Afghanistan prüft Bewaffnung von Zivilisten im Kampf gegen Taliban

Experten kritisieren die Idee, weil sie befürchten, dass eine derartige Miliz-Truppe zur aggressiven Selbstjustiz tendieren könnte.

Seit Jahren werden die afghanischen Soldaten von den internationalen Truppen ausgebildet. Doch seit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes gewinnen die Taliban und andere Extremistengruppe wieder die Oberhand im Land.
© Reuters

Kabul – Als Reaktion auf die anhaltende Bedrohung durch islamistische Aufständische in Afghanistan erwägt die Regierung in Kabul eine Bewaffnung von Zivilisten. Pläne zur Bildung „örtlicher Truppen“ würden derzeit geprüft, sagte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die Truppe würde den Angaben zufolge rund 20.000 Mann zählen.

Ein Sprecher der NATO-Ausbildungsmission „Resolute Support“ bestätigte die Pläne. Nach Angaben eines US-Beamten ist der Vorschlag derzeit allerdings noch in der Anfangsphase.

Ausuferung der Gewalt befürchtet

Seit die NATO ihren Kampfeinsatz in Afghanistan 2014 beendete, sind die radikalislamischen Taliban wieder auf dem Vormarsch. Auch die Jihadistenmiliz IS (Daesh) gewinnt an Einfluss. Die afghanischen Sicherheitskräfte haben nur wenig Erfolg im Kampf gegen die Aufständischen.

Der Vorschlag zur Bewaffnung von Zivilisten ist allerdings äußerst umstritten. Privatarmeen und von der Regierung gestützte bewaffnete Gruppen haben in Afghanistan eine lange und kontroverse Geschichte.

„Die Erweiterung der irregulären Truppen durch die afghanische Regierung könnte enorm gefährliche Folgen für die Zivilisten haben“, warnte Patricia Gossman von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Demnach befürchten selbst die afghanischen Behörden, dass eine solche Miliz sich zu einer eigenständigen aggressiven Truppe entwickeln könnte. (APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte