Mit einem Bordell wird das „Paradies aufs Spiel gesetzt“

Eine Reuttener Mutter will wachrütteln. Der geplante Bordellbetrieb am Urisee werde Kriminalität in ungeahntem Ausmaß nach Reutte bringen.

© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Die Gleichgültigkeit, mit der die Genehmigung des Bordells von der Bevölkerung in Reutte zur Kenntnis genommen wird, ärgert Brigitte Baumgartner sehr. Sie versucht nun die Menschen doch noch wachzurütteln. Denn die möglichen Folgen bedeuten für sie geradezu den „Verlust des Paradieses“. Die 41-jährige Mexikanerin mit Tiroler Großvater ist in Mexiko-Stadt aufgewachsen, weit gereist und lebt seit sechs Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Reutte. Als Expertin für internationales Steuerrecht ist sie global tätig. „Die Menschen hier haben keine Vorstellung, in welchem Paradies sie leben, was die Frage der Sicherheit betrifft. Und sie setzen es völlig gedankenlos aufs Spiel, indem sie ein Bordell einfach hinnehmen. Die Kriminalität wird nach Reutte kommen“, erkennt die Unternehmerin dunkle Vorzeichen. Sie habe es schon erlebt, dass man auf der Straße nicht mehr gehen könne, ohne sich umdrehen zu müssen.

Für Baumgartner ist Reutte ein Dorf. „6000 Einwohner sind nichts. Es soll doch niemand glauben, dass ein Bordell mit 50 Frauen und die Mäzene, die dahinterstehen, das Gefüge in so einem kleinen Markt nicht massiv durcheinanderbringen werden.“ Baumgartner, die das Bordell weniger als moralische, sondern als Sicherheitsfrage begreift, erklärt, dass Geldwäsche, Menschenhandel und Gewalttätigkeiten oft mit so einem Betrieb verbunden sind und deshalb auch folgen werden. Das sei in Mexiko so gewesen und hier nicht anders. „Reutte wird sich verändern und nicht zum Guten! Leute werden kommen, die niemand hier haben will, aber gegen die auch niemand mehr etwas tun kann.“ Reutte habe kein Kino oder Theater, aber ein Bordell mit all seinen Auswüchsen: „Ist es das, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen?“ Sie verweist auch auf die Facebook-Seite „Nein zum Bordell in Reutte“.

Baumgartner sieht ein, dass die Angelegenheit juristisch erledigt ist, nachdem BM Alois Oberer kein Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts ergreifen will. Sie hofft nun, dass Behörden, aber vor allem die Bewohner von Reutte „lästig sein und genau hinschauen werden, damit der Betreiberin die Lust vergeht“.

Aber Cornelia Füssinger, der Frau, die das Bordell am Urisee führen wird, ist in den dreieinhalb Jahren mit Behördenverfahren alles andere als die Lust vergangen. „Ich bedanke mich bei Bürgermeister Alois Oberer für dessen Nicht-mehr-Tätig-werden und werde mich jetzt dem Umbau der Zimmer, des Bar- und Gastrobereichs, der Saunalandschaft im Keller mit Außenbereich auf dem jetzigen unteren, asphaltierten Parkplatz widmen.“ Die Baden-Württembergerin will bald Kontakt zur Bezirkshauptmannschaft Reutte aufnehmen, um etwa Fragen des Brandschutzes oder der Intensität der Gesundheitsuntersuchungen zu klären. Nun heiße es auch, Unterbringungsmöglichkeiten für die Damen in der näheren Umgebung zu finden. Die Wohnungen dürften nicht zu weit vom Bordell entfernt liegen, da viele Frauen nicht mobil seien. Füssinger rechnet mit einem Start nicht vor dem Frühjahr 2018.

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