Viele Tote bei Erdbeben im Iran und Irak - Suche nach Überlebenden
Teheran/Bagdad (APA/AFP) - Wie Gerippe ragen zerstörte Häuserblocks in die Höhe, die herabgestürzten Fassadenplatten zu Trümmerbergen aufget...
Teheran/Bagdad (APA/AFP) - Wie Gerippe ragen zerstörte Häuserblocks in die Höhe, die herabgestürzten Fassadenplatten zu Trümmerbergen aufgetürmt, darunter zerquetschte Autos: Mehr als 230 Tote wurden nach dem verheerenden Erdbeben im Westen des Iran allein hier in der Stadt Sarpole Zahab (alternative Schreibweise: Sarpol-e Sahab) bis Montagmittag gezählt.
Insgesamt sind es im Iran laut Behörden mehr als 335 Tote und etwa 4.000 Verletzte. Auf der anderen Seite der Grenze, im kurdischen Teil des Irak, waren zu diesem Zeitpunkt acht Tote und rund 500 Verletzte zu beklagen.
Im Iran suchten die Rettungskräfte am Montag unablässig nach Überlebenden. Es sei „schwierig, Rettungsteams in die Dörfer zu schicken, weil die Straßen abgeschnitten sind. Es gab Erdrutsche“, berichtete der Chef des Katastrophenschutzes, Pir Hossein Koolivand. Vielerorts fiel der Strom aus. Hunderte Krankenwagen und dutzende Armee-Hubschrauber wurden laut Medienberichten entsandt. Irans geistlicher Führer Ayatollah Ali Khamenei wies Regierung und Armee an, „alle verfügbaren Kräfte“ zu mobilisieren.
Das schwere Erdbeben der Stärke 7,3 hatte die Region am Sonntagabend erschüttert, als viele Menschen zu Hause waren. Nachdem die US-Erdbebenwarte das Epizentrum zunächst im Osten des Irak bei Halabdscha angesiedelt hatte, änderte sie dies am Montag und lokalisierte es nun rund 50 Kilometer nördlich von Sarpole Zahab im Iran. Dort stürzten zahllose Häuserblocks teilweise ein, nur ihre Betongerüste stand noch, riesige Trümmerberge türmten sich auf, Helfer suchten unter schwerem Beton nach Überlebenden. Eine Frau und ein Baby konnten nach iranischen Medienberichten am Montagmorgen aus den Trümmern gerettet werden.
Für viele andere gab es keine Hilfe mehr. Verzweifelte Angehörige brachen weinend neben Opfern zusammen, wie Bilder der Agenturen Tasnim und Isna zeigten, Krankenhäuser waren überfüllt. Viele Überlebende campierten im Freien, neben Lagerfeuern, nur mit Decken zum Schutz gegen die Kälte - aus Angst vor Nachbeben.
Die Stadt Sarpole Zahab liegt in der iranischen Provinz Kermanschah, die von dem Beben besonders stark getroffen wurde. Die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtete über schwere Auswirkungen auch in Städten wie Ghasre Schirin (alternative Schreibweise: Kasre Schirin) oder Eslamabad. In der Region um diese Städte leben etwa 259.000 Menschen. In der Provinz bereiteten die Behörden nach eigenen Angaben die Einrichtung von Notunterkünften vor. Das staatliche Fernsehen zeigte die Verteilung von Zelten, Decken und Essen.
Im Nordost-Irak wurden im Kurdengebiet acht Menschen getötet und mehr als 500 verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Bagdad mitteilte. Die Zahl der Toten lag in dem vergleichsweise dünn besiedelten Gebiet deutlich niedriger als im Iran. Am stärksten getroffen wurde dort die Stadt Darbandikhan (alternative Schreibweise: Darbandichan, in der vier Menschen ums Leben kamen, wie der Gesundheitsminister der autonomen Kurdenregion, Rekot Raschid, sagte.
Fotos zeigten eingestürzte Mauern und Gebäude. Zwei Tote gab es demnach in Karmijan und einen in Suleimanija. Dort rannten Menschen in Panik auf die Straßen, als die Erde anfing zu beben. Ein Mensch starb in der benachbarten irakischen Provinz Diyala.
Das Beben ereignete sich in einer Tiefe von etwa 23 Kilometern und war auch in der irakischen Hauptstadt Bagdad und in der Stadt Täbris im Nordwesten des Iran zu spüren. Im Osten der Türkei schreckte das Beben die Menschen ebenfalls auf. In der kurdischen Millionenmetropole Diyarbakir flohen Bewohner aus ihren Häusern.
Die bergige Grenzregion zwischen dem Iran und dem Irak wird regelmäßig von Erdbeben erschüttert; dort verläuft eine tektonische Bruchlinie. Im Nordiran kamen bei einem Erdbeben der Stärke 7,4 im Jahr 1990 rund 40.000 Menschen ums Leben. 2003 erschütterte ein Erdstoß die historische Stadt Bam im Südosten des Iran. Dabei kamen mindestens 31.000 Menschen ums Leben. Auch 2005 und 2012 kam es im Iran zu schweren Beben mit hunderten Toten.