„Heldendenkmal“ wird durch Infotafel ersetzt

Nach dem Diebstahl der umstrittenen „Dollfuß-Heldentafel“ am Tschirgant will die zuständige Sportunion eine Infotafel aufstellen.

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Vor dem Diebstahl haben Unbekannte bereits das Wort „Helden“ aus der Tafel herausgekratzt.Foto: privat
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Von Matthias Reichle

Karrösten –Der Ärger bei der Sportunion Tschirgant-Karrösten ist groß. „Für uns ist das eine schwere Sachbeschädigung, bei der wir die Kosten tragen“, erklärt Obmann David Schöpf auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung.

Wie in der vergangenen Woche berichtet, wurde am Karröster Gipfelkreuz am Tschirgant eine umstrittene Gedenktafel für Engelbert Dollfuß (1892–1934) gestohlen. Der österreichische Politiker, an den der „Christlich Deutsche Turnverein Tschirgant Karrösten“ 1934 mit einer Bronzeplakette erinnerte, ist höchst umstritten. Für die einen ist er ein „Arbeitermörder“, für die anderen ein „Heldenkanzler“. Der Austrofaschist regierte Österreich nach einem Staatsstreich autoritär. Unter anderem verbot er in dieser Zeit die Sozialdemokratie. Gleichzeitig lehnte er aber auch den Nationalsozialismus deutscher Prägung ab und wurde schließlich 1934 von den Nazis ermordet.

Es ist nicht geplant, die verschwundene Bronzeplatte in dieser Form zu ersetzen, so Schöpf. Im Verein hat man sich in den letzten Tagen Gedanken gemacht. „Wir werden die Geschichte des Kreuzes aufarbeiten.“ Geplant ist eine Infotafel – dabei werde es auch um das Denkmal und seine wechselvolle und umstrittene Vergangenheit gehen. Sollte die Plakette wieder auftauchen – was Schöpf derzeit nicht ausschließt, denn er vermutet, dass sie am Berg weggeworfen wurde –, wird sie nicht mehr an der alten Stelle angebracht. Man will sie dann im Bereich der Infotafel zeigen, ansonsten wird dort ein Foto an sie erinnern.

Schöpf betont, dass man unpolitisch sei. „Es soll eine Art Museum werden“, faktenorientiert, „jeder soll sich seine eigene Meinung bilden“. Gleichzeitig überlegt man aber auch, das in die Jahre gekommene Kreuz komplett zu erneuern. „Ich wusste gar nicht, dass wir dieses Kreuz betreuen“, sagt Schriftführer Thomas Röck, der erst seit Kurzem im Ausschuss des Vereins tätig ist. Er hat mit der Recherche begonnen und die Chronik durchstöbert. Der Pfarrer, der noch die Kurrentschrift lesen kann, unterstütze ihn dabei. Anfragen an die Universität um Hilfe blieben bislang unbeantwortet. „Mich hat das Thema interessiert“, so Röck, auf den nun viel Arbeit wartet.

Von Seiten der Sportunion hofft man nun auf finanzielle Unterstützung, wie Schöpf erklärt. Die Mittel des Vereins seien begrenzt, „und eigentlich besser im Bereich der Nachwuchsarbeit genutzt“.

Seitens der Polizei laufen noch die Ermittlungen.


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