Barcelona-Terror - Internationale Pressestimmen

Barcelona (APA/dpa) - Zu den Terroranschlägen in Spanien schreiben die ausländischen Zeitungen am Samstag:...

Barcelona (APA/dpa) - Zu den Terroranschlägen in Spanien schreiben die ausländischen Zeitungen am Samstag:

„Times“ (London):

„Anhänger des IS haben die Anschläge in Spanien in sozialen Medien gefeiert, ebenso wie im Juni den Angriff auf der London Bridge. Doch in Wirklichkeit tanzen sie dabei auf ihren eigenen Gräbern. Der IS intensiviert die Anwendung dieser primitiven Mordmethode, weil seine Träume von einem Kalifat im Nahen Osten zerplatzt sind. Das ist freilich kein Trost für Menschen, die in europäischen Städten niedergemäht werden.

Mit Nachdruck muss die Frage gestellt werden, wie der Westen sich für die nächste Phase eines anscheinend noch lange dauernden Kampfes gegen den Terrorismus in den Städten wappnen soll. (...) Dabei versteht sich von selbst, dass die gesamte Gesellschaft wachsam sein muss, von Angestellten bei Autovermietungen über Apotheker bis zu Streckenarbeitern der Bahn. Doch wenn dieser Kampf bis zur nächsten Generation anhält, muss er vor allem von den Geheimdiensten vorangetrieben werden. Sie müssen die Finanzquellen des Terrors aufdecken, Verdächtige observieren und Schwachpunkte in unserer nationalen Infrastruktur erkennen und beheben. Es muss zudem verhindert werden, dass ein territorial gescheitertes Kalifat sich in ein digitales Kalifat verwandelt.“

„de Volkskrant“ (Amsterdam):

„Überall im Westen, auch in den Niederlanden, nutzen Politiker islamistisch inspirierte Terroranschläge für einen Krieg gegen den Islam an sich, oder als Rechtfertigung für einen Einreisestopp für muslimische Migranten. Donald Trump, der für letzteres plädierte, wurde damit gar zum amerikanischen Präsidenten gewählt.

Damit kommt eines der Ziele von Terroristen - die Zersetzung westlicher Gesellschaften - in Reichweite. Dem müssen wir zuvorkommen. Politiker sollen nicht verschweigen, dass dieser Terrorismus durch eine gefährliche, an den Islam angelehnte Ideologie genährt wird. Aber zugleich müssen sie auch immer wieder entschlossen für die Vielfalt und den Pluralismus unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens einstehen - auch in religiöser Hinsicht. Um diese Werte zu beschützen, müssen Politiker alles daran setzen, dass im Rahmen der Möglichkeiten freier Gesellschaften Extremisten aufgespürt und außer Gefecht gesetzt werden. Doch die Bekämpfung der wachsenden Intoleranz zwischen den Bevölkerungsgruppen ist eine Aufgabe für uns alle.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Ziel des IS ist es, das Vertrauen zwischen der christlichen Mehrheitsgesellschaft und der muslimischen Minderheit zu zerstören. Die Regierungen, aber auch rechtsextreme Gruppen sollen zu einer Überreaktion gegen Muslime motiviert werden, um diese dann in die Arme der Islamisten zu treiben. Wenn ein Fahrzeug oder ein einfaches Messer reichen, um einen Anschlag zu verüben, kann jeder zum Terroristen werden. Diese Möglichkeit erhöht das Misstrauen zwischen den Menschen, aber auch gegenüber der politischen Elite, die nicht in der Lage ist, die Sicherheit der Bürger zu garantieren. Erstaunlich ist dies alles nicht. Das untergehende ‚Kalifat‘ hinterlässt in Europa viele Metastasen, die nur langsam heilen werden.“

„Nepszava“ (Budapest):

„In Spanien hat man Gesetze geschaffen, um die Extremisten zurückzudrängen. Die Ereignisse vom Donnerstag zeigten jedoch erneut, dass es keine perfekte Sicherheit gibt, selbst wenn die Polizei gut aufgestellt ist und entsprechende Gesetze existieren. Allein in diesem Jahr strömten elf Millionen Touristen in die Hauptstadt Kataloniens, die für ihre Weltoffenheit berühmt ist. Ihre Bürgermeisterin erklärte nach dem Anschlag: Barcelona wird sich nicht abschotten, wird keine Mauern errichten. In Spanien (...) weiß man sehr wohl, dass die Einschränkung der demokratischen Freiheitsrechte nur Wasser auf den Mühlen der Radikalen bedeutet.“

„Presse de la Manche“ (Cherbourg):

„Es fällt auf, dass auf die mörderischen Ergüsse des Hasses jedes Mal automatisch eine Dynamik der Großzügigkeit und der Solidarität folgt (...). Die Terroristen liegen mit ihrem Kalkül gewaltig daneben. (...). Sicher, sie sorgen für Tote, Verletzte, Schmerzen und langanhaltende Traumata. Aber nie dient das ihrer Sache (...). Am kuriosesten ist der Kontext des ganzen Schlamassels: Am Tag vor dem Angriff wurden Touristen dazu aufgefordert zu verschwinden, weil Barcelona überlaufen sei. Vereint durch den Schrecken spenden sich Touristen und Einheimische heute gegenseitig Trost.“


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