Nina Proll erntet Shitstorm für Kritik an #MeToo-Opfern

Unter dem Hashtag #MeToo berichten seit Wochen Millionen Frauen weltweit von sexueller Erniedrigung, Gewalt und Missbrauch. Schauspielerin Nina Proll hat eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Schützenhilfe bekommt sie ausgerechnet von Felix Baumgartner.

Nina Proll.
© Rupert Larl

Innsbruck — Armin Wolf bringt es mit einer simplen Twitter-Meldung auf den Punkt: „Ganz simple Regel zur Orientierung: Wenn dir in einer Sexismus-Debatte Felix Baumgartner applaudiert, liegst du falsch." Gerichtet sind diese Worte wohl an Schauspielerin Nina Proll, die mit einem Facebook-Posting zur #MeToo-Debatte aufhorchen ließ. Schützenhilfe bekam sie für ihren Kommentar ausgerechnet von Felix Baumgartner, dessen Einstellung zu Frauen spätestens seit seinem öffentlichen Streit mit Puls4-Moderatorin Corinna Milborn bekannt ist.

„Bin vermutlich sexsüchtig"

Der Hashtag „MeToo" ist seit Wochen in aller Munde, ausgelöst durch den Missbrauchs-Skandal in Hollywood rund um Harvey Weinstein. Seither haben bereits Millionen Frauen von sexueller Gewalt, Missbrauch, Erniedrigung und Ausbeutung berichtet, viele haben nach Jahren ihr Schweigen gebrochen und zum Teil erstmals gewagt, über das Geschehene zu sprechen. Frauen, die sich selbst die Schuld an den Vorfällen gaben, die in eine Opferrolle gedrängt wurden, weil die Gesellschaft das Problem nicht ernst genug nimmt.

Nina Proll stellt die „MeToo"-Debatte ins „Feministinnen"-Eck. Sie selbst sei noch nie sexuell belästigt worden in ihren 20 Jahren als Schauspielerin, schreibt sie in dem umstrittenen Beitrag. „Aber das liegt vermutlich daran, dass ich sexuelle Annäherungsversuche von Seiten eines Mannes grundsätzlich erfreulich finde und einen solchen erst mal als Kompliment und nicht als Belästigung verstehe. Aber das ist bestimmt mein Fehler. Ich bin vermutlich sexsüchtig und habe keinen gesunden Zugang zu diesem Thema." Als wäre der Satz nicht schon Klatsche genug in das Gesicht vieler Frauen, schreibt sie weiter: „Deswegen war es mir auch immer egal, wenn sie mir Avancen gemacht haben. So was hat in mir höchstens Mitleid hervorgerufen. Ich würde mich schämen, damit jetzt hausieren zu gehen, gerade vor jenen Frauen, denen tatsächlich Gewalt widerfahren ist." Man solle am besten den Sex verbieten, schreibt Proll weiter, dann wären alle Probleme gelöst. In einem zweiten Posting verteidigt die Wienerin ihre Worte, weil sie nicht von Frauen gesprochen habe, denen tatsächlich Gewalt widerfahren sei, "sondern von Schauspielerinnen, die behaupten, sie hätten Unzumutbares ertragen müssen, um Karriere zu machen."

„MeToo"-Kampagne nicht verstanden

Kritik ließ nach der Veröffentlichung des Beitrags nicht lange auf sich warten. Viele User finden die Worte der Schauspielerin nicht nur zynisch, sondern erniedrigend. Sexuelle Belästigung mit Flirtversuchen gleichzusetzen sei ein Schlag ins Gesicht all derer, die in ihrem Leben diese Herabwürdigung erdulden mussten. Sie habe die Tragweite der Kampagne schlichtweg nicht verstanden. Proll stelle sich auf die Seite der Männer, die sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung herunterspielen wollen. Von einem Mann bekommt die Schauspielerin auch Schützenhilfe, denn niemand geringerer als Felix Baumgartner bezeichnete ihr Posting als „toll" und Proll als „starke Frau". Noch gut in Erinnerung sein Streit mit Puls4-Modertorin Corinna Milborn, die er unterschwellig als zu dick bezeichnete, als sie eine sexistische Palmers-Werbung kritisierte. Sein Zuspruch für Nina Proll auf Facebook sieht jedenfalls wie folgt aus: „Wir brauchen starke Frauen wie dich, denn die können sich jederzeit selber wehren und das schätzen und respektieren wir Männer am meisten."

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Beide haben mit ihren Zeilen auf Facebook ganz offenbar nicht verstanden, wobei es bei der „MeToo"-Kampagne geht: Es geht nicht um Sexualität, es geht um sexuelle Belästigung, die ein Ausdruck und Missbrauch von Machtverhältnissen und ein Mittel der Gewalt ist, wie die vier Tiroler Landesrätinnen Christine Baur, Ingrid Felipe, Beate Palfrader und Patrizia Zoller-Frischauf in einer gemeinsamen Aussendung hervorstreichen. Sie bezeichnen die Kampagne als „wichtigen Emanzipationsschritt, Zeichen der Solidarität und Mut machende Gegenbewegung zur Anti-Political-Correctness". Das Sichtbarmachen von sexualisierter Gewalt, sexuellen Belästigungen, Anzüglichkeiten und Übergriffen sei ein wichtiger Schritt zur Prävention. „Sexuelle Übergriffe gibt es nicht nur in Hollywood, sondern überall: Am Arbeitsplatz, im Privatleben, in der Schule, in der Öffentlichkeit. Es braucht ein klares und deutliches ,Nein' in der gesamten Gesellschaft", sind die Landesrätinnen überzeugt. Vielleicht sollten sich Proll und Baumgartner diese Zeilen noch einmal zu Gemüte führen. (rena)

Der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner.
© dpa

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