begaben sich nach Barcelona, wo sie an der Seite der Regionalregierung an einer Schweigeminute teilnahmen. Wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens sind die Beziehungen zwischen Madrid und Barcelona gespannt. Rajoy betonte die Notwendigkeit der Einheit zwischen Katalonien und Spanien. König Felipe und Königin Letizia wollten die Verletzten des Anschlags am Samstag im Krankenhaus besuchen.

Während der Gedenkveranstaltung in Barcelona kam es zu einem Zwischenfall, als rund 20 Rechtsextreme mit Schlagringen demonstrierten. Einige hielten Schilder hoch, auf denen zu lesen war „Keine Moscheen mehr“ und „Flüchtlinge sind nicht mehr willkommen“. Es kam zu einem Handgemenge mit Teilnehmern der Gedenkveranstaltung.


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