Barcelona-Terror - Imam als Anstifter und Brüderpaare aus Marokko

Barcelona/Madrid (APA/AFP) - Die Anschläge in Katalonien wurden nach den Erkenntnissen der Ermittler von einer zwölfköpfigen Terrorzelle ver...

Barcelona/Madrid (APA/AFP) - Die Anschläge in Katalonien wurden nach den Erkenntnissen der Ermittler von einer zwölfköpfigen Terrorzelle verübt, die innerhalb weniger Tage „vollkommen zerschlagen“ wurde. Die spanische Region entging offenbar einem noch viel größeren Anschlag: Die Terrorzelle kam nicht mehr dazu, ihn auszuführen. Ermittler klären unter Hochdruck den Hergang und die Hintergründe der Taten.

Wie verliefen die Anschläge?

Bei der Explosion des Hauses in Alcanar wurden zwei Menschen getötet, unter ihnen der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle, der Imam Abdelbaki Es Satty. Nach dem tödlichen Unglück disponierten die Attentäter um - der ursprünglich geplante großes Sprengstoffeinsatz unterblieb.

Stattdessen raste der 22-jährige Younes Abouyaaqoub am Donnerstagnachmittag mit einem Lieferwagen über die Flaniermeile La Rambla in Barcelona und tötete dabei 13 Menschen, hundert weitere wurden verletzt. Abouyaaqoub wurde damit zum Hauptattentäter. Auf seiner Flucht erstach er in der Nähe der Universität von Barcelona noch einen 34-Jährigen, dessen Auto er für die weitere Flucht nutzte.

In Cambrils fuhr dann in der Nacht zum Freitag ein schwarzer Audi A 3 in eine Polizeiabsperrung. Fünf Insassen sprangen aus dem Wagen, sie trugen Sprengstoffgürtel-Attrappen und waren mit Messern und Äxten bewaffnet. Zunächst wurden vier von ihnen von einem Polizisten erschossen. Der Fünfte verletzte auf der Flucht eine Frau tödlich, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Was hielt die Terrorzelle zusammen?

Die zwölf mutmaßlichen Mitglieder der Gruppierung sind fast ausnahmslos Marokkaner und lebten zum großen Teil in Ripoll am Fuße der Pyrenäen. Mutmaßlicher Kopf der Terrorzelle war der Imam Abdelbaki Es Satty, der ebenfalls in Ripoll lebte. Nach Es Satty wurde in der Folge der Anschläge tagelang gefahndet, bevor eine in dem explodierten Haus in Alcanar gefundene Leiche am Montag als seine sterblichen Überreste identifiziert wurden.

Unter den zwölf Terrorverdächtigen sind vier Brüderpaare: Mohammed Aallaa - der Eigentümer des A 3 - und der 18-jährige Said Aalaa; der 17-jährige Moussa Oukabir, der an dem Anschlag in Cambrils beteiligt war, und sein 28-jähriger Bruder, der unter den Festgenommen ist; der 24- jährige Mohamed Hichamy und sein minderjähriger Bruder Omar, die beide nach dem Anschlag in Cambrils erschossen wurden; schließlich der 22-jährige Haupttäter Younes Abouyaaqoub und sein 17-jähriger Bruder Houssaine, der ebenfalls in Cambrils erschossen wurde.

Welche Fragen bleiben noch ungeklärt?

Die katalanische Polizei verzeichnete rasche Fahndungserfolge, aber das genaue Zusammenspiel der Tatverdächtigen und mögliche Verbindungen zur Jihadistenmiliz IS sind noch nicht aufgeklärt. Dazu sollen die weiteren Vernehmungen der vier Verdächtigen beitragen, die festgenommen und am Dienstag erstmals dem Staatsgerichtshof in Madrid vorgeführt wurden. Einer der Verdächtigen gestand vor Gericht, die Gruppe habe einen noch viel größeren Anschlag geplant.

Nach der Explosion in Alcanar wurden Spuren des bei terroristischen Anschlägen häufig verwendeten Sprengstoffs TATP gefunden, der hochexplosiv ist. Unklar ist, wofür die Attentäter rund 120 Gasflaschen verwenden wollten, die auf dem Anwesen gehortet wurden.

Angesichts des Umfangs der Anschlagsvorbereitungen stellt sich die Frage, warum nicht frühzeitig ein Verdacht aufkam. Nach Angaben der Ermittler stand keines der zwölf Mitglieder der Gruppe zuvor unter Terrorverdacht. Über Monate spannen sie in der Kleinstadt Ripoll mit rund 10.000 Einwohnern ein enges Kontaktnetz.

Fragen wirft auch der Lebensweg des Imams Es Satty auf. Er soll laut der Zeitung „El Mundo“ wegen Drogenhandels im Gefängnis gesessen haben und sich dort mit einem Häftling angefreundet haben, der 2004 an dem islamistischen Anschlag auf Vorortzüge in Madrid mit 191 Toten beteiligt war.