Sturmunglück im Bezirk Braunau: ,,Wie in einem Katastrophenfilm“

Der Sturm, der in der Nacht auf Samstag ein Festzelt der Feuerwehr Frauschereck umgerissen und zwei Todesopfer gefordert hat, sei nicht vorhersehbar gewesen, erklärten die Einsatzkräfte am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Im Ort ist die Betroffenheit groß.

Der Sturm hinterließ eine Spur der Verwüstung.
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St. Johann am Walde – Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kirche in St. Johann am Walde (Bezirk Braunau) am Sonntagvormittag nach dem Sturmunglück mit zwei Toten und Verletzten in der Nacht auf Samstag. Diakon Anton Baumkirchner sagte im Gottesdienst: „Es war gegen halb elf, da sind die Uhren im Ort stehen geblieben“. Die Sterbeglocke läutete in einer Gedenkminute.

Schon vor der Messe war klar, dass an diesem Sonntag für die rund 2000 Seelen-Gemeinde nichts mehr so war, wie zuvor. An einem wieder strahlenden Sonntagmorgen strömten viele dunkelgekleidete Menschen in das Gotteshaus. Nicht wenige mit einem weißen Taschentuch in der Hand. Nur Gesprächsfetzen im breiten innviertlerischen Dialekt wie „Des war so enterisch“ oder wie „Voi arg, der Horror“ waren zu hören – die wenigen Worte, die ein sprachlos machendes Unglück wie jene Sturmkatastrophe wohl zulassen.

„Es ist ein schwarzer Tag für uns alle“, versuchte der Diakon während der Messe die Stimmung in Worte zu fassen. Eine Naturgewalt wie der Orkan habe den Ort heimgesucht. „Man rückt zusammen in diesen Tagen“, sagte Baumkirchner.

Einsatzkräfte zogen Bilanz

Zufrieden zeigten sich unterdessen Vertreter von Rettung und Feuerwehr mit dem Rettungseinsatz. „Der Evakuierungsplan wurde noch um 19 Uhr besprochen“, sagte der örtliche Feuerwehrkommandant Erich Feichtenschlager.

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Der Sturm sei „unvorhersehbar“ gewesen, betonte alle Teilnehmer der Pressekonferenz. Man habe die Wetterlage ständig über Internet beobachtet, so Feichtenschlager. Das allgemein beliebte Fest der Feuerwehr Frauschereck ist zum 39. Mal über die Bühne gegangen. Der für Notfälle erstellte Evakuierungsplan habe einwandfrei funktioniert. Dieser sah vor, die Verletzten im Feuerwehrhaus unterzubringen. Erschwerend kam aber hinzu, dass die eigenen Feuerwehrkameraden zu den Opfern zählten. Vier von ihnen erlitten in der Küche durch Frittierfett schwere Verbrennungen. „Zu der Zeit hast du keine Mannschaft“, so Feichtenschlager.

„Plötzlich im Katastrophenfilm gelandet“

Als Kommandant lief er selber ins Zeughaus und öffnete die Tore. Währenddessen unternahmen die anderen die ersten Schritte, um nach Verletzten zu suchen und diese aus den Trümmern zu bergen. Sofort wurden zwei Trupps losgeschickt, um einen möglichen Zufahrtsweg der im Wald gelegenen Unglücksstelle zu finden oder freizumachen. Emotional belastend war für den Komandanten zusätzlich, nicht zu wissen, was mit der eigenen Familie geschah, die sich ebenfalls bei dem Zeltfest amüsiert hatte.

„Das kannst du nicht üben, nur vorplanen und vorbereiten“, gab Landesfeuerwehrkommandant Wolfgang Kronsteiner Rückendeckung. Man sei plötzlich in einem Katastrophenfilm gelandet. Er selbst steht hinter den Organisatoren. Er wolle den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen. Aber das Zelt sei TÜV-geprüft und für solche Veranstaltungen ausgelegt gewesen. Er sicherte „hundertprozentige Unterstützung durch das Landesfeuerwehrkommando“ zu.

Der Braunauer Bezirksrettungskommandant Jochen Kaser betonte, dass der Katastrophen-Einsatz mit Ruhe abgelaufen war. „Es gab keine Hektik.“ Für Braunau, Ried und Schärding war Großalarm ausgelöst worden, nachdem die Notrufe der Festbesucher im Sekundentakt hereinkamen. Die Erstversorgung und Einteilung der Verletzten mittels Checkblatt habe schon die Feuerwehr zuvor gemeistert. (APA)

Ein Einheimischer und eine junge Rumänin starben. Rund 120 Festbesucher wurden verletzt.
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