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„Wir sind durch ein kleines Loch gekrochen“

Ein Mineur erinnert sich an den Durchschlag im Arlbergtunnel heute vor 40 Jahren. Kanzler Kreisky sprach von einer Leistung für Europa.

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Die Durchschlagfeier am 11. November 1977 zählt neben der Verkehrsfreigabe im Dezember 1978 zu den Höhepunkten der Tunnelchronik.
© Albrecht

Von Helmut Wenzel

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St. Anton am Arlberg –Es war ein denkwürdiger Feiertag. Vor 40 Jahren, am 11. November 1977, fiel der letzte Sprengschuss im Arlberg-Straßentunnel. Die Mineure hatten die 13.972 Meter lange Röhre von Langen und von St. Jakob am Arlberg aus je zur Hälfte freigelegt.

Mineur Anton Auer, heute 65 Jahre, erzählt von unvergesslichen Momenten: „Die letzten drei Meter waren so richtig aufregend. Ein paar ältere Mineure setzten den Bohrer an. Dann der Sprengschuss, Staub wirbelte auf. Dank Laser-Messung ist uns ein punktgenauer Durchschlag gelungen. Wir sind durch das kleine Sprengloch zu den Kollegen auf Vorarlberger Seite gekrochen. Den Durst haben wir natürlich mit Bier gelöscht.“

Mineur Anton Auer war beim Tunnelbau 1974–1977 im Einsatz.
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Mit 22 Jahren heuerte der aus Kärnten stammende Mineur bei der Arlberg Straßentunnel AG (Astag) an. „Der Chef im Baubüro St. Jakob hat gefragt, was ich kann. Ich bin gelernter Installateur, er hat mich sofort aufgenommen“, erzählt Auer. Im August 1974 übernahm er einen Bohrwagen mit Elektrohydraulik. Damit war der junge Mann ganz vorne beim Vortrieb im Einsatz. Wie Dutzende seiner Landsleute kam auch Auer wegen der guten Bezahlung zur Tunnelbaustelle. „Wir haben bis zu 30.000 Schilling im Monat verdient.“ Der Job im Schichtbetrieb war freilich hart: vier Tage Nacht-, vier Tage Mittags-, vier Tage Frühschicht und dann vier Tage frei. Eine Lebensmittelverkäuferin verdiente damals 7000 Schilling.

Es gab auch gefährliche Momente – 14 Mitarbeiter wurden beim Tunnelbau getötet. Auer hatte Glück, als er den Bohrwagen in einer Nische reparierte: „Da ist Gestein aus der Wand gebrochen. Meine Füße wurden verschüttet, aber ich blieb unverletzt.“

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Der Kärntner Mineur fand auch privates Glück am Arlberg, heiratete und baute sich in St. Jakob ein hübsches Haus. Mehrere Tunneljobs folgten. „Ich bin sehr stolz, dass ich beim Arlbergtunnel dabei sein konnte“, resümiert er. Aus Dankbarkeit kümmert er sich bis heute um die Barbara-Statue am Tunnelportal. Die beleuchtete Statue befindet sich hinter einem Fenster, Auer reinigt es.

Die Politik überbot sich an jenem Tag mit den Ansprachen und Grußworten. Bundeskanzler Bruno Kreisky, dessen Gattin Vera die Tunnelpatenschaft übernommen hatte, sprach von einer Leistung für ganz Europa, Österreich könne stolz darauf sein.

Tirols legendärer Landeshauptmann Eduard Wallnöfer hob hervor: „Der Durchschlag bedeutet weit mehr als das Ausbrechen von Gestein im Arlberg. Dieser Tunnel ist ein großer Beitrag zum schnelleren Zusammenfinden der Länder Europas.“

Laut Asfinag frequentieren täglich mehr als 8000 Fahrzeuge die 13.972 m lange Röhre.
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