Der schwierige Weg zu den schönen Geschichten

Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ zum Saisonauftakt des Tiroler Landestheaters.

© TLT/Larl

Von Ursula Strohal

Innsbruck –Theater ist Abenteuer und „Hoffmanns Erzählungen“ eine Oper, die sinnhaft zur Eröffnung einer Spielzeit dieses Tun und Wollen zusammenfasst: sinnliches Erlebnis und intellektuelles Abenteuer.

Wenn sich der Vorhang hebt zu „Hoffmanns Erzählungen“ – das Werk zählt im deutschsprachigen Raum zu den 20 beliebtesten Opern –, bedeutet das für das Leading-Team ein Ende umfangreicher Informationsbeschaffung, Überlegungen, Diskussionen und Entscheidungen. Die Entstehungsgeschichte und Rezeption der fünf Akte, verschiedene Fassungen und neue Forschungsergebnisse erschweren jede Realisation. In Innsbruck stellten sich der TLT-Kapellmeister Seokwon Hong, Thaddeus Strassberger als Regisseur und Gestalter der Bühne sowie Kostümbildner Michael D. Zimmermann der Aufgabe. Premiere ist kommenden Samstag.

Als Jacques Offenbach im Oktober 1880 in Paris 61-jährig unerwartet starb, waren die Proben zu „Hoffmanns Erzählungen“ im Gang. Ein Theaterwechsel an die „Opéra Comique“ hatte schon vor der dortigen Uraufführung am 10. Februar 1881 Änderungen bewirkt, Dialoge wurden verlangt und aus dem baritonalen Dichter Hoffmann ein Tenor. Nach Offenbachs Ableben machten sich mehrere Komponisten über die letzten Skizzen her, die Giulietta-Geschichte entfiel und wurde im 20. Jahrhundert erneut, aber widersinnig positioniert. Die dramaturgischen „Hoffmann“-Katastrophen, Missverständnisse im Spannungsfeld von Offenbachs Changieren zwischen Realität und Phantasie, Gesellschaftskritik, Künstlerbegriff und Verfremdungstechnik halten bis heute an. Musikalisch ermunterten wohl Offenbachs Eigenzitate zu fremden Einschüben – wie das Septett im Giulietta-Akt und die einer Offenbach-Ouvertüre entnommene Spiegelarie. Auch die Ballade von Klein-Zaches kam erst später dazu. Die Stücke wurden freilich derart berühmt, dass sie dem Publikum meistens gegönnt werden – so auch in Innsbruck.

Der Erfolg seiner Oper hat Offenbach nicht mehr erreicht. Aber er musste auch nicht erleben, dass im Uraufführungsjahr während einer Vorstellung das Ringtheater in Wien in Flammen aufging und wenige Jahre danach ein Brand in der Pariser Opéra Comique das Orchestermaterial vernichtete. Hoffmanns Geschichten überleben alles. Sie erzählen von seiner vergeblichen Liebessuche, die der Sängerin Stella gilt, die seine Phantasie aber aufspaltet in die scheiternden Begegnungen mit der Puppe Olympia, der kranken Sängerin Antonia und der Kurtisane Giulietta.

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In der Einführungsstunde berichtete Seonkwon Hong von einer „Innsbrucker Fassung“, die das Leading-Team erarbeitet hat, und der stilistischen Vielfalt, die vom Orchester zu bewältigen ist. „Es dreht sich so vieles im Kreis auf dieser Suche des Künstlers nach seinem Weg“, sagte Regisseur Strassberger und sieht die Verschmelzung von Komödie und Tragödie „in unser aller Leben. Wir steigen als Zuschauer in Hoffmanns Phantasiewelt“. Die in der Oper personifizierte Muse existiert in uns: „Man muss es aus sich selber holen“.

Die Titelrolle ist Dominik Sutowicz anvertraut, seine drei Geliebten werden von Sophia Theodorides, Susanne Langbein alternierend mit Tatiana Rasa sowie Jomanté Šležaité alternierend mit Susanna von der Burg gesungen. Camilla Nadja Lehmeier ist die Muse und Nicklaus, Bernd Valentin gibt die dunklen Mächte. Als Antonias Mutter gastiert Dagmar Schellenberger.


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