Anschlag in Barcelona: Was wir wissen – und was nicht

Mindestens 14 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt, als am Donnerstag ein Kleintransporter in Fußgänger rast. In der Nacht erschoss die spanische Polizei fünf mutmaßliche Terroristen.

Polizisten patroullieren am Stadtstrand La Barceloneta in Barcelona.
© Reuters

Barcelona – Die Ermittler in Spanien ordneten der mutmaßlichen Terrorzelle drei Vorfälle zu: den schweren Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas, bei dem am Donnerstag 13 Passanten getötet wurden, einen vereitelten Angriff in der Stadt Cambrils, bei dem flüchtige Verdächtige Passanten anfuhren und eine Frau ums Leben kam und die Explosion in einem Haus in dem Ort Alcanar.

Was wir wissen

Der Anschlag in Barcelona: Ein Lieferwagen raste am Donnerstag gegen 17.00 Uhr auf der Flaniermeile Las Ramblas im Zickzack in Menschen. Medien zufolge legte der Fahrer gut 550 Meter zurück und flüchtete dann zu Fuß.

Die Opfer: Insgesamt wurden nach Behördenangaben 14 Menschen getötet und 126 verletzt. Die Opfer von Barcelona und Cambrils stammten nach vorläufigen Angaben aus 34 Ländern. Bis zum Samstagmorgen waren noch vier Tote nicht identifiziert, 54 Menschen waren noch im Krankenhaus.

Das Tatfahrzeug: War ein gemieteter weißer Lieferwagen. Ein zweiter Transporter, mit dem der oder die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, wurde Zeitungsberichten zufolge nahe Barcelona gefunden.

Der Anti-Terror-Einsatz in Cambrils: In dem Badeort südwestlich von Barcelona erschossen Einsatzkräfte fünf mutmaßliche Terroristen. Medien zufolge waren die Männer in einem Wagen von der Polizei kontrolliert worden. Auf der Flucht fuhren sie Passanten an, eine Frau kam ums Leben. Bei den Sprengstoffgürteln der Verdächtigen handelte es sich der Polizei zufolge um Attrappen.

Der Vorfall in Alcanar: In der Ortschaft in der Provinz Tarragona war am Mittwoch bei der Explosion in einem Wohnhaus mindestens Mensch ums Leben gekommen, sieben weitere wurden verletzt. Es gebe „klare“ Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona, sagte der katalanische Polizeichef. Dieser sei in Alcanar vermutlich vorbereitet worden.

Festnahmen: In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und im nochmals weiter südlichen Alcanar nahm die Polizei vier mutmaßliche Terroristen fest. Keiner von ihnen sei bis dahin durch terroristische Aktivitäten in Erscheinung getreten. Drei weitere Verdächtige seien identifiziert worden, teilte die Polizei mit.

Selbstbezichtigung: Die Terrormiliz IS (Daesh) reklamierte die Angriffe in einer Erklärung am Samstag für sich. Von den Behörden in Spanien gab es dazu zunächst keine Äußerungen.

Was wir nicht wissen

Die Identität der mutmaßlichen Terroristen: Die Polizei geht nach eigenen Angaben von einer zwölfköpfigen Zelle aus. Fünf der mutmaßlichen Attentäter seien bei dem Anti-Terror-Einsatz in Cambrils getötet worden. Vier wurden demnach verhaftet, zwei weitere starben möglicherweise bei der Explosion in Alcanar. Nach einem weiteren Verdächtigen wird nach übereinstimmenden Medienberichten gefahndet. Er könnte in Richtung Frankreich geflüchtet sein - auch die dortige Polizei wurde alarmiert.

Wer ist der Haupttäter? Die Sicherheitskräfte fahndeten zunächst nach einem 17-jährigen mit dem Namen Moussa Oukabir als Haupttäter. Später hieß es, er könnte unter den Toten von Cambrils gewesen sein und es gebe keine „ausreichenden Beweise“, dass er das Tatfahrzeug gesteuert habe. Nun richtet sich das Hauptaugenmerk der Fahnder nach einem 22-jährigen Marokkaner. Er soll aus Ripoll kommen.

Was ist das Motiv? Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag.

Befand sich das Zentrum der Terrorzelle in Alcanar? Dies berichtete die Zeitung El Pais. Die Polizei vermute, dass in dem durch eine Explosion zerstörten Gebäude im äußersten Süden der Region Katalonien ein Sprengsatz gebaut wurde, so das Blatt. Die Polizei sprach von „klaren“ Verbindungen. Am Freitag fanden Ermittler weitere „biologische Überreste“ - möglicherweise eine weitere Leiche. Laut „El Pais“ wurden in dem Gebäude etwa 20 Gasflaschen gelagert. Zudem seien Spuren des Sprengstoffs TATP entdeckt worden. Triacetontriperoxid wurde bei früheren Terroranschlägen in London und Paris benutzt.

Was ist die Verbindung zu Ripoll? Der verdächtige 22-jährige Marokkaner kommt aus der Stadt rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Die Polizei durchsuchte dort auch am Samstagmorgen auch das Haus eines Imam, berichtete „El Pais“ unter Berufung auf Polizeikreise und suchte nach DNA-Proben. Es gebe die Vermutung, dass er zum Zeitpunkt der Explosion in der zerstörten Wohnung in Alcanar gewesen sein könnte.


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