„Der gestiefelte Kater“ sorgte in Graz für soziale Gerechtigkeit
Graz (APA) - Das Grazer Kinder- und Jugendtheater Next Liberty hat in seiner jährlichen Prodiktion in der Oper am Sonntag den „Gestiefelten ...
Graz (APA) - Das Grazer Kinder- und Jugendtheater Next Liberty hat in seiner jährlichen Prodiktion in der Oper am Sonntag den „Gestiefelten Kater“ ins Rennen geschickt. Aus dem bekannten Märchen machten Komponist Thomas Zaufke und Autor Peter Lund ein Musical, in dem auf kurzweilige Weise das Problem der gerechten Aufteilung von Besitz thematisiert wird.
Regisseur und Next-Liberty-Chef Michael Schilhan siedelte das Geschehen im Frankreich der industriellen Revolution an. Das Thema „Kleider machen Leute“ aus dem Märchen ist geblieben und wird anhand eines armen, aber belesenen Burschen und einer hartherzigen Stoff-Manufakturbesitzerin abgehandelt. Der junge Held hat einen etwas grindig-grauen, dafür aber klugen Kater, der ihn in die Kunst der Verstellung durch äußere Erscheinung einweist, die Fabrikantin verfügt über eine nervige, aber gutherzige Tochter, und so findet sich am Ende Arm zu Reich. Das junge Paar kündigt an, gerechter herrschen und - ganz der Philosophie der Aufklärung entsprechend - jedem Menschen einen Garten zur Verfügung stellen zu wollen.
Musikalisch bot die Aufführung einen Mix aus verschiedenen Stilen, der von den ambitionierten Darstellern gekonnt gesungen und von Maurizio Nobili und der Band schwungvoll gespielt wurde. Das Bühnenbild (Alexia Redl) zeigte stimmungsvolle Momente, wenn eine Steinbrücke oder ein schmiedeeisernes Tor ein Stück Frankreich auf die Bühne zaubern. In bunte Kostüme (Rebeca Monteiro Neves) verpackt wird nicht mit Sozialkritik gespart: die Manufakturbesitzerin darf unverblümt ihre Ausbeutung der Arbeiter preisen, die Mutter des jungen Helden verliert ihre Stelle und landet unter der Brücke. Das Ganze zeigt Schilhan aber mit leichter Hand, ohne jedoch die Aussage auf die leichte Schulter zu nehmen.
Als Kater gibt sich Florian Stanek geschmeidig und philosophisch, er zeiht die Fäden und behält den Überblick. Christof Messner (Henry) ist ein junger Revoluzzer mit romantischer Attitüde, der damit die entzückend-überdrehte Ficellle (Alice Peterhans) gewinnt. Raffiniert, tatkräftig und skrupellos zeichnet Elisabeth Sikora die Manufakturbesitzerin, und Jutta Panzenböck leidet gekonnt als vom Schicksal gebeutelte Mutter. Zuletzt wendet sich alles zum Guten, das Schicksal der Arbeiter wird durch die Dampfmaschine nicht beeinträchtigt - zumindest im Märchen.
(S E R V I C E - „Der gestiefelte Kater“ von Thomas Zaufke und Peter Lund im Kinder- und Jugendtheater Next Liberty. Regie: Michael Schilhan, Bühne: Alexia Redl, Kostüme: Rebeca Monteiro Neves. Mit: Florian Stanek (Kater), Christof Messerr (Henry), Jutta Panzenböck (Henrys Mutter), Elisabeth Sikora (Madame Tisserand), Alice Peterhans (Ficelle), Stefan Moser (Wirt, D‘Intrigant, Polizeipräfekt). Nächste Vorstellungen: 19., 20. November, 11., 18., 23. Dezember 2017. http://www.nextliberty.com)