Zehn Prozent der Privatvermögen offshore - Österreich unterm Schnitt

Wien (APA) - Etwa zehn Prozent des weltweiten Privatvermögens wird in Steueroasen gehalten, zeigt eine aktuelle Studie. Wobei der Anteil des...

Wien (APA) - Etwa zehn Prozent des weltweiten Privatvermögens wird in Steueroasen gehalten, zeigt eine aktuelle Studie. Wobei der Anteil des „offshore“ gehaltenen Vermögens am Bruttoinlandsprodukt (BIP) einzelner Staaten stark schwankt. Während aus skandinavischen Staaten nur einige Prozent der Wirtschaftsleistung ins Ausland fließen, sind es in Saudi-Arabien oder den VAE etwa 60 Prozent.

Österreich liegt mit rund acht Prozent des BIP in Offshore-Destinationen unter dem weltweiten Schnitt. Auch von den Panama-Papers war Österreich weniger stark betroffen, als es die Wirtschaftsleistung vermuten ließe, zeigt die Studie von Annette Alstadsaeter, Niels Johannesen, and Gabriel Zucman, die in der Reihe des National Bureau of Economic Research (NBER) publiziert wurde.

Was den Geldfluss in Steueroasen auslöst, sei nicht einfach zu begründen. Viel Geld fließe aus Autokratien wie Saudi Arabien, aber auch aus Demokratien wie Großbritannien oder Frankreich. Wenig Geld fließe aus Ländern mit niedriger Steuer wie Korea und Japan - aber auch aus Hoch-Steuerländern wie Dänemark und Norwegen. So seien aus China nur etwa 2,3 Prozent des BIP in Steueroasen geflossen, während aus Russland das 20-fache ins Ausland geschafft wurde. „Geografie (Nähe zur Schweiz, Anm.) und nationale Besonderheiten scheinen eine große Rolle zu spielen“, schreiben die Autoren. Sie gehen davon aus, dass 30 bis 50 Prozent des weltweiten Offshore-Vermögens in der Schweiz liegen.

Die Autoren haben auch untersucht, was die Offshore-Mittel für die Vermögensverteilung in den einzelnen Ländern bedeutet. Das reichste Zehntausendstel (0,01 Prozent) der Haushalte erhöhe dadurch seinen Anteil am Gesamtvermögen deutlich - selbst in skandinavischen Ländern, von denen aus Steueroasen zurückhaltend verwendet werden. Die Autoren schätzen, dass in Großbritannien, Spanien und Frankreich 30 bis 40 Prozent des Vermögens der reichsten 0,01 Prozent der Haushalte im Ausland gehalten werden. Ohne Offshore-Vermögen scheine Frankreich „gleicher“ als Skandinavien zu sein - mit diesen hingegen deutlich ungleicher.

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In Russland werde sogar die Mehrheit des Vermögens der Allerreichsten im Ausland gebunkert. In den USA sei der Effekt gedämpfter als in Europa, „weil der Anteil der Top-Vermögen schon ohne Steueroasen sehr hoch ist“. In allen Ländern erhöhen aber die Vermögen in Steueroasen die Ungleichheit im Land. Steuerdaten alleine reichen nicht, um die Vermögensverteilung zu beurteilen, vermerken die Studienautoren.

Nach allen verfügbaren Daten zeige sich, dass die reichsten 0,01 Prozent die Hälfte und die reichsten 0,1 Prozent 80 Prozent der in Steueroasen gehaltenen Vermögen besitzen.

2,3 Billionen Dollar hatten Ausländer im April 2017 auf Schweizer Konten liegen - das entsprach 30 bis 50 Prozent des weltweiten Vermögens in Steueroasen. Die Bedeutung der Schweiz hat aber seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 deutlich abgenommen - während Steueroasen in Asien an Gewicht gewonnen haben. Der Anstieg von Briefkastenfirmen mache es dabei zunehmend schwierig, die wirtschaftlichen Eigentümer von Offshore-Vermögen festzumachen.

Die Einbindung von Steueroasen zeigt auch, dass langfristig die Konzentration von Vermögen bei den Allerreichsten wieder stark gestiegen ist. Unter Berücksichtigung von Steueroasen halten die reichsten 0,01 Prozent der Franzosen heute einen größeren Teil des Gesamtvermögens als in den 1950er Jahren. In allen zehn untersuchten Ländern zeigt sich eine ähnliche Entwicklung: die Konzentration der Vermögen bei den Allerreichsten ging ab den 1950er Jahren zurück, um ab den 1980er Jahren wieder anzusteigen und heute ein ähnliches Niveau wie 1950 zu erreichen. Und obwohl die Europäer viel stärker auf Steueroasen zurückgreifen als die US-Amerikaner, ist die Vermögenskonzentration dort deutlich höher - sie liegt in den USA heute gleich hoch wie Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa. Damals - vor gut hundert Jahren - lag die Vermögenskonzentration in den USA noch wesentlich niedriger als in Europa.

S E R V I C E: Who Owns the Wealth in Tax Havens? Macro Evidence and Implications for Global Inequality. Annette Alstadsæter, Niels Johannesen, Gabriel Zucman, NBER Working Paper No. 23805, Issued in September 2017


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