Westendorf: Neue Verträge sollen den Ausverkauf verhindern

Der Druck auf den Wohnungs- und Grundstücksmarkt wird auch in Westendorf immer größer. Die Vertragsraumordnung soll helfen.

Auch in Westendorf steigen die Preise für Eigenheime und Wohnungen enorm. Mit der Vertragsraumordnung will die Gemeinde dem entgegenwirken.
© www.BilderBox.com

Von Harald Angerer

Westendorf — Nicht erst die Erhebung der Freizeitwohnsitze durch das Land Tirol hat in der Gemeinde Westendorf die Alarmglocken schrillen lassen. Hier liegt man beim Freizeitwohnsitzanteil sogar vor Kitzbühel. In den vergangenen Jahren ist Westendorf auch zunehmend interessanter für ausländische Immobilienkäufer geworden, eine starke Bautätigkeit hat das Ihre dazu beigetragen. Doch die entstandenen Wohnungen sind für Einheimische nicht oder kaum leistbar.

Der neue Gemeinderat hat sich im Zuge des neuen Raumordnungskonzeptes auch mit der Erstellung der Vertragsraumordnung beschäftigt. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde nun über die Richtlinien zu diesen Verwendungsverträgen abgestimmt. „Wir haben einfach gesehen, dass die Begehrlichkeiten in Westendorf massiv zunehmen und es Richtung Ausverkauf geht", schildert Bürgermeisterin Annemarie Plieseis und weiter: „Es war aber nicht allen klar, dass wir wohl eine der letzten Gemeinden sind, die keinen solchen Raumordnungsvertrag haben."

Einer der Kernpunkte ist das Vorkaufsrecht für die Gemeinde bei neuen Widmungen. „Darüber gab es auch die meisten Diskussionen", sagt Plieseis. Wie dann auch bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zu sehen war.

„Es wurde sehr viel Zeit in den Vertrag investiert, ich bin aber bis heute nicht glücklich mit dem, wohin wir gekommen sind", sagt Vizebürgermeister Peter Pirchl von der bäuerlichen Liste Aufwind bei der Gemeinderatssitzung. Er hätte die Entscheidung gerne um weitere acht Wochen verschoben. „Das müssen wir ja heute noch nicht abstimmen", meint Pirchl. Denn dem Vorkaufsrecht für die Gemeinde könne er nicht zustimmen. „Wir haben uns jetzt ein Dreivierteljahr damit beschäftigt, und das ist genau der Punkt, den ihr von Anfang an nicht drinnen haben wolltet", sagt GR Johanna Aufschnaiter-Angerer (Wir) dazu. Sie glaubt nicht, dass sich in den acht Wochen noch etwas daran ändern würde. „Aus unserer Sicht ist es nicht erheblich, ob der Grund geerbt, gekauft oder gewonnen wurde", erklärt Aufschnaiter-Angerer weiter.

Neben dem Vorkaufsrecht der Gemeinde bei Verkauf enthält der Vertrag unter anderem auch einen verpflichtenden Baubeginn innerhalb von 24 Monaten und die Fertigstellung innerhalb von vier Jahren nach Baubeginn. Auch Konventionalstrafen sind darin vorgesehen. „Wenn wir keine Strafen haben, bringt auch der Vertrag nichts", ist die Bürgermeisterin überzeugt.

Der Gemeinderat stimmte letztlich den Vertragsrichtlinien mit zehn Ja-Stimmen und fünf Nein-Stimmen der Liste Aufwind zu. Er wird auch ein Thema bei der Gemeideversammlung am kommenden Montag, den 18. September, um 19.30 Uhr im Alpenrosensaal sein. Hier wird den Westendorfern auch das neubeschlossene Raumordnungskonzept präsentiert.


Kommentieren


Schlagworte