„Visions of Nature“: Reflexion über die Natur als kultivierter Ort

Wien (APA) - Die Natur zwischen Ressource und Sehnsuchtsort: Mit dieser aktuellen Ambivalenz setzen sich 25 Künstler in der Fotografieausste...

Wien (APA) - Die Natur zwischen Ressource und Sehnsuchtsort: Mit dieser aktuellen Ambivalenz setzen sich 25 Künstler in der Fotografieausstellung „Visions of Nature“ auseinander, die heute, Dienstag, Abend im Kunst Haus Wien eröffnet wird. Durch die Verwendung des Mediums der Fotografie wird infrage gestellt, inwiefern die Darstellung von Natur dieser überhaupt gerecht werden kann, ohne sie zu domestizieren.

Im digitalen Zeitalter sei das Dasein in der Natur für viele keine Selbstverständlichkeit mehr, so die Direktorin Bettina Leidl bei der heutigen Pressekonferenz. „Man kann sich nur für Dinge einsetzen, die man kennt; ist das Wissen um die Natur einmal verloren, wird sich auch keiner finden, der dafür kämpft. Insofern ist die Auseinandersetzung damit für den Menschen existenziell.“ Der heurige Programmschwerpunkt auf Natur und Ökologie macht deutlich, dass sich der Mensch nicht mehr als Teil der Natur betrachtet, sondern diese distanziert als Objekt begreift und zu verstehen versucht.

Dass die von Verena Kaspar-Eisert kuratierte Ausstellung sich ebendiesen Vorstellungen von Natur widmet, macht bereits im ersten Ausstellungsraum eine Arbeit von Bruno von Roels mit dem Titel „I Am In Love With A Place In My Mind“ deutlich. Großformatige Fotografien von Schülern der Düsseldorfer Photoschule setzen an sich unspektakuläre Landschaften visuell ansprechend in Szene. Eine Videoinstallation von Tomas Eller stellt subtil die Frage nach dem Huhn und dem Ei im menschlichen Verhältnis mit der Natur: Reagiert das Blatt mit seiner Drehung auf den Hauch der menschlichen Stimme, oder reagiert ebendiese auf die Blattdrehung?

Im Folgenden spannt die Ausstellung den Bogen von der Idealisierung zur Dystopie. In Vanja Bucans farbenfrohen Collagen nähert sich der Mensch physisch, beispielsweise in einer schüchternen Umarmung, der Natur. Auch in den folgenden Arbeiten von unter anderem Andreas Gursky und Rodrigo Braga wird der Mensch im Versuch der Annäherung an die Natur dargestellt, während die gleichzeitige Distanz beispielsweise in den Baumporträts von Myoung Ho Lee und der Collage „Museum of Nature“ des Finnen Ilkka Halso zutage tritt. Denselben Effekt erzielen auch die Fotografien von Darren Almond und Matthias Kessler, die dem Betrachter einen grundsätzlich vertrauten, doch durch die ungewöhnliche Belichtung verfremdeten Anblick bieten.

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Im verzweifelten Versuch der Vereinigung mit der Natur scheint der Mensch zu übersehen, dass er schon längst ein Teil von ihr ist, so jedenfalls lautet die geologische Sicht auf die Dinge: Das Konzept des Anthropozäns vertritt die Ansicht, dass wir uns am Eintritt einer neuen, vom Menschen geprägten Epoche der Erdgeschichte befinden, dessen Eingriffe sich in Gesteinsschichten nachweisen ließen. Auch mit dieser ökologisch relevanten Thematik setzen sich diverse Exponate auseinander, mit denen die Einschreibungen des Menschen in die Natur einprägsam dokumentiert werden.

(S E R V I C E - „Visions of Nature“, Ausstellung im Kunst Haus Wien, Eröffnung heute, 12. September, um 19 Uhr, 13. September bis 18. Februar 2018, tgl. 10-18 Uhr, https://www.kunsthauswien.com/de/ausstellungen/visions-nature/)


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