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Der Tod steht ihm gut

Mit dem Sterben beschäftigt sich Maximilian Hüttner nicht nur zu Allerheiligen: Der 19-jährige St. Johanner wird Bestatter. Er weiß sogar schon, wie seine eigene Beerdigung aussehen soll.

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Maximilian Hüttner aus St. Johann hat einen ungewöhnlichen Berufswunsch: Er will Bestatter werden.
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Von Miriam Hotter

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St. Johann i. T. –Fragt man einen erwachsenen Mann, was er als kleiner Bub werden wollte, lautet die Antwort meist: Feuerwehrmann, Hubschrauberpilot oder Fußballprofi. Nicht so bei Maximilian Hüttner. „Ich träumte immer davon, als Bestatter zu arbeiten“, sagt der 19-Jährige aus St. Johann. Das habe vor allem mit seinem Nachbarn und guten Freund der Familie zu tun, der ein Bestattungsunternehmen leitet. „Er war immer so schön angezogen. Ich habe mich dann gefragt, was er genau macht“, erinnert sich Hüttner. Sein Interesse blieb beim Nachbarn nicht unbemerkt. „Als ich elf Jahre alt war, hat er mich einmal mit in seine Firma genommen. Ich habe mir extra einen Anzug angezogen, um genauso auszusehen wie er.“

Der Besuch im Bestattungsunternehmen sollte der Beginn einer großen Liebe werden, der Liebe zu diesem Beruf. „Ich fing später an, nach der Schule regelmäßig in der Firma zu helfen und habe mich über Ausbildungsmöglichkeiten informiert.“ Nach mehreren Praktika in Tirol und Vorarlberg will Hüttner die Bestatterakademie in Wien besuchen. Auf dem Stundenplan stehen Buchhaltung, Bestattungsgesetze, internationales Recht, wie Überführungen von Toten in andere Länder, sowie die Riten und Gebräuche der einzelnen Religionen. Im Unterricht geht es aber auch um Särge, Griffe, Urnen und Trauerwäsche. Am Ende steht die Bestatterprüfung, die Hüttner selbstverständlich ablegen möchte, um sich später einmal selbstständig machen zu können. Doch zuvor gilt es, den Präsenzdienst beim Bundesheer zu absolvieren.

Die Reaktionen auf Hüttners Berufswunsch fallen unterschiedlich aus, erzählt er. Von „grausig“ über „Das könnte ich nicht“ bis hin zu „Du wirst zumindest immer einen Job haben“ reichen die Kommentare. „Viele Menschen, vor allem junge, glauben, dass ein Bestatter nicht viel tut, außer den Verstorbenen abzuholen. Aber es gehört viel mehr dazu.“ Was genau, erklärt der St. Johanner anhand eines Beispiels. „Wenn eine ältere Person zuhause stirbt, rufen die Angehörigen oder der Sprengelsarzt den Bestatter an“, erzählt der St. Johanner. In der Regel wird der Leichnam drei Stunden nach Eintritt des Todes abgeholt. Manchmal nutzen Angehörige die Zeit, um den Verstorbenen zu waschen und ihm seine Lieblingskleidungsstücke anzuziehen. „Meistens macht das aber der Bestatter im Bestattungsinstitut.“ Zur hygienischen Totenversorgung gehört etwa auch, austretende Körperflüssigkeiten zu beseitigen. Die Haare des Leichnams werden mit Shampoo gewaschen, geföhnt und gekämmt. Anschließend wird der Verstorbene eingecremt, Männer werden häufig noch rasiert. „Frauen können geschminkt werden und wir legen ihnen Schmuck an, wenn das gewünscht ist.“ Berührungsängste habe Hüttner keine. Distanz zu wahren, sei in seinem Beruf wichtig. Aber manchmal gehen auch ihm Sterbefälle nahe. „Es kommt vor, dass Menschen wochenlang unbemerkt tot in ihrer Wohnung liegen. Dass manche Leute so einsam sind, macht mich traurig.“

Schließlich ist da noch der bürokratische Teil der Arbeit. „Wir erledigen Behördengänge und organisieren das Begräbnis.“ Und auch der Tod geht mit der Zeit: In den vergangenen Jahren habe sich ein Trend zu individuellen Bestattungen entwickelt. In diesem Zusammenhang erinnert sich Hüttner an eine kürzlich verstorbene Frau, die zu Lebzeiten gerne „Nimm 2“-Zuckerln genascht habe. „Wir haben eine Schale mit Zuckerln auf den Sarg gestellt. Die Leute haben dann jeweils ein Zuckerl in den Sarg gelegt und eines für sich mitgenommen.“ Beim Begräbnis eines Rock ’n’ Roll-Liebhabers wurde hingegen Rock-Musik gespielt.

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Auch auf Hüttners Begräbnis sollen einmal seine Lieblingssongs laufen. „Und ich möchte, dass Fotos gezeigt werden.“ Zudem sollen die Vereine, bei denen er Mitglied ist (z. B. Feuerwehr und Fußballfanclub), miteingebunden werden. Angst vor dem Tod hat Hüttner nicht. „Ich bin mir sicher, dass es danach noch etwas gibt. Ich weiß zwar nicht genau was, aber ich glaube fest, es wird schön.“


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