Musikfestival Grafenegg: Konzertanter „Freischütz“ als Rumpf-Oper

Grafenegg (APA) - Die Rundum-Szenerie ist bukolisch, doch die Szene fehlt: Mit einer dreistündigen konzertanten Fassung von Carl Maria von W...

Grafenegg (APA) - Die Rundum-Szenerie ist bukolisch, doch die Szene fehlt: Mit einer dreistündigen konzertanten Fassung von Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“ ist am Freitagabend im Wolkenturm des Schlossparks Grafenegg das diesjährige Musikfestival eröffnet worden.

Es ließe sich lange darüber sinnieren, welchen Sinn es denn haben könnte, ausgerechnet einer Oper wie dem „Freischütz“ ihre darstellerische Ebene zu entziehen und aus einem Paradestück des Musiktheater-Repertoires eine fragwürdige Art Oratorium zu destillieren. Wenn nicht eine exorbitante musikalische Besetzung zu erleben ist - was hier nur partiell der Fall war -, bleibt ein Rumpf-“Freischütz“ für Arme übrig. Eine Wolfsschlucht-Szene gar, die in ihren szenischen Effekten nicht adäquat erlebbar ist, verpufft bestenfalls als Kuriosum.

Liebe und Natur besiegen mittels der ihnen eigenen Anarchie alte Ordnungen und tote Rituale: Ein sympathisches, aber doch dünnes inhaltliches Plädoyer für Webers Oper hält der deutsche Schriftsteller Christoph Klimke im Programmhaft. Klimke hat auch Zwischentexte für die Aufführung beigesteuert, die der 87-jährige Otto Schenk mit stoischer Lakonik las. Schenk sprach auch den Teufel Samiel, verlieh ihm böse Dämonik und wurde dafür mit bewunderndem Beifallsrespekt bedacht.

Stimmlich gewannen die Damen haushoch. Daniela Fally war einmal mehr die alles überstrahlende Königin des Abends, selbst die Nebenrolle des Ännchens gestaltete sie souverän wie charmant und ließ für die Dauer ihrer Auftritte das sonstige szenische Manko vergessen. Gal James gab eine ansprechende Agathe, Adrian Eröd konnte sich in der kleinen Rolle des Ottokar leider nur ansatzweise entfalten. Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung des Chefdirigenten Yutaka Sado bemühte sich wacker, der Arnold Schoenberg Chor war verlässlich wie stets. Am morgigen Sonntag ist die Aufführung ab 20.04 Uhr auf Radio Niederösterreich nachzuhören.

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(S E R V I C E - Musikfestival Grafenegg, bis 10. September. Tickets und Information: Tel. 02735/5500, www.grafenegg.com)


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