Imagekorrektur für Hormone

Die Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren stand lange im Kreuzfeuer der Kritik. Eine Neuauswertung alter Daten ergab nun, dass die Hormone besser sind als ihr Ruf.

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Von Theresa Mair

Innsbruck –Wie ein Segen erschien in den 1970er-Jahren die Entwicklung der Hormonersatztherapie. Heute verbringen Frauen bei steigender Lebenserwartung ein Drittel ihres Lebens in und nach den Wechseljahren. Und zwar mit allen Beschwerden, die diese mit sich bringen können. In den 1990er-Jahren wurden die Hormone quasi im Gießkannenprinzip an die Frau gebracht.

Der Schock kam 2002: Ein Teil der WHI-Studie der US-Frauengesundheits-Initiative über den Einsatz der kombinierten Hormonersatztherapie (Östrogen und Gestagen) wurde abgebrochen. Die Frauen erlitten vermehrt Herzinfarkte oder Schlaganfälle, erkrankten an Brustkrebs oder erlitten andere Nebenwirkungen, wie Bettina Toth, Direktorin der Uniklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Innsbruck, schildert. Die Hormonersatztherapie, doch ein Fluch? „Die Wahrheit liegt dazwischen“, sagt Toth. Bei der WHI-Studie sei zu wenig beachtet worden, dass die eingesetzten kombinierten Hormonpräparate in Mitteleuropa eher selten angewandt wurden und dass die reine Gabe von Östrogenen das Brustkrebs-Risiko sogar verminderte.

In der Folge habe man die Hormonersatztherapie jedoch vielen Frauen bewusst vorenthalten und nur noch bei schlimmsten Wechseljahrbeschwerden verschrieben. Jetzt stelle man fest, dass „die Osteoporose- und Frakturrate bei den unbehandelten Frauen insgesamt ansteigt“.

Eine kürzliche Neubewertung der inzwischen über 15 weitere Jahre beobachteten Patientinnen der WHI-Studie ergab nun Überraschendes. Nämlich, dass die Hormonersatztherapie besser ist als ihr Ruf. Das Sterberisiko sei bei der Hormon-Einnahme insgesamt nicht erhöht oder sogar niedriger – besonders, wenn die Therapie früh in den Wechseljahren begonnen wurde.

„Sie hat positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden, das Demenzrisiko und auch auf das kardiovaskuläre Risiko. Die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken, ist geringer, das Brustkrebsrisiko jedoch bei kombinierter Therapie ein wenig erhöht“, erläutert Toth die jüngsten Erkenntnisse. „Hormone sind gut, wenn man sie gezielt einsetzt. Wir haben heute eine Vielzahl an Möglichkeiten, Frauen hormonell zu unterstützen“, sagt die Innsbrucker Expertin. Die Optionen reichen von Tabletten, Scheidenzäpfchen, Gels bis hin zu einem neuen Spray.

Es muss auch nicht immer eine Hormontherapie sein. Manchmal helfen pflanzliche Mittel wie Rotklee und Soja, und auch gegen die Verminderung der Knochendichte kann mit eigenen Medikamenten vorgegangen werden. „Wir fragen viele Symptome ab, welche die Patientin auf einer Skala von 0 (keine Beschwerden) bis 4 (unerträglich) bewertet.“

Es kommt auf die Ergebnisse an und darauf, welche Risikofaktoren die Patientin hat. Leidet sie an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, kommt z. B. eine Hormontherapie mit Tabletten nicht in Frage. „Diese würden die Bildung der Gerinnungsfaktoren in der Leber weiter anregen.“ Klagt sie über Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Sex, dann könnten lokal wirkende östrogenhaltige Vaginalzäpfchen helfen, nennt die Medizinerin Beispiele. In die Risikoabwägung spiele hinein, ob die Patientin Sport treibt, wie sie sich ernährt, ob sie – wenn sie Kinder hat – ausreichend lange gestillt hat bzw. ob eine familiäre Belastung z. B. für Brustkrebs besteht.

In einer Situation plädiert Toth eindeutig für die Hormonersatztherapie: Ein bis zwei Prozent der Frauen schlittern zu früh in die Menopause, anderen müssen die Eierstöcke frühzeitig entfernt werden. „Das Durchschnittsalter für die Menopause liegt bei 52 Jahren. Vor dem 45. Lebensjahr spricht man von einem frühzeitigen Wechsel.“

Diese Frauen sollten bis zum Eintritt des „normalen“ Menopausealters Hormone bekommen. „Ich hatte zwei Patientinnen, die mit 17 in die Menopause kamen. Die Hormone sind dann dazu da, den physiologischen Zustand des Körpers wiederherzustellen.“ Die jungen Betroffenen profitieren demnach bezüglich ihres Demenz-, Gefäß- und Herz-Kreislauf-Risikos erheblich von den Medikamenten.

Bei Frauen, die im Wechseljahralter sind und Hormone gegen die Beschwerden nehmen, sollte die Therapie regelmäßig neu bewertet werden. Denn mit dem Alter werden die Risikofaktoren mehr.


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